Advent: "Amen, komm doch, Herr Jesus!" 

 

Wir sind am Ende der Adventszeit – in gut einer Woche feiern wir bereits Weihnachten, die Ankunft des Sohnes Gottes auf die Erde. „Advent“ bedeutet „Ankunft“ – und es geht um die Ankunft von Jesus Christus. Über Jahrhunderte hinweg hatte das Volk Israel auf den verheißenen Messias-Christus gewartet (Hes.21,27; Jes.9,6f; 11,1-5). Gott ist treu, und so ist der Messias gekommen, nach der Schrift ist er in Bethlehem in Juda geboren (Micha 5,2; Mt.2,4-6). Er ist gekommen, um bei seiner ersten Ankunft die Welt von der Wurzel aller Probleme zu befreien – von der Sünde, die den Menschen von seinem Schöpfer und ebenso von seinem Nächsten trennt. Er, der Knecht Gottes, hat unsere Strafe auf sich genommen, hat am eigenen Leibe das gerechte Gericht Gottes über unsere Sünde über sich ergehen lassen, das wir verdient haben (Röm.6,23; Jes.53,12). Dadurch hat er die Hölle und den Tod besiegt und denen, die an ihn glauben, eine ewige und herrliche Hoffnung gegeben, indem er uns die Rechtfertigung vor Gott und die Kindschaft Gottes gegeben hat (1.Kor.15,54-57; Röm.5,1f; Gal.4,5). Von Gott gerechtfertigt, wurde er in Herrlichkeit aufgenommen – und, nach Gottes Versprechen, erwarten wir seine Zweite Ankunft, wenn er kommt, um die Seinen zu holen, die Gemeinde, die er sich mit seinem eigenen Leben erkauft hat (Joh.5,29; 1.Thes.4,17).

 

         Wenn wir sehen, wie rasant die Welt degradiert, indem sie sich immer weiter von Gott entfernt, dann wird damit auch deutlich, dass wir nicht mehr lange auf ihn warten müssen (2.Thes.2,3). Wie seinerzeit Israel lange wartete, so wartet auch die Gemeinde bereits seit zwanzig Jahrhunderten auf seine Zweite Ankunft. Doch Gott war seinem Versprechen treu bei der Ersten Ankunft, so wird er sich als treu erweisen auch in der Zweiten Ankunft (Hes.39,8).

         Für die Gottlose Welt, die gottfeindlich gesinnt ist oder ihn schulterzuckend gleichgültig ignoriert, wird es die Zeit des Gerichts sein (Lk.12,45-47). Für die Gemeinde wird es aber die Zeit der Freude sein, die Zeit der Erfüllung all der wundervollen, atemberaubenden Versprechen, die der Herr seiner Gemeinde gegeben hat. Nichts als Freude bedeutet die Zweite Ankunft denen, die an Jesus Christus glauben! Darum – Ja, „Amen, komm doch, Herr Jesus!“ (Off.22,20)! AMEN!

 

Viktor Jerke,

 

 

Pastor


DAS VIERTE GEBOT

Einleitung: Die Bedeutung des Begriffs „Sabbat“

 

Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst. 9 Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. 10 Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. 

11 Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der Herr den Sabbattag und heiligte ihn.“  (2.Mo.20,8-11; vgl. 5.Mo.5,12-15).

Heute werden wir uns mit der Bedeutung der Bezeichnung „Sabbat“ befassen, als Einleitung zu den Überlegungen zum Vierten Gebot.

 

1. Einleitung: Bedeutung des Begriffs „Sabbat“

Das hebräische Wort „Schabbat“ kommt vom Verb, das die Bedeutung „Ruhen, Aufhören“ (etwas zu tun) hat. Im Alten Testament wird das Wort aber nicht nur in Bezug auf den Wochentag gebraucht; nicht selten bezeichnete man damit auch irgendein Fest, im Sinne von „Ruhetag“: „Auch soll euch dies eine ewige Ordnung sein: Am zehnten Tage des siebenten Monats sollt ihr fasten und keine Arbeit tun, weder ein Einheimischer noch ein Fremdling unter euch.30 Denn an diesem Tage geschieht eure Entsühnung, dass ihr gereinigt werdet; von allen euren Sünden werdet ihr gereinigt vor dem Herrn. 31 Darum soll es euch ein hochheiliger Sabbat sein, und ihr sollt fasten. Eine ewige Ordnung sei das.“ (3.Mo.16,29-31). Hier wird das Jom-Kippur-Fest als „hochheiliger Sabbat“ bezeichnet, nicht der siebte Tag der Woche.

         Im Sinne von „ausruhen, sich erholen“ wird das Wort „Sabbat“ auch in Bezug auf die Zeit der Babylonischen Gefangenschaft gebraucht, wo das Land Israels unbearbeitet geblieben ist: „dass erfüllt würde das Wort des Herrn durch den Mund Jeremias, bis das Land an seinen Sabbaten genug hätte. Denn die ganze Zeit, da es wüst lag, hatte es Sabbat, bis siebzig Jahre voll wurden.“ (2.Chr.36,21). Die ganze Zeit der Babylonischen Gefangenschaft wird hier in Bezug auf das Land Israel als „Sabbat“ bezeichnet. Die Erde ruhte von dem Raubbau und erholte sich davon während dieser 70 Jahre.

         Der Sabbat hat auch noch die Bedeutung von einem „Gedenktag“, an dem man an besondere Ereignisse denken sollte. In 5.Mo.5,12-15 wird gesagt, dass die Israeliten an diesem Tag daran denken sollten, dass der Herr sie aus der Sklaverei Ägyptens befreit hatte. 2.Mo.20,11 ruft Israel auf, an das Schöpfungswerk Gottes zu denken.

         Vorläufiges Fazit: Das Wort „Schabbat“ hatte anfänglich nicht einen speziellen Wochentag im engeren Sinne gemeint, sondern vielmehr einen „Ruhetag“ und „Gedenktag“. Das „Gedenken“ war mit dem herrlichen Werk Gottes in der Schöpfung und der Rettungstat in der Geschichte der Befreiung aus der Sklaverei verbunden.

 

 

Viktor Jerke,

 

 

Pastor


DAS DRITTE GEBOT

Abschluss: Die Bedeutung des Dritten Gebots

 

Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.“  (2.Mo.20,7; vgl. 5.Mo.5,11). Heute wenden wir uns der Frage zu: was ist die eigentliche Bedeutung des Dritten Gebots? Warum hat Gott dieses Gebot gegeben?

 

5. Bedeutung des Dritten Gebots

Das Dritte Gebot wendet sich gegen eine ständige, ernsthafte Versuchung des Menschen: Gott zum Vollzieher eigener Gelüste zu machen. Gott soll dem Menschen dienen! Dieser Versuchung erliegen einzelne Menschen täglich im Alltagsgeschehen, wie auch ganze Gesellschaften und Parteien, die Gott auf ihrer Seite im Kampf gerne sehen möchten. Dafür malte man Kreuze auf die Fahnen, nahm Ikonen mit in den Kampf, Schilder mit Verheißungen aus der Bibel, auf den Schnalle der Riemen von Soldaten schreibt man „Gott mit uns“ usw. Auf diese Weise versucht man, Gott zu zwingen, die eigenen, bösartigen Absichten auszuführen. Im alltäglichen Leben beten Menschen für Gewinne im Lotto, für gute Noten in den Abschlussprüfungen, für eine erfolgreiche Abwicklung eines Geschäfts – Gott soll das alles zu unseren Gunsten ausführen. Gesundheit, Reichtum, Macht – das alles erwartet man von ihm. Er soll unsere Begierden und Gelüste befriedigen - ansonsten braucht man Gott nicht. In einer anderen Rolle will man mit ihm nichts zu tun haben.

       

  Der Missbrauch des Namens Gottes kann auch ganz abartige Formen bekommen – z.B. wenn der Name Gottes für einen Fluch gegen die Gegner missbraucht wird. Aber auch ein Schwur, ein Eid kann die Form einer Selbstverfluchung haben – wenn, im Falle, dass der Schwur nicht eingehalten wird, man sich selbst Böses wünscht: „der Herr soll mir dies oder jenes tun, wenn ich…“ (vgl. Jos.22,22; 1.Sam.14,44; 25,22; 2.Sam.3,9; 2.Kön.6,31).

         Der Missbrauch des Namens Gottes, besonders auch im Schwören, führte dazu, dass Jesus jede Art von Schwur grundsätzlich ablehnte. Denn ein Schwur, der ursprünglich als Garantie für die Einhaltung einer Vereinbarung dienen sollte oder die Wahrhaftigkeit einer Aussage garantieren sollte, wurde missbraucht, um sich der Verantwortung zu entziehen und eine vorsätzliche Lüge zu „decken“. Dafür hatte man dem Schwur verschiedene listige Klauseln angehängt, die es ermöglichen sollten, den Schwur zu umgehen und ungestraft davonzukommen. So ein Schwur war ein klarer Missbrauch des Namens Gottes. Darum verurteilte Jesus ganz scharf jede Art von Schwur (Mt.5,33-37; 23,16-22). Er begründete sie damit, dass ein falscher Schwur das Objekt des Schwures entehrt, verlästert, entheiligt. Ein „Ja“ muss ein „Ja“ auch ohne Schwur sein. Wahrhaftigkeit in Beziehungen ist das Gebot!

         Aber auch viele andere, alltägliche Lebensbereiche, sind betroffen! „Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut, achte einer den anderen höher als sich selbst“ (Phil.2,3) – Christen sind berufen, Jesus in Demut und Selbstverleugnung, in Einfachheit und Liebe zum Nächsten zu folgen. Ganz konkretes Verhalten eines Christen kann den Namen des Herrn, den wir tragen, verunglimpfen, entehren – unser Egoismus, Selbstsucht und Selbstverliebtheit, Gier, fleischliches Gehabe und Skrupellosigkeit im Umgang mit Menschen usw. Wir sind dagegen berufen, den Namen von Christus dadurch zu heiligen, dass wir seinen Charakter der Welt offenbaren – durch unser Leben im Alltag.

 

         Darum ist diese Gebot auch heute aktuell! Wie oft wird der Name Gottes unangebracht gebraucht und missbraucht. Sinnlose Aussagen, wie das Abschätzige „um Gottes willen!“, oder „Gott-oh-Gott“, zwielichtige Witze über Gott… Aber selbst unsere Gebete können diesbezüglich problematisch sein! Wenn wir von Gott nur die Befriedigung unserer fleischlichen Wünsche verlangen, ihn nur noch wie einen „Nikolaus“ behandeln, dann ist es ebenso ein Missbrauch des Namens Gottes. Gott weiß besser, als wir, was für uns wirklich gut ist – und da sollten wir ihm im Vertrauen auch die Rolle des Herrn unseres Lebens überlassen, der über unser Leben entscheiden darf. Daher ist auch der Zusatz – wie im Gebet des Herrn – „dein Wille geschehe“ – kein Ausdruck der Kleingläubigkeit, sondern ein Ausdruck der Anerkennung Gottes als Herrn über unser Leben.

 

Viktor Jerke,

 

Pastor

 

 

 

 

 


DAS DRITTE GEBOT

Die Begründung des Dritten Gebots

 

Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.“  (2.Mo.20,7; vgl. 5.Mo.5,11). In den letzten Beiträgen haben wir bereits Beispiele positiven Gebrauchs des Namens Gottes im Alten wie im Neuen Testament gesehen. Heute wenden wir uns der Frage zu: was ist die Begründung des Dritten Gebots? Warum hat Gott dieses Gebot gegeben?

 

4. Begründung des Dritten Gebots

Um das Dritte Gebot heute richtig einordnen zu können, muss man verstehen, welche Bedeutung es in der antiken Welt hatte. In der antiken Welt hatte man nicht nur den Namen mit der Person identifiziert, gleichgestellt und gleichbehandelt; vielmehr hat der Name die Person selbst oftmals vertreten oder ersetzt. Dieses Verständnis treffen wir auch oft im Alten Testament an – wo der Name Gottes, den  Charakter Gottes offenbart, seine Eigenschaften – und ihn auch Gott selbst vertritt – z.B. „Wir danken dir, Gott, wir danken dir und verkündigen deine Wunder, dass dein Name so nahe ist.“ (Ps.75,2). Weiterhin sehen wir, dass der Name Gottes etwas bewirken kann – z.B. „Der HERR erhöre dich in der Not, der Name des Gottes Jakobs schütze dich! (Ps.20,2). Und in der Gesetzgebung gebietet Gott selbst und sagt: „…sondern die Stätte, die der HERR, euer Gott, erwählen wird aus allen euren Stämmen, dass er seinen Namen daselbst wohnen lässt, sollt ihr aufsuchen und dahin kommen.  Dorthin sollt ihr bringen eure Brandopfer und eure Schlachtopfer, eure Zehnten und eure heiligen Abgaben, eure Gelübdeopfer, eure freiwilligen Opfer und die Erstgeburt eurer Rinder und Schafe. Und ihr und euer Haus sollt dort vor dem HERRN, eurem Gott, essen und fröhlich sein über alles, was eure Hand erworben hat, womit euch der HERR, euer Gott, gesegnet hat. “ (5.Mo.12,5-7). Hier wird der Name des Herrn mit dem Herrn selbst gleichgestellt! Wo der Name des Herrn „wohnt“, dort ist der Herr selbst anwesend!

 

         Den Grund, warum der Name so gehandhabt wird, können wir in 2. Mose 3,14 sehen, wo Gott dem Mose seinen Namen offenbart: Jahwe, der Herr Israels, der „Ich bin“, der „ich werde sein wer ich sein werde“. Jemand den Namen mitteilen bedeutet, den Zugang zu sich zu ermöglichen. Es ist ein bedeutsamer Schritt zu einer persönlichen Beziehung. Man kann sie auch mit einer persönlichen Telefonnummer vergleichen, die man teilt. Man kann angerufen, angesprochen werden. Man wird erreichbar. Der Name macht den Gebrauch des Namens möglich – ähnlich wie bei einer Telefonnummer, um anzurufen, um anzusprechen, um in Kontakt zu treten. Um sich an die Person selbst zu wenden. Er ist nun nicht mehr irgendein unbekannter Gott – den Namen Gottes zu kennen, ermöglicht es, sich an Gott zu wenden. Der Name ist quasi der Schlüssel, der den Zutritt zur Person ermöglicht. Und darum baut Gott auch einen „Schutzmechanismus“ in diese offene Tür zu seiner Person ein – das Dritte Gebot, damit die Menschen diese Zugangsmöglichkeit nicht missbrauchen. Denn er ist ein heiliger Gott, die Menschen sind aber durch die Sünde korrumpiert. Daher könnte man das Dritte Gebot sinngemäß wie folgt formulieren: „Missbrauche den Namen Gottes nicht, gebrauche ihn nicht auf eine unangemessene, schändliche Art, ohne Sinn, banal, ohne Grund oder im negativen“. 

 

Die Größe, die Heiligkeit und Herrlichkeit Gottes erfordert diese Art von Ehrfurcht vor seinem Namen. Ein sinnloser Gebrauch seines Namens würde ihn auf die gleiche Stufe mit den toten, von Menschen erdachten Götzen stellen. Eine Bestätigung dieses Gedankens finden wir auch im Neuen Testament, in Bezug auf Jesus: „Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist,  dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind…“ (Phil.2,9). Und, ebenso wie im Alten Testament, wird auch im Neuen Testament der Name der Person selbst gleichgestellt: „Und in keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden.“ (Apg.4,12). Wir nennen uns „Christen“. Diesen Namen können wir nicht verleugnen! Denn nur in ihm ist das Heil. Sich zu ihm zu bekennen bedeutet, sich mit der Person und Werk von Jesus Christus zu identifizieren. Darin liegt das Heil. Das ist der richtige Gebrauch des Namens Gottes.

 

 

Viktor Jerke,

 

 

Pastor


 

DAS DRITTE GEBOT

Die richtige Anwendung des Dritten Gebots im NT

 

Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.“  (2.Mo.20,7; vgl. 5.Mo.5,11). Der Text des Gebots verbietet den Gebrauch des Namens Gottes eindeutig nicht; er wendet sich aber mit allem Ernst gegen den Missbrauch vom Namen Gottes. Im letzten Artikel ging es um die richtige Anwendung des Dritten Gebots im Alten Testament, heute schauen wir uns das Zeugnis des Neuen Testaments in Bezug auf das Dritte Gebot an.

 

3. Die positive Deutung des Dritten Gebots im Neuen Testament

Das Neue Testament bestätigt alle positiven Formen des Gebrauchs des Namens Gottes außer dem Schwur im Namen des Herrn. Dabei fällt auf, dass das Lob Gottes im Namen des Herrn das Gegenstück vom Missbrauch des Namens des Herrn ist. „wenn jemand predigt, dass er's rede als Gottes Wort; wenn jemand dient, dass er's tue aus der Kraft, die Gott gewährt, damit in allen Dingen Gott gepriesen werde durch Jesus Christus. Sein ist die Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“ (1.Pet.4,11).

Im Ganzen ist zu beobachten, dass das Neue Testament den Namen Gottes seltener gebraucht, als das Alte Testament. Häufiger wird der Name Jesu gebraucht, z.B. nach der Formel: „…und sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus.“ (Eph.5,20). Es wird auch nicht nur eine oberflächliche  Dankbarkeit als Lippenbekenntnis erwartet, sondern aus der Tiefe des Herzens (Wesens) des Menschen, eine Dankbarkeit, die sich auch im alltäglichen Leben offenbart: „Deshalb beten wir auch allezeit für euch, dass unser Gott euch würdig mache der Berufung und vollende alles Wohlgefallen am Guten und das Werk des Glaubens in Kraft,  12 damit in euch verherrlicht werde der Name unseres Herrn Jesus und ihr in ihm, nach der Gnade unseres Gottes und des Herrn Jesus Christus.“ (2.Thes.1,11f). Der Name des Herrn Jesus Christus wird verherrlicht, wenn wir der Berufung würdig leben durch die Kraft des Heiligen Geistes, wenn wir Wohlgefallen haben am Guten und dem Guten anhängen und aktiv nachjagen.

Weiterhin wird das Dritte Gebot positiv erfüllt, wenn jemand den Namen des Herrn Jesus zur ewigen Rettung anruft: „Denn wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und wenn man mit dem Munde bekennt, so wird man gerettet …Denn »wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll gerettet werden«.“ (Röm.10,10.13; vgl. Joel 3,5). Eine ebenso positive Form des Gebrauchs des Namens des Herrn ist das Bekenntnis des Namens des Herrn Jesus (Phil.2,11; Heb.3,1f; 2.Joh.1,7). Und die vierte korrekte Art, den Namen des Herrn zu gebrauchen, ist das Gebet: „Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt.“ (Mt.6,9-13; 1.Pet.1,17).

 

Weil das Neue Testament ursprünglich in Griechischer und nicht Hebräischer verfasst wurde, wie das Alte Testament, finden wir hier nicht den Namen des Herrn „Jahwe“. Man hat den Namen „Jahwe“ schon in der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, der Septuaginta, mit der Bezeichnung „Kyrios“ (=Herr) „übersetzt“. Ebenso wird im Neuen Testament nicht selten auch die Bezeichnung „Vater“ anstelle des Namens Gottes gebraucht: „Vater unser im Himmel!“ (vgl. Mk.14,36; Röm.8,15). Diese Bezeichnung enthält Nähe, kindliches Vertrauen und Ehrfurcht. So hat Jesus Gott angesprochen und auch uns gelehrt, sich auf diese Weise an Gott zu wenden (Mt.11,25; 6,9-13).

Letztlich ist es unsere Berufung, den Namen des Herrn zu heiligen: „Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt.“ (Mt.6,9). Den Namen des Herrn heiligen bedeutet nicht nur mit den Lippen, sondern durch unser ganzes Leben zu bezeugen, dass wir für den Herrn abgesondert sind, das wir ihm gehören und er in der Tat der Herr unseres Lebens ist. Das ist der richtige, neutestamentliche Gebrauch des Namens des Herrn.

 

Viktor Jerke,

 

 

Pastor


 

DAS DRITTE GEBOT

Die richtige Anwendung des Dritten Gebots im AT

 

Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.“  (2.Mo.20,7; vgl. 5.Mo.5,11).
Der Text des Gebots verbietet den Gebrauch des Namens Gottes eindeutig nicht; er wendet sich aber mit allem Ernst gegen den Missbrauch vom Namen Gottes. Im letzten Artikel ging es um die falsche Anwendung des Dritten Gebots. Heute schauen wir auf das Zeugnis des Neuen Testaments in Bezug auf das Dritte Gebot.

 

2. Die positive Deutung des Dritten Gebots im Alten Testament

Wie wir gesehen haben, hat die Angst, den Namen Gottes zu missbrauchen, bei den Juden mit der Zeit dazu geführt, dass man ihn ganz aus den Gebrauch genommen hatte bzw. ihn durch einen anderen Namen Gottes ersetzte – man sprach nun „Adonai“ (Herr) aus, wo im Text Jahwe (Ich bin; Herr) vorkam.

Doch in der Bibel haben wir viele Beispiele, wie der Name des Herrn richtig, positiv, gebraucht werden kann. Eine Art, den Namen des Herrn in erlaubter, richtiger Form zu gebrauchen ist, nach dem Alten Testament, der Schwur im Namen Gottes: „…du sollst den HERRN, deinen Gott, fürchten und ihm dienen und bei seinem Namen schwören.“ (5.Mo.6,13). Das man den Schwur einzuhalten hat, gilt als selbstverständlich – denn der Herr, der heilige Gott, ist nun Zeuge. Den Namen des Herrn anzurufen, wenn du die Wahrheit sagst, ist also eine korrekte Art, den Namen Gottes zu gebrauchen (vgl. Ps.63,12).

Eine weitere positive, richtige Art, den Namen des Herrn zu gebrauchen ist die Anrufung in Not oder in der Buße: „Und es soll geschehen: wer des HERRN Namen anrufen wird, der soll errettet werden. Denn auf dem Berge Zion und zu Jerusalem wird Errettung sein, wie der HERR verheißen hat, und bei den Entronnenen, die der HERR berufen wird.“ (Joel 3,5; vgl. Ps.50,15; Sach.13,9).

Noch eine positive, erlaubte und gar geforderte Art, den Namen des Herrn zu gebrauchen, ist das Lob Gottes, die Verherrlichung seines Namens: „Ich danke dem HERRN von ganzem Herzen und erzähle alle deine Wunder.  Ich freue mich und bin fröhlich in dir und lobe deinen Namen, du Allerhöchster…“ (Ps.9,2f)

Am meisten angebracht ist der Gebrauch des Namens des Herrn im Gebet. Wir beten nicht einfach zu einer namenlosen, allgemeinen „Gottheit“, sondern zu einem lebendigen Gott, der uns seinen Namen offenbart hat – und das hat er getan, damit wir ihn mit Namen anrufen können! Den Namen kennen bedeutet, Zugang zur Person zu bekommen. Gott hat sich durch die Offenbarung seines Namens für die Menschen zugänglich gemacht – und diese Art vom Gebrauch des Namens Gottes unterstützt die Bibel, darunter auch das Alte Testament.

 

Viktor Jerke,

 

 

Pastor


DAS DRITTE GEBOT

Die falsche Anwendung des Dritten Gebots

 

Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.“  (2.Mo.20,7; vgl. 5.Mo.5,11). Der Text des Gebots verbietet den Gebrauch des Namens Gottes eindeutig nicht; er wendet sich aber mit allem Ernst gegen den Missbrauch vom Namen Gottes.

 

1. Die falsche Deutung des Dritten Gebots im Judentum zur Zeit des NT

Aus Furcht, das Dritte Gebot zu übertreten, hatten die Juden noch vor der Zeit des Neuen Testaments den Namen des Herrn gar nicht mehr benutzt. Wie vermutet wird, hat man mit der Zeit bei der Lesung der Schrift immer dort, wo der Name des Herrn „Jahwe“ („Ich bin“, der Name des Herrn im 3. Gebot) vorkam, stattdessen „Adonai“ gelesen, was ebenso „Herr“ bedeutet. Später haben die Masoreten (Schreiber, Gelehrte, die die Texte der Heiligen Schrift vervielfältigt haben). Es wurde also ein anderer der vielen Gottesnamen benutzt, um nicht den Namen des Herrn irgendwie zufällig zu „missbrauchen“ – selbst bei der Lesung der Schrift!

 

         So haben wir denn in der griechischen Übersetzung des Alten Testaments (Septuaginta), wohl aus demselben Grund, anstelle des Namens Jahwe den Namen „Kyrios“ (eine direkte Übersetzung von „Adonai“ = Herr).

         Doch dieser Ansatz führt klar am Ziel vorbei. Denn dabei übersehen wir den Hauptzweck dieses Gebots. Die Angst vor Missbrauch führt somit dazu, dass auch der gesunde, erlaubte Gebrauch völlig zum Erliegen kommt. Übermäßige Vorsicht und Angst führten zu Gesetzlichkeit, der ursprüngliche Zweck des Gebots ging verloren.

 

         Weil Jesus, nach Ansicht der Schriftgelehrten und Pharisäer, das Dritte Gebot übertreten hatte, wurde er als Gesetzesbrecher angesehen und sie suchten eine Gelegenheit, ihn zu töten: „Darum trachteten die Juden noch viel mehr danach, ihn zu töten, weil er nicht allein den Sabbat brach, sondern auch sagte, Gott sei sein Vater, und machte sich selbst Gott gleich.“ (Joh.5,18). Er nannte Gott seinen Vater und stellte sich ihm somit gleich. Diese Aussage wurde gegen ihn als Übertretung des Gebots verwendet. Das sieht man auch in Joh.10,33 wo die Juden ihn steinigen wollten wegen „Gotteslästerung“: „Die Juden antworteten ihm und sprachen: Um eines guten Werkes willen steinigen wir dich nicht, sondern um der Gotteslästerung willen, denn du bist ein Mensch und machst dich selbst zu Gott.“ (Joh.10,33). Die gleiche Anklage wurde gegen Jesus auch vor dem Obersten Gericht (Sanhedrin) erhoben: „Da zerriss der Hohepriester seine Kleider und sprach: Er hat Gott gelästert! Was bedürfen wir weiterer Zeugen? Siehe, jetzt habt ihr die Gotteslästerung gehört. Was ist euer Urteil? Sie antworteten und sprachen: Er ist des Todes schuldig.“ (Mt.26,65f).

        Eine formelle, gesetzliche Auslegung des Dritten Gebots hatte somit zur Verwerfung von Jesus als Messias geführt.

 

Viktor Jerke,

 

 

Pastor


 

DAS DRITTE GEBOT

Vom Gebrauch und Missbrauch des Namens Gottes

 

Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.“  (2.Mo.20,7; vgl. 5.Mo.5,11). Der Text des Gebots verbietet den Gebrauch des Namens Gottes eindeutig nicht; er wendet sich aber mit allem Ernst gegen den Missbrauch vom Namen Gottes.

 

1. Die Deutung des Dritten Gebots im Gesetz (AT)

Die Schrift erklärt man am besten durch die Schrift. Zuallererst schauen wir, wie das Gesetz selbst, dessen Teil das Dritte Gebot ist, dieses Gebot deutet.

         Wir können schnell feststellen, dass es zumindest drei Bereiche gibt, wo es verboten ist, den Namen Gottes zu gebrauchen:

 

         1) Im falschen Eid / Schwur (3.Mo.19,12)

Ihr sollt nicht falsch schwören bei meinem Namen und den Namen eures Gottes nicht entheiligen; ich bin der HERR.“

         Hier haben wir eine sehr prägnante Deutung des Dritten Gebots, die den Sinn und Zweck des Gebots deutlich machen. Dieser Satz steht im Kontext, wo Gott seinem Volk zeigt, wie es heilig vor seinem Gott leben kann. Der Name des Herrn darf nicht durch das Verhalten seines Volkes entheiligt werden. Der Herr ist heilig und auch seine Auserwählten sollen heilig sein (3.Mo.19,2).

         In der Bibel steht der Name Gottes immer in Verbindung mit dem Wertesystem, das Gott repräsentiert. Auch wenn Jesus sagt, dass wir „in seinem Namen“ den Vater im Himmel um etwas bitten dürfen, dann ist damit gemeint, dass unsere Bitte im Einklang mit den Werten und Zielen von Jesus ist und in seinem Sinne ist (Joh.14,13f; 15,16; 16,24 vgl. 1.Joh.5,14).

         Im Alten Testament hat man den Namen Gottes immer im Schwur oder Eid angerufen, um eine Zeugenaussage oder ein Versprechen zu bekräftigen. Darum wurde der Name des Herrn „entheiligt“, wenn der Eid von vornherein ein Meineid war; oder wenn man Geschworen hatte, um zu betrügen (vgl. Ps.24,3-5).

 

         2) Bei Gotteslästerung (3.Mo.24,16)

Das Dritte Gebot ist ebenso gegen Gotteslästerung gerichtet. Darum geht es im gleichen Kontext der Unterweisungen in der Heiligkeit. Auf die Gotteslästerung stand die Todesstrafe durch Steinigung.

 

         3) Bei okkulten Praktiken (5.Mo.18,9-14)

Ein weiterer Bereich, wo der Name Gottes missbraucht werden kann, sind okkulte Praktiken, d.h. der Gebrauch des Namens Gottes in Zauberformeln, Beschwörungen etc. Die antiken Schriften sind voller Zeugnisse von okkulten Praktiken. Es gab sie in allen Kulturen um Israel herum. Aber auch heute wenden Zauberer aller Arten gerne diese Masche an, um Menschen zu täuschen. Nicht selten wird auch das „Vater unser“ angewendet, um von der wahren, okkulten Quelle der Handlungen abzulenken.

         Nächstes mal schauen wir uns die Deutung des Dritten Gebots im Judentum an, im Alten wie im Neuen Testament und werden auch über die Bedeutung des Dritten Gebots für uns heute nachdenken.

 

Viktor Jerke,

 

Pastor

 

 


 

DAS ZWEITE GEBOT

Der Herr ist Gott!

 

Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis mache, …  Bete sie nicht an und diene ihnen nicht…denn ich bin der Herr, dein Gott… (2.Mo.20,4-6; vgl. 5.Mo.5,8f).

Zum Abschluss der Überlegungen zum Zweiten Gebot wollen wir noch auf die Frage eingehen: Was ist das eigentliche Ziel des Zweiten Gebots?

 

8. Das ultimative Ziel Gottes mit dem Zweiten Gebot

 

Das Zweite Gebot ist seit den ersten Jahrhunderten der Christenheit ein Thema für heiße Diskussionen. Besonders seit der Zeit des Kaisers Konstantin, als oberflächlich „christianisierte“ Massen von Menschen in die Kirchen strömten. Sie brachten ihre heidnischen Vorstellungen mit sich in die Kirche hinein und entfachten damit einen heftigen Streit, der in die Geschichte als die Zeit des Bilderkampfs eingegangen ist. Die Einen setzten alles daran, Bilder (Ikonen und Statuen) in den christlichen Gottesdienst einzuführen, die anderen kämpften bis auf das Äußerste dagegen an, so dass auch hier manchmal über die Strenge gehauen wurde, indem man jede Art von Kunst ablehnte.  Letztlich, nachdem mehrfach die kirchlichen Synoden entschieden haben, dass Bilder im Gottesdienst nicht akzeptabel seine, hat man diese Entscheidungen doch überstimmt und Bilder in die Gottesdienste eingeführt. In der Ostkirche (Orthodoxe) haben sich vor allem gemalte Bilder (Ikonen) durchgesetzt, im Westen (Katholische Kirche) vor allem die Statuen.

            In der Reformationszeit ist das Zweite Gebot wieder ein Diskussionsthema geworden. Im Ganzen hat die Reformation jede Art von Verehrung von Bildern abgelehnt. Die radikale Auslegung des Gebots hat nicht selten dazu geführt, dass jede Art von Kunst, einschließlich christlicher Kunst, abgelehnt wurde. Nicht selten wurden in der Reformationszeit Bilder verbrannt und Zerstört.

            Ist das Zweite Gebot wirklich gegen jegliche Art von Abbildungen, Bilder, Statuen, Kunst überhaupt? Sind jede Art von Bilder und Kunst im Gottesdienst verboten? Schauen wir uns mal einige Bibelstellen an:

 

         „Und er machte den Gnadenthron aus feinem Golde, zwei und eine halbe Elle lang und anderthalb Ellen breit,  und zwei Cherubim aus getriebenem Golde an die beiden Enden des Gnadenthrones, einen Cherub an diesem, den andern an jenem Ende.   Und die Cherubim breiteten ihre Flügel nach oben aus und bedeckten damit den Gnadenthron, und sie standen Antlitz gegen Antlitz und sahen auf den Gnadenthron.“ (2.Mo.37,6-9).

 

            Hier sehen wir, dass selbst der „Gnadenthron“, also die Bundeslade, kunstvoll verziert war. Hier sind Engelgestalten aus Gold erwähnt.

            „Und an den Seiten zwischen den Leisten waren Löwen, Rinder und Cherubim, und ebenso auf den Leisten und oberhalb und unterhalb der Löwen und Rinder waren herabhängende Kränze.“ (1.Kön.7,29).

            In diesem Text, ab V.13 haben wir eine detaillierte Beschreibung der Gegenstände und Gebäudedetails des Tempels Salomos.  Und hier stellen wir fest, dass der Tempel sehr kunstvoll gestaltet wurde. Es ging also nicht darum, die Kunst an sich abzulehnen oder jegliche Art von Bildern überhaupt zu verbieten. Verboten wurde nur jede Art von Abbildungen Gottes, von Bildern – ob gehauen, gemalt, gegossen – die Gott darstellen sollten! Somit ist das Zweite Gebot nicht allgemein gegen Kunst gerichtet, nicht einmal gegen Kunst im Gottesdienst, wie wir am Beispiel des Tempels gesehen haben.  Auf der anderen Seite ist aber offensichtlich, dass das Zweite Gebot absolut kategorisch jede Art von Bildern verbietet, die Gott darstellen würden oder die angebetet werden könnten.

            Das Zweite Gebot zielt somit gegen die eigenwilligen Vorstellungen des Menschen über Gott ab! Genau dagegen ist das Zweite Gebot: denn bei einem Bildnis Gottes würde der Mensch nach seiner Vorstellung, nach eigenem Gutdünken „Gott gestalten“! Auf diese Weise wäre Gott der Phantasie des Menschen ausgeliefert – und auch der Beschränktheit des Menschen in Bezug auf die Gotteserkenntnis. Doch wir müssen immer daran denken, dass Gott viel höher und größer ist, als unsere Vorstellungskraft!

            Das einzige zutreffende Gottesbild ist Jesus Christus, der Sohn Gottes (Joh.1,18; 2.Kor.4,4; Kol.1,15; Heb.1,3). Er wurde uns gegeben, um Gott in Wahrheit zu erkennen. Jede andere Art von Abbildungen ist verboten!

 

            Bei der Übertretung des Zweiten Gebots geht es nicht nur um eine falsche Vorstellung von Gott, sondern um die Souveränität Gottes, die durch eigenwillige Bilder und Vorstellungen streitig gemacht wird. Wenn der Mensch ein Bild Gottes nach eigener Vorstellung macht, versucht er auf diese Weise Gott von seiner Vorstellungskraft und Phantasie abhängig zu machen. Das ist jedoch schon Götzendienst, den Gott durch das Zweite Gebot bekämpft.

            Positiv gesehen, zielt das Zweite Gebot auf Jesus Christus ab, in dem wir das wahre Bild Gottes haben. Wer ihn kennt, kennt auch Gott, den Vater (Joh.12,45; 14,9). Das ultimative Ziel des Zweiten Gebots ist die Erkenntnis von Jesus Christus (Eph.4,13; Phil.3,8)

 

 

 

Viktor Jerke,

 

Pastor


 

DAS ZWEITE GEBOT

Die wahre Anbetung Gebots

 

Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis mache, …  Bete sie nicht an und diene ihnen nicht…denn ich bin der Herr, dein Gott… (2.Mo.20,4-6; vgl. 5.Mo.5,8f). Was ist der Zweck und die Absicht des Zweien Gebots? Darüber wollen wir heute nachdenken.

 

7. Das Zweite Gebot als Hinweis auf die Gegenwart und Zukunft des Menschen

Das Zweite Gebot ist vom Begriff „Bild“ geprägt. Der Mensch ist nach dem „Bild“ Gottes gemacht. Der Mensch darf sich aber kein „Bild“ Gottes machen, um es anzubeten. Ein Bild ist etwas Sichtbares, doch gleichzeitig wird die Tatsache betont, dass Gott unsichtbar ist (5.Mo.4,12.15).

            Das Neue Testament einerseits die Gültigkeit des Zweiten Gebots bestätigt (1.Joh.5,21; Apg.17,29f), andererseits uns aber ein klares „Bild“ Gottes in Jesus Christus gibt (Joh.12,45; 2.Kor.4,4; Kol.1,15). Jesus hat der Welt das Bild Gottes offenbart (Joh.14,9). Dabei geht es nicht um das äußere Aussehen, sondern um das Wesen Gottes (Joh.10,32; 1,18). 

            Die ganze Bibel offenbart uns, dass der Mensch nach dem „Bild“ Gottes erschaffen wurde (1.Mo.1,26). Durch den Sündenfall hat das Bild Gottes im Menschen zwar Schaden erlitten, ist aber dennoch erkennbar. Gott sieht den Menschen einerseits so, wie der Mensch jetzt wirklich ist: „Der HERR schaut vom Himmel auf die Menschenkinder, dass er sehe, ob jemand klug sei und nach Gott frage.  Aber sie sind alle abgewichen und allesamt verdorben; da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer.“ (Ps.14,2-3; vgl. Röm.3,1-12). Gott sieht die Verdorbenheit des Menschen. Er sieht uns, wie wir wirklich sind (Joh.1,48; 2,24f; 1.Sam.16,7; Off.2,23).

 

            Doch Gott sieht den Menschen nicht nur so, wie er im Moment ist, sondern auch so, wie er einst sein wird durch Jesus Christus. Er sieht die Vollendung des Menschen. In Jesus Christus haben wir das Vorbild. Denn Jesus Christus ist nicht nur der wahre Gott, sondern auch der wahre Mensch, in dessen Bild die Glaubenden durch den Heiligen Geist verwandelt werden (1.Kor.15,49; 2.Kor.3,18). Er ist der Anfang des neuen Menschen. Das Bild, das wir in Jesus haben, ist unsere Bestimmung: „Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.“ (Röm.8,29; vgl. 2.Kor.3,18; Kol.3,10). Diese Verwandlung in das Bild von Jesus beginnt schon hier auf der Erde durch die Wirkung des Heiligen Geistes, „werden verklärt in sein Bild von einer Herrlichkeit zur andern von dem Herrn, der der Geist ist.“ (2.Kor.3,18), „bis Christus in euch Gestalt gewinne!“ (Gal.4,19). Darauf, auf die Verklärung in das Bild von Jesus, zielt letztlich auch das Zweite Gebot ab. Durch Jesus Christus beten wir Gott recht an. Durch Jesus Christus dienen wir Gott auf die rechte Weise (Kol.3,24; Joh.4,23; 14,6).

 

 

Viktor Jerke,

 

 

Pastor


DAS ZWEITE GEBOT

Die Bedeutung des Zweiten Gebots

 

Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis mache, …  Bete sie nicht an und diene ihnen nicht…denn ich bin der Herr, dein Gott…“ (2.Mo.20,4-6; vgl. 5.Mo.5,8f). Was ist der Kern des Zweien Gebots? Was ist das Wesentliche daran? Worauf will Gott damit eigentlich hinaus? Gegen was oder auf was zielt es ab? Auf diese Fragen wollen wir heute die Antworten suchen.

 

6. Die tiefere Bedeutung des Verbots von Gottesbildern

Wie wir bereits feststellen konnten (siehe frühere Artikel), bezieht sich das Verbot auf Abbildungen Gottes durchaus nicht nur auf gegossene, gemalte oder geschnitzte Bilder, die wir uns machen könnten. Sondern auch auf die Vorstellungen über Gott, die wir uns machen; die inneren Bilder, die wir uns über Gott „ausmalen“. Das Zweite Gebot ist eine Kampfansage an eigenwillige Vorstellungen von Gott; eine Kampfansage an unsere Phantasie, die sich gegen den Glauben erhebt. Das Gebot bekämpft menschliche Vorstellungen über Gott die der Mensch sich eigenewillig macht, anstatt die Offenbarung Gottes durch sein Wort zu akzeptieren.

            Seinem Wesen nach ist der Götzendienst ein Stellenwechsel: der Mensch macht sich zu Gott, er bestimmt, wie Gott zu sein oder auszusehen hat. Der Götzendiener reißt die göttlichen Vollmachten an sich, er wird zur bestimmenden Figur in der Beziehung zu Gott. Der Götzendiener entscheidet, welche Funktionen sein „Gott“ haben soll oder auch nicht, der Götzendiener entscheidet über den Charakter seines „Gottes“ usw.

            Nicht zufällig geht das Gebot rigoros gegen jede Art von Abbildungen Gottes vor. Denn auch „kleine“ Eigenwilligkeiten können katastrophale Folgen haben, wie die Geschichte uns lehrt. Im 1. Jahrhundert hatten die Zeitgenossen Jesu auch Teils eigenwillige Vorstellungen über den Messias, die verhinderten, dass sie in Jesus Christus den Messias erkennen konnten. Eigentlich ist die ganze Geschichte der Menschheit voller Versuche, das Bild Gottes „umzubilden“. Besonders betroffen sind hier Kunst, Theologie und Politik. Hier wird ständig und eifrig am Bild Gottes gearbeitet.

            Die Aufgabe der Theologie ist dabei, zu unterscheiden und zu definieren anhand der Offenbarung Gottes in seinem Wort. Und nicht mehr. Wenn wir Gott in den Rahmen unserer Vorstellungskraft zu pressen versuchen (z.B. die Trinität, die Wunder etc.), dann landen wir unweigerlich beim Götzendienst. Gott, der nach menschlichem Maß und Bild geschaffen wird, ist tot in sich selbst, er kann nicht mehr Gott sein. Das ist ein Götze.

            Wichtig zu verstehen ist, dass diese menschlichen Vorstellungen – sprich, Götzen – die Souveränität Gottes angreifen. Das Zweite Gebot ist gegeben, damit Gott wirklich Gott bleibt in unserem Leben. Damit wir nicht in unserer religiösen Beschränktheit bleiben. Den die Tendenz des Menschen ist, sich selbst groß und Gott klein zu halten, indem man Bilder von Gott macht. Gott gibt uns dieses Gebot in seiner Gnade, damit wir von der geistlichen Beschränktheit und Blindheit befreit werden. Dieses Gebot führt uns über die Grenzen der irdischen Vorstellungen hinaus.

            Das Zweite Gebot zerstört auch selbst die Grundlage der Religionskritik Feuerbachs, dessen Lehre auch Karl Marx übernommen hatte. In seiner Projektionstheorie behauptet Feuerbach, dass nicht Gott den Menschen nach seinem Ebenbild schuf, sondern der Mensch hätte Gott nach seinem Bild und Vorstellung „gemacht“ und dann in den Himmel projiziert. Das Zweite Gebot zerstört die Grundlage für diese Behauptung; man kann sie sehr wohl auf die Götzen beziehen, die der Mensch nach eigener Vorstellung bildet, aber keineswegs auf den wahren Gott, der es verbietet, sich ihn willkürlich vorzustellen! Um Gott kennenzulernen, wie er wirklich ist, hat er sich uns offenbart in seinem Wort. So, wie er sich dort selbst offenbart, so haben wir ihn anzunehmen.

 

Viktor Jerke,

 

 

Pastor


DAS ZWEITE GEBOT

 

Die Forderung an den unsichtbaren, doch wirkenden Gott zu glauben

 

Das Zeugnis des Neuen Testaments

 

Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis mache, …  Bete sie nicht an und diene ihnen nicht…“ (2.Mo.20,4-6; vgl. 5.Mo.5,8f). Wie wir gesehen haben, war das Zweite Gebot im Alten Testament immer heftig umkämpft. Der Götzenanbetung war eine allgegenwärtige Realität auch in Zeiten des Neuen Testaments. Welche Alternativen bietet das Neue Testament dem Götzendienst?  

 

 5. Der Glaube an den wahren Gott im Neuen Testament

Schon im Alten Testament haben wir gesehen, dass das Volk Gottes die Realität Gottes nicht in toten, menschlichen Abbildungen suchen soll, sondern in konkreten Werken Gottes in der Schöpfung und der Heilsgeschichte. Auch im Alten Testament wurde somit der Glaube an den lebendigen, wirkenden Gott gefordert und gefördert.

            Im Alten Testament wollte Gott, dass sein Name an einem bestimmten Ort „wohnte“ – in der Stiftshütte, später – im Tempel in Jerusalem. Im Neuen Testament führt Jesus die Nachfolger aus dieser Bindung an einen heiligen Begegnungsort heraus: „Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“ (Joh.4,21-24); „Der Herr ist der Geist; wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.“ (2.Kor.3,17). Natürlich ging es auch im Alten Testament um geistliche Anbetung; der Tempel in Jerusalem als zentraler Versammlungsort hatte seine spezielle Funktion.

            Jesus Christus ist uns von Gott als Gottes „Abbild“ gegeben: „Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung.“ (Kol.1,15). Jesus selbst sagte auch klar: „wer mich sieht, der sieht den, der mich gesandt hat.“ (Joh.12,45), d.h. Gott, den Vater. Auffallend ist aber, dass im ganzen Neuen Testament das äußere Aussehen von Jesus nicht einmal erwähnt wird. Wissen, wie er ausgesehen hatte ist ein rein heidnischer Wunsch. Das Neue Testament stellt die Worte (Gottes Wort) von Jesus klar in den Vordergrund und seine Werke, „was Jesus von Anfang an tat und lehrte“ (Apg.1,1). Wer wissen will, wie Gott ist, muss die Worte Jesus hören, was er über sich und den Vater sagt, statt spekulieren oder argumentieren, wie er ist.

            Über die Unsichtbarkeit Gottes sagt auch das Neue Testament einiges aus: „was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig. (2.Kor.4,18). Unser Glaube aber sieht den Unsichtbaren (Heb.11,1). Und unser Glaube ist auf Jesus Christus gerichtet, den die Glaubenden nicht sehen und dennoch lieben (1.Pet.1,8).

            Die Forderung, an den Unsichtbaren zu glauben bedeutet jedoch nicht, dass die Bibel Gott einfach im „Jenseits“ verstecken will. Denn an den Unsichtbaren glauben bedeutet, an den Wirkenden zu glauben. Der Glaube ist die Brücke zwischen Verheißung und Erfüllung der Verheißung. So handelten die „Glaubenshelden“ der Bibel: „Durch den Glauben hat Noah Gott geehrt und die Arche gebaut zur Rettung seines Hauses, als er ein göttliches Wort empfing über das, was man noch nicht sah“ (Heb.11,7).

            Fazit: Folglich ist der biblische Glaube in erster Linie nicht der Glaube an die Existenz einer übernatürlichen Macht oder eines übernatürlichen, jenseitigen Wesens, sondern ein praktisches Vertrauen, dass Gott lebt und in unserem Leben wirkt. Der Glaube ist das Vertrauen, dass Gott seine Zusagen erfüllen wird.

 

 

Viktor Jerke,

 

 

Pastor


Frohe Weihnachten!

 

Als Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen:  Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten.  Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem…“ (Mt.2,1-3).

 

            Eine etwas überraschende Wendung. Wiese erschraken die Leute? Was hat die Menschen denn so „erschrocken“ bei dieser Botschaft? Heißt es denn nicht, dass es eine frohe Botschaft ist? Müssten die Menschen nicht froh werden? Hat der Engel nicht gesagt, es sei eine „große Freude, die allem Volk widerfahren wird“ (Lk.2,10). Warum denn erschrecken? Wieso diese inadäquate Reaktion?

            Die Bewohner Jerusalems waren ganz normale Menschen, wie auch unsere Zeitgenossen. Sie hatten ihre Sorgen. Sie hatten ihre Freuden. Sie hatten sich mit dem Leben arrangiert, haben ihren Platz unter der Sonne gefunden. Und dann kommt plötzlich so eine Nachricht! Nun ja, sicher, nicht alles ist heute gut; genauer gesagt, fast alles ist schlecht, man wünscht sich so manches, dass es besser werde. Die letzten drei Jahrzehnte lebte man in Judäa in Frieden, dank der Bemühungen von König Herodes und des römischen Kaisers Augustus. Ein gewisser Wohlstand ist entstanden. Dennoch ist es ein Leben unter doppelter Fremdherrschaft – der römischen und der des Idumäer Herodes.

            Und dennoch ging es den Menschen gar nicht so schlecht – durch den jahrzehntelangen Frieden gab es wenigstens eine gewisse Stabilität, man konnte arbeiten und die Familie ernähren. Der Wohlstand stieg deutlich an. Und nun, wo es doch so einigermaßen lief, kommt diese Nachricht: der Messias ist geboren! Ausgerechnet jetzt…! Ist doch klar, dass weder Herodes, noch die Römer dem Messias die Macht freiwillig abgeben werden. Und da dachte jeder: „lieber ein schlechter Frieden, als ein guter Krieg“. Lieber eine nicht ganz ideale Realität, als eine ungewisse Zukunft.

            Wie viele Menschen, so viele individuelle Ursachen. Man kann alle Ursachen der Angst und Sorgen so ausdrücken: die Menschen verstehen, dass man mit Christus nicht so leben kann, wie ohne Christus. Da müssen radikale Änderungen her! Das heißt – mein Leben muss sich radikal verändern! Und vor diesen Änderungen erschraken die Menschen. Sie verloren ihren Frieden, ihre Ruhe. Sie haben Angst vor diesen Veränderungen. An die jetzige Lebensweise haben sie sich schon gewöhnt. Was erwartet sie aber, wenn Christus in ihr Leben kommt!?

Wie viele Menschen – so viele Gründe. Doch es sind immer noch dieselben Gründe! Denn dahinter steht der eine Hauptgrund – die Sünde des Menschen vor Gott. Die von der Welt vehement geleugnet wird.  Die Sünde ist es, die dem Menschen Angst macht vor Gott – wie schon damals im Paradies, gleich nach dem Sündenfall: „Und Gott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du?  10 Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich.“ (1Mo.3,9f). Die Sünde ist es, die aus der Freudenbotschaft des Evangeliums eine Schreckensbotschaft macht: Gott, der Herr, ist da! Eine Freude für die Einen, ein Schrecken für die Anderen…

            Erstaunlich! Noch erstaunlicher: niemand ist hingegangen, um den neugeborenen Messias anzubeten – außer einigen Ausländern, die aus dem Osten gekommen sind (aus heutigem Irak, Syrien…), um ihn aufzusuchen und anzubeten. „Als sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut  11 und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.“ (Mt.2,10f).

Außer ihnen hören wir nur noch von ein paar armen Hirten, denen die Engel erschienen sind, dass sie ebenso den neugeborenen Messias aufgesucht haben (Lk.2,15f). Ansonsten niemand! Dabei war Bethlehem nur etwa 12 Kilometer von Jerusalem entfernt! Ein Fußweg von 2 – 3 Stunden! Doch wir hören nicht, dass sich auch nur einer aus Jerusalem auf den Weg gemacht hat! Kein Neugieriger! Auch kein Priester, um der Sache auf den Grund zu gehen! Niemand geht nach Bethlehem!

            Es geht hier aber nicht um irgendeinen Höflichkeitsbesuch. Die „Weisen aus dem Morgenland“ sind aus der Ferne gekommen, um den neugeborenen König anzubeten. Was heißt das? Anzubeten bedeutet, ihn als Herrn, als König anzuerkennen. Anbeten bedeutet, ihn als Herrn über das eigene Leben anzuerkennen. Dies bestätigen auch die Geschenke, die sie für Jesus gebracht haben. Was bedeutet aber, ihn als König anzuerkennen? Wir haben heute ja keine Könige. Heute haben wir Kanzler und Präsidenten, die vom Volk für eine bestimmte Zeit gewählt und auch wieder abgewählt werden können. Darum können wir den Unterschied zu einem König nur schwer verstehen. Ein König aber hatte absolute Macht über das Leben seines Volkes. Er ist wirklich der Herr. Mein Leben gehört ihm, er hat das Recht auf mein Leben, auf meinen Willen, auf mein Schicksal – ohne Widerspruch, er ist der Herr meines Lebens! Das Gold, das man ihm gebracht hatte, ist ein Zeichen der Anerkennung als König, als Herrn! Damit wollten sie sich nicht etwa freikaufen – sozusagen, hier hast du deine Kirchensteuer und sonst lass mich in Ruhe – nein! Sondern sie haben ihm gebracht, was ihm gehört, was ihm gebührt, was sie ihm schulden! Damit haben sie ihn als ihren Herrn anerkannt, sich als seine Untergebenen kenntlich gemacht – er darf über ihr Leben nun verfügen!

            Christus anzubeten bedeutet, persönlich zu ihm zu kommen und ihn als den persönlichen Herrn anzuerkennen, ohne „wenn“ und „aber“ sein Recht auf mein Leben anzuerkennen…! Auf mein ganzes Leben! Auf jeden Augenblick meines Lebens! Nicht nur für den Gottesdienst oder eine Spende. Sondern ihm die persönlichen Wünsche, Träume, Bestrebungen, Lebenspläne unterzuordnen! Sich ihm ganz anzuvertrauen. Restlos! Das bedeutet, ihn anzubeten! Das bedeutet, ihn als Herrn und König anzuerkennen! Nicht einfach einen König über ein Reich – nein, als meinen König und meinen Herrn!

            Wer Jesus zum König hat, hat alles! Wer Jesus nicht als König und Herrn hat, verliert alles! Das ist letztlich unsere Entscheidung, unsere Wahl, vor die Gott jeden Menschen stellt. Das Wort Gottes sagt, „Denn wir sind für Gott ein Wohlgeruch Christi unter denen, die gerettet werden, und unter denen, die verloren werden:  16 diesen ein Geruch des Todes zum Tode, jenen aber ein Geruch des Lebens zum Leben.“ (2Kor.2,15f). Für diejenigen, die über die Geburt von Jesus erschraken und ihn nicht anbeten wollten, die von ihm wussten, doch ihn nicht annahmen – für die ist es „ein Geruch des Todes zum Tode“! Denn sie haben damit die Gnadengabe Gottes ignoriert, abgelehnt! Für uns aber, die wir uns vor ihm anbetend beugen, ist es „ein Geruch des Lebens zum Leben.“ Für uns ist Weihnachten deswegen kein Grund zum Erschrecken, sondern ein Grund zur Freude (Lk.2,10)!

Frohe Weihnachten!

 

Viktor Jerke,

 

 

Pastor


DAS ZWEITE GEBOT

Die Forderung an den unsichtbaren, doch wirkenden Gott zu glauben

„Du sollst dir kein Bildnis machen“

 

Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis mache, …  Bete sie nicht an und diene ihnen nicht… (2.Mo.20,4-6; vgl. 5.Mo.5,8f). Wie wir bereits gesehen haben, ist das Zweite Gebot auch im Neuen Testament sehr aktuell. Auf dem Weg in die heidnische Welt ist das Evangelium auf Schritt und Tritt auf die Götzenanbetung gestoßen. Welche Alternativen bietet denn das Neue Testament dem Götzendienst?   

 

4. Der Glaube an den lebendigen Gott im Alten Testament

Darum sollt ihr euch keine anderen Götter neben mir machen, weder silberne noch goldene sollt ihr euch machen.“ (2.Mo.20,22f). Stattdessen sollten die Israeliten einen einfachen Altar aufbauen, der an die Gegenwart des Namens des Herrn erinnern sollte (V.24). Statt einer Abbildung wurde den Menschen der Name Gottes gegeben, der unter seinem Volk lebte. Gott verbietet, irgendwelche goldene, silberne etc. Abbildungen zu machen, dafür aber offenbart er dem Menschen seinen Namen. Den Namen zu offenbaren bedeutet, den Zugang zu sich zu öffnen.

            Nach der Landnahme sollten die Israeliten alle Götzenbilder der einheimischen Völker vernichten und einen Platz wählen, wo der Name Gottes wohnen sollte (5.Mo.12,5). Anfänglich war es die Stiftshütte (2.Mo.33,7-11). In späteren Zeiten wurde der Tempel des Salomo zu diesem erwählten Ort. Im Tempel gab keinerlei Abbildungen Gottes (1.Kön.8,27). Salomo wusste, dass selbst der Himmel Gott nicht fassen kann, geschweige denn sein bescheidener Tempel. Doch es war die Stätte, wo der Name Gottes wohnte. Diese Tatsache kam auch später noch zum Ausdruck, z.B. im Gebet Daniels, der aus der Ferne seine Gebete in Richtung Jerusalem richtete (Dan.6,10).

            Das Besondere und Einmalige des Zweiten Gebots im Alten Testament besteht darin, dass es auffordert, an einen unsichtbaren, doch aktiv agierenden Gott zu glauben, der sich durch seine Werke offenbart (vgl. die Einleitungsworte des Ersten Gebotes, 2.Mo.20,2!). Der Mensch neigt dazu, sich nur auf Dinge zu verlassen, die er sieht und durch seine Sinne wahrnehmen kann. In 2.Mo.32 lesen wir auch von einem Fall, wo die gerade aus Ägypten ausgezogenen Israeliten dachten, „sehen bedeutet glauben“ – und machten sich einen goldenen Stier. Israel wollte eine sichtbare Garantie der Gegenwart Gottes haben, den dieser Stier darstellen sollte.

            Doch Gott erwartete von seinem Volk etwas absolut außergewöhnliches für die damalige Zeit: Er erwartet eine geistliche Anbetung durch den Glauben.  Diese Aufforderung einer geistlichen Anbetung im Alten Testament findet einen nahtlosen Anschluss im Neuen Testament. In beiden Testamenten geht es um eine geistliche Anbetung durch den Glauben – Glauben und Vertrauen in sein Wort und seine Werke. Und Gott offenbart sich eben durch ganz konkrete Werke in der Heilsgeschichte: „Deine Augen haben alles gesehen, was der HERR, euer Gott, … getan hat.“ (5.Mo.3,21). Auch der Himmel und die Erde sind Zeugen der Werke Gottes (Röm.1,19f). Das Volk Gottes soll die Realität Gottes nicht in toten, menschlichen Abbildungen suchen, sondern in konkreten Werken Gottes in der Schöpfung und der Heilsgeschichte.

            Im Neuen Testament kommt dieser Ansatz voll und ganz zum Ausdruck. Darüber nächstes Mal mehr.

 

 

Viktor Jerke,

 

Pastor

 

 

 


DAS ZWEITE GEBOT

Im Neuen Testament

„Du sollst dir kein Bildnis machen“

 

Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis mache, …  Bete sie nicht an und diene ihnen nicht…“ (2.Mo.20,4-6; vgl. 5.Mo.5,8f). Wie sieht es denn mit dem Zweiten Gebot im Neuen Testament aus? Ist es denn auch für die Gemeinde aktuell? Die Bedeutung und Aktualität des Zweiten Gebots wird von den meisten Christen unterschätzt. Doch nicht zufällig ist es an zweiter Stelle! Heute schauen wir uns das Zeugnis des Neuen Testaments über das Zweite Gebot an.

 

3. Das Zweite Gebot im Neuen Testament

Das Zweite Gebot ist eigentlich eine Verschärfung des Ersten Gebots: „Du sollst dir kein Bildnis noch irgend ein Gleichnis machen, weder dessen, das oben im Himmel, noch dessen, das unten auf Erden, noch dessen, das in den Wassern, unterhalb der Erde ist. Bete sie nicht an und diene ihnen nicht; denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifriger Gott …“ (2.Mo.20,4f; 5.Mo.5,8f). Wie wir bereits gesehen haben, gab es im Volk Gottes zur Zeit des Alten Testaments immer einen erbitterten Kampf um die Einhaltung des Zweiten Gebots.

            Aber auch in den Zeiten des Neuen Testaments war der Götzendienst eine allgegenwärtige Realität. Und auf seinem Weg in die heidnische Welt ist das Evangelium Religionen begegnet, die die Anbetung von Götzen praktizierte (z.B. Kult der Diana (Artemis) in Ephesus, Apg.19,35; das griechische Pantheon, Apg.17 usw.).   Und wo auch immer das Evangelium dem Götzendienst begegnet ist, wurde er als falsche Religion entlarvt, als eine selbsterdachte Religion, die  letztlich nichts anderes ist als ein „Gebilde menschlicher Kunst und Erfindung“ (Apg.17,24-29). 

            Im Neuen Testament finden wir die gleiche Begründung für die Ablehnung von Götzenbildern, wie auch im Alten Testament. Es ist die Überlegenheit des Schöpfers gegenüber der Schöpfung, sein unvergleichliches Wesen, das nicht dieser materiellen Welt entstammt. Der Schöpfer ist höher als die Erde und daher kann man ihn nicht mit irgendwelchen irdischen oder materiellen Dingen vergleichen. Jeder Vergleich ist eine Erniedrigung des Schöpfers. Hinter dem Götzendienst steht eben der Versuch des Menschen, einen Gott nach eigener Vorstellung zu „schaffen“, der nicht wirklich vom Himmel, sondern von der Erde und irdisch ist (Röm.1,21-23; vgl. Ps.106,19f). Somit wäre Gott nicht mehr, als ein Teil der Schöpfung. In diesen Texten ist der ganze Paradox, die Widersprüchlichkeit und Sinnlosigkeit des Götzendienstes zum Ausdruck gebracht: die Menschen haben „die Wahrheit Gottes in Lüge verkehrt und das Geschöpf verehrt und ihm gedient haben statt dem Schöpfer“ (Röm.1,25). Wegen dieser Einstellung hat Gott die Götzendiener auch „dahingegeben“ in die selbstzerstörerischen Begierden.

            Jeder Versuch, Gott als etwas darzustellen, das wir aus der materiellen Welt kennen, ist immer eine Beleidigung, Entehrung Gottes, der unvergleichlich höher ist, als seine Schöpfung, der über alles erhöht ist, was wir kennen, der mit nichts innerhalb der Schöpfung zu vergleichen ist.

            Das Neue Testament sagt voraus, dass die Menschen in der Endzeit wieder zum Götzendienst zurückkehren werden (Off.13,14ff). Typisch für die Wirkung des Antichristen wird der Aufruf zum Götzendienst sein, zur Anbetung des Bildes des Tieres aus dem Meer, das – und das ist eine historische Neuheit – ein sprechendes Bild sein wird.

            Welche Alternative bietet denn das Wort Gottes dem Götzendienst? Darüber – nächstes Mal.

 

 

Viktor Jerke,

 

Pastor


DAS ZWEITE GEBOT

(FORTSETZUNG)

„Du sollst dir kein Bildnis machen“

 

Wir setzen heute die Betrachtung des Zweiten Gebots fort: „Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis mache, …  Bete sie nicht an und diene ihnen nicht…“ (2.Mo.20,4-6; vgl. 5.Mo.5,8f)

Die Bedeutung und Aktualität des Zweiten Gebots wird von den meisten Christen unterschätzt. Doch nicht zufällig ist es an zweiter Stelle! Heute schauen wir uns das Zeugnis des Alten Testaments über das Zweite Gebot an.

 

2. Das Zweite Gebot im Alten Testament

 

Außer des uns bekannten Textes des Zweiten Gebots gibt es noch einen Zusatztext zum Zweiten Gebot: „Bete sie (die anderen „Götter“ - VJ) nicht an und diene ihnen nicht; denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifriger Gott, der da heimsucht der Väter Missetat an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied derer, die mich hassen,  und tue Barmherzigkeit an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.“ (2Mo.20,5f).

            Gott ist nicht nur „intolerant“ gegenüber „anderen Göttern“, sondern hier sehen wir einen Fluch, der diejenigen trifft, die das Zweite Gebot übertreten! Denn ganz offensichtlich sieht Gott die anderen „Götter“ ganz anders, als die Menschen sie sehen – besonders auch in unserer modernen Zeit! Gott sieht die anderen Götter ganz klar nicht als „auch einen Weg“ „in den Himmel“ – sondern als einen Weg ins Verderben, einen Irrweg, der die Menschen in tödliche Gefahr bringt! Und darin wird sichtbar, dass hinter diesem Gebot die Liebe des Schöpfers und Retters steht, der nicht will, dass die Menschen sich in Gefahr begeben.

 

            Für die Übertretung des Zweiten Gebots gibt es konkrete Folgen:

·         Für die Übertretung des Zweiten Gebots wird das Volk in Gefangenschaft geraten, wird aus dem verheißenen Land deportiert und in der Fremde, unter Fremdherrschaft leben müssen (5.Mo.4,25f). Die Babylonische Gefangenschaft war, nach dem Zeugnis der Schrift, eine Folge des Götzendienstes (2. Gebot) und der Übertretung des Sabbats (4. Gebot).

·         DiezweiteFolgederÜbertretungdes Zweiten Gebots ist, dass die Menschen dem Überlassen werden, was sie erwählt haben, d.h. im Götzendienst mit allen dazu gehörenden Folgen (vgl. Hes.7,20). Gott gibt die ungehorsamen Menschen dahin“ (vgl. Röm.1,24f). Und sie werden zu erbärmlichen Sklaven dessen, was sie sich an Gottes Stelle erwählt haben: „Ich aber will euch bis über Damaskus hinaus verbannen, spricht der HERR“ (Am.5,27) – sie werden also dorthin verbannt, woher ihre selbst erwählten Götter kommen.

            Wie wirkte sich denn das Gebot in der Geschichte Israels aus? In der ganzen alttestamentlichen Zeit sehen wir einen Kampf in Israel zwischen Treue zu Gott und Götzendienst, vor dem so oft gewarnt wird (vgl. Ri.17,4; 2.Chr.28,2; 33,3 u.v.m.). Es gab Zeiten, wo selbst im Tempel in Jerusalem Götzenbilder standen (2.Kön.16,10ff; 2.Chr.28,20-25) – mit allen Folgen, die im Zweiten Gebot angekündigt werden; und es gab Zeiten, wo Israel sich gründlich vom Götzendienst gereinigt hatte (vgl. 2.Chr.23,17; 29,16; 34,3f; 2.Kön.23,24) – mit allem Segen als Folge, die Gott in seinem Wort verspricht. Das ganze Alte Testament ist ein Zeugnis vom Kampf um das Zweite Gebot.  

            Wie sieht es denn mit dem Zweiten Gebot im Neuen Testament aus? Ist es denn auch für die Gemeinde aktuell? Darüber werden wir im nächsten Artikel nachdenken.

 

             

 

Viktor Jerke,

 

Pastor


DAS ZWEITE GEBOT

 

„Du sollst dir kein Bildnis machen“

 

Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder dessen, das oben im Himmel, noch dessen, das unten auf Erden, noch dessen, das in den Wassern, unterhalb der Erde ist.  Bete sie nicht an und diene ihnen nicht; denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifriger Gott, der da heimsucht der Väter Missetat an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied derer, die mich hassen, und tue Barmherzigkeit an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.“ (2.Mo.20,4-6; vgl. 5.Mo.5,8f)

            Die meisten Christen heute unterschätzen die Bedeutung des Zweiten Gebots, weil sie es für nicht aktuell, veraltet und überholt halten. Denn heute betet doch kein Mensch mehr Bilder an, oder? Doch nicht von ungefähr steht dieses Gebot gleich an zweiter Stelle! Denn Gott, unser Schöpfer, kennt uns ganz genau – und auch die Gefahren, denen wir nach dem Sündenfall ausgesetzt sind.

 

1. Die Grundlage des Zweiten Gebots

Das Zweite Gebot stellt eigentlich eine Verschärfung des Ersten Gebots dar. Hier wird der Anspruch Gottes, als der Eine Gott, durch Abgrenzung und Ausschluss verschärft.

Das Zweite Gebot wird mit der Unsichtbarkeitund Unvergleichbarkeit Gottes begründet. Diese Begründung finden wir auch in den Vorschriften zum Bau des Opferaltars: „Und der HERR sprach zu Mose: Also sollst du den Kindern Israel sagen: Ihr habt gesehen, dass ich mit euch vom Himmel her geredet habe. Darum sollt ihr keine andern Götter neben mir machen; silberne oder goldene Götter sollt ihr euch nicht machen. Einen Altar von Erde sollst du mir machen, darauf du deine Brandopfer und deine Dankopfer, deine Schafe und deine Rinder opferst; an jedem Ort, wo ich meines Namens Gedächtnis stifte, daselbst will ich zu dir kommen und dich segnen.“ (2.Mo.20,22-24)

            Diese Vorschriften stellen einen krassen Kontrast zu den damaligen Vorstellungen dar, dass ein „Gott“ zu einer Kultstätte gehört, wo sein Bildnis steht. Diese Vorschriften jedoch besagen klar, dass Gott im Himmel ist, dass niemand ihn gesehen hat und nicht weiß, wie er aussieht. Daher darf auch kein Bild von Gott gemacht werden. Zugleich bedeutet es auch, dass Gott allgegenwärtig ist und nicht an eine Kultstätte (wie diesen Altar) gebunden ist. Genau deswegen durften die Israeliten auch die Steine des Opferaltars nicht bearbeiten, sondern sie unberührt verbauen. Diese Vorschrift soll wiederum sichern, dass die Israeliten nicht in Versuchung geraten, irgendwelche Abbildungen Gottes in Stein zu meißeln (vgl. 2.Mo.20,25).

            Solch strenger Verbot ist absolut einmalig für die antike Welt. Kein einziges Bild durfte benutzt werden, um Gott darzustellen. Einfach nichts! Immer wieder wird eingeschärft: „So bewahret nun eure Seelen wohl, weil ihr keine Gestalt gesehen habt an dem Tage, als der HERR aus dem Feuer heraus mit euch redete auf dem Berge Horeb;  dass ihr nicht verderblich handelt und euch irgend ein gemeißeltes Bild machet, irgend eine männliche oder weibliche Figur, oder das Bild irgend eines Viehes, das auf Erden ist, oder eines Vogels, der am Himmel fliegt, oder das Bild eines Reptils, das auf dem Erdboden kriecht, oder der Fische, die im Wasser unter der Erde sind… (5.Mo.4,15ff).


            Weil Gott unsichtbar ist, kann er auch nicht abgebildet werden. Weil Gott aus dem Himmel, aus einer anderen Welt, zu den Menschen sprach, kann er auch nicht mit Dingen aus dieser Welt verglichen werden. Es gibt einfach nichts, womit wir ihn Vergleichen könnten! Als Schöpfer ist er zudem unvergleichlich höher, als sein Geschöpf; somit wäre jeder Vergleich (noch so gut gemeint!) eine Erniedrigung und Entehrung Gottes. Darum ist jeder Versuch, Gott abzubilden, letztlich Sünde, eine Zielverfehlung, die statt Anbetung zur Verschmähung werden würde.

            Diese Argumentation finden wir in der ganzen Bibel immer wieder: „Wem wollt ihr denn Gott vergleichen? Oder was für ein Ebenbild wollt ihr ihm an die Seite stellen?“ (Jes.40,18-25). Und einige Aussagen im Alten Testament zeigen, dass die Übertretung des Zweiten Gebots dazu auch noch ein Zeichen von Torheit und Dummheit ist: „Die Himmel verkünden seine Gerechtigkeit, und alle Völker sehen seine Herrlichkeit. Schämen müssen sich alle, die den Bildern dienen und sich der Götzen rühmen; vor ihm beugen sich alle Götter. (Ps.97,6f). Es sollen zurückweichen und tief beschämt werden, die auf Götzen vertrauen und zu gegossenen Bildern sagen: Ihr seid unsre Götter!“ (Jes.42,17). Besonders deutlich beschreibt den Unsinn des Götzendienstes der Prophet Jeremia, indem er aufzeigt, dass die Menschen aus einem Stück Holz sich ein Götzenbild machen und von den Resten des Holzes den Ofen aufheizen, um sich eine Suppe zu kochen (Jer.10,14; vgl. 51,17).

            Sehr trefflich hat die Wiedersinnigkeit des Götzendienstes der Psalmdichter beschrieben: „Sie machten ein Kalb am Horeb und warfen sich nieder vor dem gegossenen Bild.  Sie vertauschten ihre Herrlichkeit gegen das Abbild eines Stiers, der Gras frisst. Sie vergaßen Gottes, ihres Retters, der große Dinge in Ägypten getan“ (Ps.106,19-21; vgl. Röm.1,25). Genau das geschieht bei der Übertretung des Zweiten Gebots: der Mensch dient und betet an „die Schöpfung statt den Schöpfer“!

 

           

Viktor Jerke,

 

Pastor


 

DAS ERSTE GEBOT

 

Abschließende Gedanken zum 1. Gebot:

Gelten die Gebote auch für Nichtchristen?

 

In den letzten Wochen haben wir aufgrund des Ersten Gebots über die Furcht Gottes, die Liebe zu Gott und den Glauben an Gott gesprochen. Und auf den ersten Blick scheint es klar zu sein, dass wir das Erste Gebot mit den aufgelisteten Forderungen nur auf Gläubige beziehen können. Gerade in den letzten Jahrzehnten hört man ja häufig die Anschuldigung, dass „die Kirche“ säkularen Menschen, gar Atheisten, versucht ihre religiösen Ansichten und Normen überzustülpen – wo sie doch gar nicht an Gott glauben! Dazu gehören auch Konflikte, die entstehen, wenn z.B. bei öffentlichen Veranstaltungen gebetet wird. Da fühlen sich manche Menschen „angegriffen“.

            Die Frage ist also, inwiefern die Forderungen des Ersten Gebots – „Ich bin der HERR, dein Gott, … Du sollst keine andern Götter neben mir haben!“ (2.Mose 20,2f) – alle Menschen angehen? Können wir auch von Atheisten fordern, dass sie das Erste Gebot einhalten – wo sie doch gar nicht an Gott glauben!?

 

4. Gehört das Erste Gebot in die allgemeine Ethik?

Alles, was über die Furcht Gottes, die Liebe zu Gott und den Glauben an Gott gesagt wurde, kann man nur auf Gläubige beziehen. Bekehrung, Wiedergeburt, persönliche Beziehung mit Gott wurden selbstverständlich vorausgesetzt. Wie können wir auch Gott lieben, wenn wir keine Gemeinschaft mit ihm haben, wenn wir ihn gar nicht persönlich kennen? Glaube, Furcht Gottes und Liebe gehören doch zur Frucht des Geistes!? (Gal.5,22)

            Auf der anderen Seite haben wir schon darüber nachgedacht, dass es auch, z.B. eine natürliche Gottesfurcht gibt, die jedermann haben kann. Doch weil die natürliche Religiosität des Menschen unter Einfluss der Sünde geformt wird, kann sie niemand zum wahren Gott führen. Denn nur durch Christus kann man Gott wirklich erkennen (Joh.14,6f)!

            Doch in jeder Religion gibt es auch richtige Erkenntnis; z.B. kennt fast jede Religion einen „Gott“. Und auch Menschen, die absolut fern sind jeglicher Religion, finden wir die Vorstellung von einem „Gott“, wie verkehrt sie auch sein mag.  Wie sündig und Gott fern ein Mensch auch sein mag, so hat er doch eine Vorstellung, dass es einen Gott gäbe. 

            Die Tatsache, dass jedes Volk irgendeine Religion und Gottesdienst hat, ist ein Hinweis, dass der Mensch noch auf ethische Fragen ansprechbar ist. Auch eine verkehrte Religion kann – bis zu einem gewissen Grad - vor totaler moralischer Zersetzung bewahren. Somit kann auch ein total verkehrtes Gottesverständnis doch noch positive Folgen haben.

            Diese Tatsache ist die Voraussetzung für die Forderung des Ersten Gebots an jeden Menschen. Denn die Wahrheit ist, dass jeder Mensch auf der Erde ein Geschöpf des Einen Gottes ist. Und jeder Mensch lebt in der Welt, die Gott, der Schöpfer, erschaffen hat. Diese Welt gehört Gott und sie funktioniert nach seinen Gesetzen. Und weil sie ihm gehört, beziehen sich auch seine Forderungen nicht nur auf einzelne Menschen, sondern auf die ganze Menschheit und auf jeden einzelnen Menschen: „Ich bin der HERR, dein Gott … Du sollst keine andern Götter neben mir haben.“ (5.Mo.5,6f; vgl. Röm.3,29). Er ist Gott und Herr über jeden Menschen. Jeder Mensch wird sich einst vor ihm verantworten müssen. Darum ist das Erste Gebot eine Forderung an jeden Menschen auf der Erde! Und für jeden Menschen auf der Erde, unabhängig von Rasse, Nation und Religion, kann er nicht nur der Schöpfer, sondern auch Retter werden. Das ist die Botschaft, die wir den Menschen weiter zu sagen haben.

 

Viktor Jerke,

 

Pastor


DAS ERSTE GEBOT

 

Folgerungen aus dem 1. Gebot:

An Gott glauben - abschließende Gedanken

 

Im letzten Artikel ging es darum, dass der Glaube vom Menschen gefordert wird. Der Glaube ist etwas, was der Mensch Gott schuldet!

 

3.2. Der Glaube „an“ Gott als unbedingtes Vertrauen

Was meinen wir, wenn wir vom Glauben „an“ Gott reden? Was heißt es konkret, „an“ Gott zu glauben? Sowohl Menschen, die sich als wiedergeborene Christen verstehen, als auch Menschen, die alternativen Glaubensformen und Richtungen angehören, sprechen vom Glauben „an“ Gott. Was aber versteht die Bibel unter dem Glauben „an“ Gott?

         Zusammenfassend kann man sagen, dass damit ein absolutes Vertrauen gemeint ist, ohne Einschränkungen. Doch uneingeschränkt kann man diese Aussage nur auf Gott anwenden. Auf Gott, der allmächtig, heilig, ja – absolut vertrauenswürdig ist, rein und ohne Falsch. So absolut kann man nicht von einem Glauben „an“ einen Menschen sprechen, denn Menschen sind nicht allmächtig, nicht allwissend und versagen (Mt.26,34f). Auch in Bezug auf den Teufel können sagen wir nicht, dass wir „an“ ihn glauben – wir glauben lediglich, dass es ihn gibt. Wenn wir aber sagen, wir glauben „an“ Gott, dann ist es für uns ein Ausdruck des absoluten, unbedingten Vertrauens; wir vertrauen uns Gott im Leben und Tod an.

 

3.3. Treue zu Gott als ein praktischer Ausdruck des Glaubens

Der dritte Aspekt des Glaubens ist die Treue gegenüber Gott. Treue ist der Glaube und das Vertrauen, die in der Zeit gemessen werden. Anders ausgedrückt, Treue ist das Vertrauen, das wir Tag für Tag, in verschiedensten Lebenssituationen unser Leben lang, in Leben und Tod, zum Ausdruck bringen. Die Schrift spricht viel und oft von der Treue, als notwendigem Aspekt des Glaubens, den wir brauchen, um die Verheißungen Gottes zu empfangen: „Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben!“ (Off.2,10; vgl. Off.1,5; 2,13; 3,14; 2Kor.6,8; Mt.25,21; Lk.6,10 u.v.m.).

         Der christliche Glaube ist also ein Glaube an Gott als Schöpfer, Retter und Herrn, die sich im praktischen Vertrauen im Alltag und der Treue in allem, in Leben und Tod, zum Ausdruck kommt, bis wir ihn sehen. Durch diesen Glauben, das Vertrauen und der Treue wird Gott verherrlicht!

 

 

Viktor Jerke,

 

Pastor


DAS ERSTE GEBOT

 

Folgerungen aus dem 1. Gebot: An Gott glauben

Glaube als Forderung

 

In den letzten Wochen haben wir über zwei praktische Folgerungen aus dem Ersten Gebot gesprochen: 1) die Furcht Gottes und 2) die Liebe Gottes. Heute werden wir über die dritte und letzte Folgerung nachdenken – über den Glauben an Gott.

 

3. Dritte Folgerung aus dem 1. Gebot: an Gott glauben


3.1. Glaube als ethische Forderung

Über den Glauben wird üblicherweise in der Glaubenslehre (Dogmatik) gesprochen. Doch das ist nur ein Aspekt des Glaubens, wo es um die Grundlagen geht, wie, z.B. um den rettenden Glauben. Da geht es darum, wie der sündige Mensch in die rechte Beziehung mit Gott kommen kann. Somit geht es in der Glaubenslehre um die notwendigen Voraussetzungen für eine lebendige Beziehung mit Gott, denn „ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen“ (Heb.11,6).

         Doch sobald der Mensch zum rettenden Glauben gekommen ist, sobald er seine Beziehung zu Gott in Ordnung gebracht hat, steht die Frage im Raum, wie es nun weiter geht? Wie soll die tägliche Beziehung mit Gott nun aussehen? Dies ist jedoch nicht mehr eine Frage der Glaubenslehre (Dogmatik), sondern eine Frage der praktischen Lebensgestaltung (Ethik). Denn Ethik ist die Lehre vom Verhalten des Menschen aus der Sicht seiner Verantwortung vor Gott. Anders ausgedrückt, Ethik ist das praktische Leben eines wiedergeborenen Menschen, Ethik ist die Anwendung der Glaubenslehre in der Praxis. Die Ethik ist auf der Glaubenslehre gegründet und wird aus der Glaubenslehre (Dogmatik) abgeleitet. So sehen wir, z.B. in Römer 1 – 11 die Glaubenslehre, in Römer 12 – 16 die Anwendung der Glaubenslehre. Genauso sieht es auch in anderen Briefen des Neuen Testaments aus. Erst kommt die Glaubenslehre, dann das Leben aus dem Glauben. Erst kommt Dogmatik, dann Ethik. Erst kommt der rettende Glaube, danach der tägliche Wandel im Glauben.

         Was heißt denn „an Gott glauben“ im täglichen Wandel? An Gott glauben bedeutet, ihm im Alltag zu vertrauen und ihn dadurch ehren (vgl. Heb.11). Wenn wir Gott gefallen wollen (vgl. Heb.11,6), dann müssen wir ihm vertrauen – als dem Schöpfer, dessen Allmacht wir praktisch vertrauen; als dem Himmlischen Vater, dessen Fürsorge wir vertrauen (vgl. Mt.6,24-34); als dem Herrn der Welt und persönlichem Erretter, dem wir uns ganz praktisch, ganz und gar anvertrauen – in Leben und Tod. Dadurch wird er verherrlicht, wenn wir durch unser Leben zeigen, dass er vertrauenswürdig ist.

         Weil aber unsere alte Natur, „das Fleisch“, durch die Sünde korrumpiert, Gott misstraut und gottfeindlich gesinnt ist und sich nur auf sich selbst verlässt, redet das Wort Gottes vom „Gehorsam dem Glauben“ gegenüber (vgl. Röm.1,5; Apg.6,7). Dem Wesen nach gibt der Glaube uns nicht etwas, sondern fordert von uns etwas, was Gott gehört, was wir Gott schulden: das absolute, unbedingte Vertrauen des Geschöpfs seinem Schöpfer und Herrn gegenüber! Das schulden wir ihm! Leider wird dieser Aspekt bei der Evangelisation meistens weggelassen. Der Mensch lebt aber von Natur aus im Ungehorsam gegenüber seinem Schöpfer. Und Gott glauben, sich Gott praktisch im Alltag anvertrauen ist die Schuldigkeit jedes Menschen, als Gottes Geschöpf. Glauben, Vertrauen, bedeutet Gott die Ehre geben. Somit stimmt auch das Gegenteil: Unglauben bedeutet Verachtung Gottes.

         So wird von Abraham, der von Gott aufgrund seines Glaubens für gerecht erklärt wurde, gesagt, „er zweifelte nicht an der Verheißung Gottes durch Unglauben, sondern wurde stark im Glauben und gab Gott die Ehre“ (Röm.4,20; vgl. Heb.11,7). Hier wird deutlich, dass Gott den Glauben zunächst von uns fordert (vgl. 1.Mose 12,1ff), danach wird Gott geehrt durch den Glauben, der sich im praktischen Vertrauen im Alltag äußert.

 

 

Viktor Jerke,

 

Pastor


DAS ERSTE GEBOT

 

Folgerungen aus dem 1. Gebot: Gott lieben!

Wie kommt die Liebe zu Gott zum Ausdruck?

 

In den letzten zwei Artikeln haben wir die biblische Lehre über die Liebe zu Gott betrachtet. Wie wir sehen konnten, unterstreicht besonders das Höchste Gebot, dass die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten nicht das Gleiche ist, dennoch voneinander nicht zu trennen ist (1.Joh.5,1f). Heute wollen wir die Beziehung zwischen der Liebe zu Gott und der Liebe zum Nächsten betrachten.     

 

4) Die Beziehung der Liebe zu Gott und zum Nächsten zueinander

Jesus bezeichnet die Forderung, Gott zu lieben, als „Höchstes Gebot“ (Mt.22,37f; Mk.12,30). Das bedeutet, dass wir Gott über alles lieben, ihm vor allem gehorchen, seinen Willen zuallererst tun sollen usw.

            Die Frage ist, könnte es sein, dass man dadurch radikalisiert wird? Das die einseitige Betonung der Liebe zu Gott zur Weltflucht führt? Könnte es sein, dass es zur Härte gegen Menschen führt? Besonders zur Ablehnung der Ungläubigen? Wie ist in diesem Licht, zum Beispiel, das Wort zu verstehen: „Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist. Wenn jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters.“ (1.Joh.2,15). Führen solche Aussagen nicht zur Ablehnung der „Welt“ und der Menschen?

            Aus solchen Aussagen eine radikale, menschenfeindliche Haltung abzuleiten ist jedoch nicht möglich, wenn sie in ihrem Zusammenhang betrachtet werden. Denn also hat Gottdie Welt geliebt…“ (Joh.3,16) stehtin derselben Bibel. Die Frage ist eher, was versteht die Bibel unter dem Wort Welt“? z.B. bedeutet „Welt“ in Joh.3,16 die gute Schöpfung Gottes, die Gott trotz Sündenfall liebt, und zwar so sehr, dass er seinen Sohn als Sühneopfer für die Sünden dieser Welt hingegeben hat. In 1.Joh.2,15 meint das gleiche Wort „Welt“, die man nicht lieben soll, das gefallene, Gott feindliche Wesen, die gottfeindliche Gesinnung der Welt, die sich im Aufstand gegen Gott befindet – das sollen wir nicht lieben!

            Das ganzheitliche biblische Bild zeigt somit, dass die Position von Thomas von Kempen, der Katholischen Kirche und auch vieler evangelikaler Christen nicht dem Zeugnis der Bibel entspricht, indem sie sagen, die Welt sei restlos böse, es gibt nichts Gutes in der Welt, sie ist im Prinzip böse und man sollte sich möglichst fern von allem irdischen halten. 

            Gott ist nicht im prinzipiellen Gegensatz zu dieser Welt, doch ist er sehr wohl im Gegensatz zur Sünde in dieser Welt. Die Welt an sich ist immer noch ein Teil seiner Schöpfung, die Gott liebt. Und aus Liebe zu seiner Schöpfung hat Gott alles getan, um diese Welt mit sich zu versöhnen. Und wir, als Kinder des Himmlischen Vaters, sollen ebenso seine Schöpfung lieben, besonders die Menschen. Und diese Liebe zu den Menschen kann sich in erster Linie darin zeigen, dass wir die Menschen zur Versöhnung mit Gott rufen. Daher muss die recht verstandene Liebe zu Gott zum Dienst in der Welt führen und zur Anbetung Gottes, nicht aber zur Weltflucht oder Weltfremdheit.

            Nein, die Liebe zu Gott beschränkt sich nicht auf die Liebe zum Nächsten. Doch sie treibt uns zum Nächsten, denn Gott liebt ihn. Die Liebe zu Gott wird durch die Liebe zum Nächsten geprüft. Diese Verbindung zeigt, dass der Glaube an den Retter auf dem Glauben an den Schöpfer beruht.

            Abschließend kann man das Thema wie folgt zusammenfassen: Gott lieben bedeutet, Gott über alles zu lieben, den Menschen zu lieben als Gottes Geschöpf, das von Gott geliebt wird. Das ist, was die Bibel lehrt!

 

Viktor Jerke,

 

Pastor

 

 

 

            


DAS ERSTE GEBOT

 

Folgerungen aus dem 1. Gebot: Gott lieben!

Zeugnis des Neuen Testaments

 

2. Wie kommt die Liebe zu Gott zum Ausdruck?

Letzte Woche haben wir uns das Zeugnis des Alten Testaments von der Liebe zu Gott angeschaut. Heute wollen wir sehen, was das Neue Testament dazu sagt.

 

3) Das Zeugnis des Neuen Testaments

Im Neuen Testament wird die Liebe zu Gott klar ins Zentrum der Anbetung Gottes, ja ins Zentrum des Lebens eines Christen gestellt:

Jesus aber antwortete ihm: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«.  Dies ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«. In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.“ (Mt.22,37-40).

„…die Welt soll erkennen, dass ich den Vater liebe und tue, wie mir der Vater geboten hat.“ (Joh.14,31).

Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.“ (1.Joh.4,19)

Wer glaubt, dass Jesus der Christus ist, der ist von Gott geboren; und wer den liebt, der ihn geboren hat, der liebt auch den, der von ihm geboren ist. Daran erkennen wir, dass wir Gottes Kinder lieben, wenn wir Gott lieben und seine Gebote halten.“ (1.Joh.5,1f)


D.h., einerseits können wir an unserer Liebe zum Nächsten erkennen, ob wir Gott wirklich lieben. Andererseits aber kann man den Nächsten nur wirklich lieben, wenn man Gott liebt!

Auch in den Briefen von Paulus finden wir diese zwei Seiten der Liebe, zum einen die Liebe zum Nächsten:

Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.“ (Röm.13,10)

Denn das ganze Gesetz ist in einem Wort erfüllt, in dem: »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!«“ (Gal.5,14)

Auf der anderen Seite haben wir aber auch klare Aussagen, die die unmittelbare Liebe zu Gott ausdrücklich fordern oder als selbstverständlich darstellen:

Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen …“ (Röm.8,28)

Sondern es ist gekommen, wie geschrieben steht: »Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben “ (1.Kor.2,9)

Wenn aber jemand Gott liebt, der ist von ihm erkannt.“ (1.Kor.8,3)

           

Somit ist offensichtlich, dass die Liebe zu Gott eine zentrale Forderung des Neuen Testaments ist, die das Leben eines Christen definiert. Besonders betont ist im Neuen Testament die Liebe zu Jesus Christus:

Deshalb sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel Liebe gezeigt; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig. “ (Lk.7,47; vgl. Mk.14,3ff)

Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist's, der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.“ (Joh.14,21).

Jesus fragt Petrus gleich dreimal „liebst du mich?“ (Joh.21,15ff).

Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb;“ (1.Pet.1,8)

Wenn jemand den Herrn nicht liebhat, der sei verflucht. Maranata!“ (1.Kor.16,22)


Die Bibel offenbart uns somit eindeutig, dass man Gott wirklich lieben kann – und darin offenbart sich auch das Wesen der biblischen Lehre: wir sind berufen, eine Liebesbeziehung mit dem lebendigen Gott haben, der uns liebt!

 

Viktor Jerke,

 

Pastor


DAS ERSTE GEBOT

 

Folgerungen aus dem 1. Gebot: Gott lieben!

Zeugnis des Neuen Testaments

 

2. Wie kommt die Liebe zu Gott zum Ausdruck?

Letzte Woche haben wir uns das Zeugnis des Alten Testaments von der Liebe zu Gott angeschaut. Heute wollen wir sehen, was das Neue Testament dazu sagt.

 

3) Das Zeugnis des Neuen Testaments

Im Neuen Testament wird die Liebe zu Gott klar ins Zentrum der Anbetung Gottes, ja ins Zentrum des Lebens eines Christen gestellt:

Jesus aber antwortete ihm: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«.  Dies ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«. In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.“ (Mt.22,37-40).

„…die Welt soll erkennen, dass ich den Vater liebe und tue, wie mir der Vater geboten hat.“ (Joh.14,31).

Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.“ (1.Joh.4,19)

Wer glaubt, dass Jesus der Christus ist, der ist von Gott geboren; und wer den liebt, der ihn geboren hat, der liebt auch den, der von ihm geboren ist. Daran erkennen wir, dass wir Gottes Kinder lieben, wenn wir Gott lieben und seine Gebote halten.“ (1.Joh.5,1f)


D.h., einerseits können wir an unserer Liebe zum Nächsten erkennen, ob wir Gott wirklich lieben. Andererseits aber kann man den Nächsten nur wirklich lieben, wenn man Gott liebt!

Auch in den Briefen von Paulus finden wir diese zwei Seiten der Liebe, zum einen die Liebe zum Nächsten:

Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.“ (Röm.13,10)

Denn das ganze Gesetz ist in einem Wort erfüllt, in dem: »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!«“ (Gal.5,14)

Auf der anderen Seite haben wir aber auch klare Aussagen, die die unmittelbare Liebe zu Gott ausdrücklich fordern oder als selbstverständlich darstellen:

Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen …“ (Röm.8,28)

Sondern es ist gekommen, wie geschrieben steht: »Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben “ (1.Kor.2,9)

Wenn aber jemand Gott liebt, der ist von ihm erkannt.“ (1.Kor.8,3)

           

Somit ist offensichtlich, dass die Liebe zu Gott eine zentrale Forderung des Neuen Testaments ist, die das Leben eines Christen definiert. Besonders betont ist im Neuen Testament die Liebe zu Jesus Christus:

Deshalb sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel Liebe gezeigt; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig. “ (Lk.7,47; vgl. Mk.14,3ff)

Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist's, der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.“ (Joh.14,21).

Jesus fragt Petrus gleich dreimal „liebst du mich?“ (Joh.21,15ff).

Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb;“ (1.Pet.1,8)

Wenn jemand den Herrn nicht liebhat, der sei verflucht. Maranata!“ (1.Kor.16,22)


Die Bibel offenbart uns somit eindeutig, dass man Gott wirklich lieben kann – und darin offenbart sich auch das Wesen der biblischen Lehre: wir sind berufen, eine Liebesbeziehung mit dem lebendigen Gott haben, der uns liebt!

 

Viktor Jerke,

 

Pastor


DAS ERSTE GEBOT

 

Folgerungen aus dem 1. Gebot: Gott lieben!

(FORTSETZUNG)

 

2. Wie kommt die Liebe zu Gott zum Ausdruck?

Letzte Woche haben wir uns mit der Ansicht auseinandergesetzt, man könne Gott unmittelbar gar nicht lieben, die Liebe zu Gott habe kein anderes Anwendungsgebiet als nur in der Liebe zum Nächste (vgl. Mt.25,40). Was sagt die Bibel wirklich über die Liebe zu Gott?    

 

2) Das Zeugnis der Bibel über die Liebe zu Gott: das Alte Testament

In der Bibel ist die Liebe zu Gott ein großes Thema. Die Liebe zu Gott wird sogar als etwas dargestellt, dass den biblischen Glauben von allen anderen Religionen unterscheidet, die so eine enge und persönliche Beziehung zu Gott gar nicht kennen.

            Das zentrale Glaubensbekenntnis Israels beinhaltet das Gebot der Liebe zu Gott: „Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR allein.  5 Und du sollst den HERRN, deinen Gott, liebhaben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.“ (5.Mo.6,4-5). Das Gebot der Liebe zu Gott vereinnahmt den ganzen Menschen – das Herz, die Seele, die ganze Kraft, die ganze Lebensausrichtung! „Gott ist Liebe“ (1.Joh.4,8.16) und darum, so Gerhard von Rad, ist die Liebe die einzige Möglichkeit, Gott würdig zu begegnen.

            Mit dem Wort „Liebe“ wird eben die persönliche Beziehung mit Gott beschrieben! So beschreibt der Prophet Hosea die Beziehung zwischen Gott und seinem Volk als eine Ehe. Das gleiche Bild finden wir mehrfach im Alten Testament bezeugt (vgl. Hes.16 und 23!). Freinach Krämer: diese Liebe wählt entschieden ihr Gegenüber! Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker - denn du bist das kleinste unter allen Völkern -,  8 sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat er euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten.“ (5.Mo.7,7f). Die Liebe Gottes zu uns ist der Grund, warum wir ihn Lieben!

            So ist die Liebe zu Gott im ganzen Alten Testament bezeugt – auch als Gebot und Forderung: der Herr ist ein Gott, der „…Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten. (2.Mo.20,6; vgl. 5.Mo.5,10). Hier kommt die Liebe zu Gott, z.B. darin zum Ausdruck, dass wir seine Gebote halten (vgl. Joh.14,15!). „So sollst du nun wissen, dass der HERR, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten“ (5.Mo.7,9; vgl. Dan.9,4; Neh.1,5).

            All diese Stellen bestätigen: die Liebe zu Gott wurde nie formal verstanden, sie hat sich nie nur auf Erfüllung bestimmter Rituale beschränkt und auch nicht nur auf die Liebestaten für den Nächsten beschränkt! Im Volk Gottes lebte immer das Bewusstsein, dass Gott lieben, mit ihm eine intime persönliche Beziehung zu haben – ist das höchste Gut, das man anstreben soll! „Die ihn aber liebhaben, sollen sein, wie die Sonne aufgeht in ihrer Pracht! (Ri.5,31). Wieder und wieder sehen wir den Aufruf zu den Treuen, Gott zu lieben: „Liebet den HERRN, alle seine Heiligen! Die Gläubigen behütet der HERR und vergilt reichlich dem, der Hochmut übt.“ (Ps.31,24).

            Das Bild ist doch sehr eindeutig: es geht um eine unmittelbare Liebesbeziehung zu Gott als Person und nicht nur um Taten der Liebe gegenüber meinem Nächsten! Gott selbst sehnt sich nach Liebe von uns, er kann sich nicht mit Erfüllung formaler religiöser Bräuche zufrieden geben! Gott will eine Liebesbeziehung eingehen mit seinen Menschen: „So spricht der HERR: Ich gedenke der Treue deiner Jugend und der Liebe deiner Brautzeit, wie du mir folgtest in der Wüste, im Lande, da man nicht sät.“ (Jer.2,2). Diese Liebe ist nicht nur eine emotionale Bindung, sondern auch die Erfüllung der tiefen Bedürfnisse des Menschen nach einer umfassenden Liebesbeziehung mit dem Himmlischen Vater.

            Nächste Woche wollen wir uns das Zeugnis des Neuen Testaments bezüglich der Liebe zu Gott anschauen. Lehrt das Neue Testament etwas anderes?

 

 

 

Viktor Jerke,

 

Pastor

 

 

 

Wort der Woche KW 37


DAS ERSTE GEBOT

 

Folgerungen aus dem 1. Gebot: Gott lieben!

 

Im letzten Artikel vor der langen Sommerpause haben wir über die Gottesfurcht gesprochen, die eine positive Folgerung aus dem 1. Gebot ist. Die zweite positive Folgerung ist die Liebe zu Gott. Als Christen kennen wir das „Höchste Gebot“ der Liebe aus dem Neuen Testament, denn Jesus selbst hat es so genannt: „»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«.   Dies ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.  In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.“ (Mt.22,36-40; Mk.12,28-33; Lk.10,25-27; vgl. 5.Mo.6,4f). Und das höchste Gebot bezieht sich auf den Gott, der gesagt hat: „Ich bin der HERR, dein Gott, der dich aus Ägyptenland geführt hat, aus der Knechtschaft.  Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“ (5.Mo.5,6f; vgl. 5.Mo.6,4!).

 

Wie äußert sich die Liebe zu Gott?


1) Moderne Einwände gegen die Liebe zu Gott


Über die Liebe zu Gott sagt die Bibel so viel aus, dass jeglicher Zweifel oder Frage zu diesem Thema unangebracht erscheinen.

         Dennoch ist sowohl in der Theologie wie auch in der kirchlichen Praxis das Thema der Liebe zu Gott sehr umstritten. Das ist eine Folge der liberalen Theologie, die in den letzten zwei Jahrhunderten die Kirche von innen zerstört. Es ist ja auch verständlich: wer keine Furcht vor Gott hat, der kann ihn auch nicht lieben! So sagt, z.B., ein liberaler Theologe aus dem 19. Jahrhundert, „die Liebe zu Gott hat kein anderes Anwendungsgebiet, wie nur in der Liebe zu den Brüdern“. Damit will er sagen, dass man Gott selbst, direkt, gar nicht lieben kann! Die Liebe, so die liberalen Theologen, kann nur dem Nächsten gegenüber geäußert werden. Denn die Liebe braucht ein konkretes Gegenüber. Gott aber sehen wir nicht, wir können ihn nicht fühlen. Und er begründet seine Theorie mit Mt.25,40: „Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“. Und seine Folgerung ist: lieben kann man nur den, wen man sieht.

         Doch die Bibel sagt klar das Gegenteil aus: „Ihn(Jesus Christus) habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht“ (1.Pet.1,8). In der vorreformatorischen Kirche standen die guten Werke im Vordergrund, die sich auf Gott direkt bezogen: Gebet, Fasten, Almosen, Walfahrten etc. Doch solch eine „Liebe“ zu Gott kann auch ein nicht wiedergeborener Mensch zeigen! Denn das alles kann man ja auch formal machen, ohne mit dem Herzen dabei zu sein – wie wir es ja auch aus den Evangelien von den Pharisäern kennen.

         Das Problem liegt, meines Erachtens, in der antikatholischen Ausrichtung der Reformation. So hat Luther unermüdlich die Erlösung aus Gnade allein betont – im Gegensatz zur katholischen Werkgerechtigkeit. So konzentrierte sich die Beziehung zu Gott in der Reformation auf den Glauben. Und wenn auch nur etwas zum Glauben hinzukam, so hat man darin sofort eine Gefahr der Werkgerechtigkeit gesehen. Es wurde betont, dass die Beziehung zu Gott allein vom Glauben abhängen darf (vgl. Großer Katechismus). Es ist wirklich erstaunlich, dass in seiner Auslegung des 1. Gebots Luther die Liebe zu Gott eigentlich gar nicht erwähnt! Wo es doch um das „Höchste Gebot“ geht!

         Denn schon im Alten Testament, im Kontext der 10 Gebote, heißt es: „…aber Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten. (2.Mo.20,6). Frei nach Klaus Bockmühl: In der Reformation fürchtete man einen Schaden für die Lehre von der Rechtfertigung durch Gnade, wenn außer vom Glauben auch noch von Werken die Rede war. So hat man auch in der liberalen Theologie die Liebe zu Gott auf den Nächsten „übertragen“. Auffallen ist auch, dass Kalvin in seinem grundlegenden Werk, der „Institutio“, das Thema der Liebe zu Gott komplett weglässt! Ein bekannter Theologe des 20. Jahrhunderts, Emil Brunner, sagt, dass „der Glaube an Gott die Quelle ist, aus der ein Bach der Liebe zum Nächsten fließt“. Hier sind der Glaube und die Liebe einseitig und unbegründet zwischen Gott und Mensch aufgeteilt: die Liebe gehört nur dem Nächsten, der Glaube nur Gott.

         Diese Einleitung zum Thema „Gott lieben“ zeigt, dass es heute nicht selbstverständlich ist, dass der Ausdruck „Gott lieben“ heute auch das meint, was mit den Worten ausgesagt wird. Was die Bibel diesbezüglich wirklich lehrt, werden wir in den nächsten Folgen sehen.

 

 

Viktor Jerke,

 

Pastor

Wort der Woche KW 23


DAS ERSTE GEBOT

 

Demut als positive Form der Gottesfurcht

 

Wir haben bereits drei Arten der Gottesfurcht betrachtet: die Gottesfurcht der Heiden, die Gottesfurcht unter dem Gesetz und die Gottesfurcht im Evangelium. Heute wollen wir darüber nachdenken, wie die Furcht Gottes sich bei wiedergeborenen Menschen in der Praxis des Glaubenslebens auswirkt.

 

4) Demut vor Gott als positive Form der Gottesfurcht

Das Neue Testament fordert, genau wie auch das Alte Testament, die Demut vor Gott von den Gläubigen. Denn in der Demut nimmt der Mensch bewusst die Stellung vor Gott ein, die ihm gebührt (vgl. Röm.11,20). Schon im Alten Testament bringt der Prophet Micha es auf den Punkt: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. (Micha 6,8). Als das Gegenstück der Demut gilt in der Bibel der Hochmut: „Wo Hochmut ist, da ist auch Schande; aber Weisheit ist bei den Demütigen.“ (Spr.11,2).

            Demut ist jedoch widernatürlich für den Menschen – und das schon seit dem Sündenfall, als der Mensch sein eigener Gott sein wollte (1.Mo.3,5). Der fleischlichen Natur des Menschen entspricht der Hochmut, der seit der ersten Christenheit als die „Ursünde“ gilt. Und da auch wir, als wiedergeborene Christen, die wir die neue, göttliche Natur innehaben (2.Pet.1,4) immer noch „im Fleisch“ sind, bedeutet es auch für uns ein Kampf des Geistes gegen das Fleisch, wenn wir uns demütigen wollen. Denn mit unserem Verstand wissen wir wohl, dass Demut die richtige Stellung vor Gott ist; in der Praxis jedoch demütig zu sein, bedeutet gegen das eigene „Fleisch“ siegen zu müssen durch den Geist (Röm.7,18-23; 8,5-9.14). D.h., mit dem Verstand akzeptieren wir es, dass es gut und richtig für uns ist, dass wir uns vor Gott demütigen; doch unser „Fleisch“, die alte Natur, leistet dennoch Widerstand, für sie ist es widernatürlich, sich zu demütigen.

            Daher ist es verständlich, dass ein geistlicher Mensch Gott dafür dankt, dass Gott ihn demütigt, denn letztlich ist es für den Menschen gut und heilsam: „Es ist gut für mich, dass du mich gedemütigt hast, damit ich deine Gebote lerne“ (Ps.119,71); ja, wie schmerzlich die Demütigung auch immer ist, so ist sie für uns doch gut und heilsnotwendig: „HERR, ich weiß, dass deine Urteile gerecht sind; in deiner Treue hast du mich gedemütigt“ (Ps.119,75).

            Die Bekehrung wird in der Bibel ebenso als „Demütigung“ beschrieben – was sie im Wesentlichen auch ist: „…und dann mein Volk, über das mein Name genannt ist, sich demütigt, dass sie beten und mein Angesicht suchen und sich von ihren bösen Wegen bekehren, so will ich vom Himmel her hören und ihre Sünde vergeben und ihr Land heilen“ (2.Chr.7,14). „Vielleicht werden sie sich mit Beten vor dem HERRN demütigen und sich bekehren, ein jeder von seinem bösen Wege…“ (Jer.36,7).

            FAZIT: Die Bekehrung ist, ihrem Wesen nach, die Erfüllung des Ersten Gebots, d.h., eine Rückkehr des Menschen in die Position vor Gott, die ihm Gebührt. Somit ist ein demütiger Mensch ein Gott gefälliger Mensch. 

            Die gleiche Forderung nach Demut finden wir auch im Neuen Testament: „Sei nicht stolz, sondern fürchte dich!“ (Röm.11,20); „Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“ (Jak.4,6); „Desgleichen, ihr Jüngeren, ordnet euch den Ältesten unter. Alle aber miteinander haltet fest an der Demut; denn Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.  6 So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit.“ (1.Pet.5,5-6); „Demütigt euch vor dem Herrn, so wird er euch erhöhen“ (Jak.4,10) u.v.m.


            Wie kann denn die Demut in unserem Leben praktisch aussehen? Ein paar Möglichkeiten:

1) Demut kann sich darin ausdrücken, wie wir zu Gott kommen

Jesus hat seine Jünger (damit auch uns) immer ermutigt, zu Gott im Vertrauen zu kommen, wie Kinder zum Vater sollen wir kommen. Dies bedeutet, einerseits, mit Freuden, unbeschwert – und andererseits, in Ehrfurcht. Diese Haltung können wir bei Jesus selbst feststellen – einerseits, das völlige Vertrauen, das sich in die Hände Gottes legen, was da auch kommen mag – und andererseits, das sich demütigen unter den Willen Gottes: „dein Wille geschehe!“, nicht mein… Damit zeugt Jesus von der vor Gott notwendigen Demut. Sie ist das Gegenteil vom unberechtigten und unbegründeten Stolz des Sünders.

 

2) Demut kann sich in der Gebetsgemeinschaft äußern

Dies kann nicht nur den Inhalt (selbstverständlich), sondern auch die Formen des Gebets betreffen. Wir können unsere Ehrfurcht vor Gott durch das Gebet auf den Knien zum Ausdruck bringen. Dies kann eine Form der Ehrfurcht darstellen. Letztlich aber geht es um die innere Einstellung und die Inhalte unserer Gebete, denn jede äußere Form kann auch nur eine zur Show sein (vgl. Mt.6,1-7).

 

3) Demut kommt im Umgang mit dem Wort Gottes zum Tragen

Das bekannte Wort „ Der Weisheit Anfang ist die Furcht des HERRN“ (Spr.9,10) sollten wir auch auf unseren Umgang mit dem Wort Gottes beziehen. Die Furcht Gottes ist der Anfang und die Grundlage unseres Umgangs mit dem Wort Gottes. Nicht das Wort Gottes hat sich unseren Ideen, Vorstellungen, Traditionen und Wünschen anzupassen, sondern umgekehrt: wir haben uns unter das Wort Gottes zu beugen und ihm Folge zu leisten, ob es uns passt oder nicht, ob es unseren Wünschen und Vorstellungen mehr entspricht oder weniger! Darin zeigt sich, ob wir wirklich demütig oder stolz sind, geistlich oder fleischlich gesinnt.

 

4) Demut zeigt sich in unserem Umgang mit den Menschen

Die Demut vor Gott bewahrt mich letztlich davor, sich über andere Menschen zu überheben. Denn vor Gott bin ich niemand und habe keinerlei Grund, mich über andere zu stellen. Er weist mir meinen Platz und Stellung zu, es ist alleine sein Recht, nicht meins. Gerade im Urteilen über und Verurteilen anderer Menschen zeigt sich, ob wir in der Furcht Gottes leben oder eben doch nicht!

            Die Furcht Gottes befreit uns, andererseits, auch von der Menschenfurcht. Die Menschenfurcht ist die Abhängigkeit von den Meinungen anderer Menschen, von ihrem Willen und Vorstellungen. Menschenfurcht und Gottesfurcht sind nicht zu vereinbaren, wir können nicht „zwei Herren dienen“ (Mt.6,24). Somit macht die Furcht Gottes mich von der Menschenfurcht frei, ohne dass ich überheblich werde! Dies wiederum macht mich frei, sowohl Gott als auch den Menschen nach dem Willen Gottes zu dienen.

 

 

Viktor Jerke,

 

Pastor

Wort der Woche KW21


DAS ERSTE GEBOT

FOLGERUNGEN AUS DEM ERSTEN GEBOT:

DieGottesfurcht: Teil3

 

In den letzten zwei Beiträgen ging es um die Furcht Gottes bei den Heiden und unter dem Gesetz Gottes. Heute wollen wir uns mit der Frage beschäftigen, wie es mit der Furcht Gottes bei Christen aussieht, bei Menschen, die unter der Freiheit des Evangeliums leben. Was sagt das Neue Testament dazu? Soll wir, neutestamentliche Gläubige, überhaupt Gott fürchten? Oder verschlingtdieLiebe zuGott dieFurcht restlos? (vgl. 1.Joh.4,18).

 

3) Die Furcht Gottes unter dem Evangelium

Wie wir in den letzten zwei Beiträgen bereits festgestellt haben, führt die Furcht vor den Göttern bei den Heiden zur Ungewissheit des Heils. Ein Heide kann nicht mit Sicherheit sagen, ob die Götter ihm nun wohlgesonnen sind, ob seine Schuld ihm vergeben wurde, ob er gerettet ist usw. Wir haben ebenso festgestellt, dass die Furcht Gottes unter dem Gesetz das Ergebnis der Gewissheit ist, dass der Mensch hoffnungslos verloren ist. Wer das Gesetz Gottes ernst nimmt, der weiß ganz genau, dass er es nicht wie gefordert erfüllen kann (vgl. Röm.7,24). Unter dem Gesetz weiß der Mensch mit letzter Klarheit, dass er vor Gott schuldig und verloren ist. 

            Als Christen jedoch haben wir die Gewissheit des Heils – aufgrund des Evangeliums, der guten Nachricht, dass Jesus für unsere Sünden stellvertretend bestraft wurde und an unserer Stelle gestorben ist. Wer an Jesus als den Retter glaubt, ist ganz gewiss gerettet! Nun, welche Konsequenzen hat die Heilsgewissheit für die Gottesfurcht? Müssen nun Christen Gott fürchten oder nicht?

            In der modernen Theologie behauptet man gerne, dass die Gottesfurcht ein alttestamentliches Phänomen ist und keinen Platz im Leben eines Christen haben kann. Zur Begründung führt man gerne die obengenannte Aussage aus dem Johannesbrief an: „Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe.“ (1.Joh.4,18). Jedoch gibt es im Neuen Testament auch noch andere Aussagen über die Furcht Gottes: „Sei nicht stolz, sondern fürchte dich!“ (Röm.11,20); „schaffet, dass ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern.“ (Phil.2,12); „Weil wir nun wissen, dass der Herr zu fürchten ist, suchen wir Menschen zu gewinnen“ (2.Kor.5,11); „Weil wir nun solche Verheißungen haben, meine Lieben, so lasst uns von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes uns reinigen und die Heiligung vollenden in der Furcht Gottes“ (2.Kor.7,1); oder auch: „Jagt dem Frieden nach mit jedermann und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird“ (Heb.12,14); „Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit jeder seinen Lohn empfange für das, was er getan hat bei Lebzeiten, es sei gut oder böse.“ (2.Kor.5,10).

            Wie sollen wir denn diese Aussagen des Neuen Testaments im Vergleich zu 1. Joh.4,18 verstehen? Das Prinzip kann man wie folgt beschreiben: alle neutestamentlichen Aussagen über das Heil befinden sich im Gleichgewicht zwischen „schon“ (erfüllt) und „noch nicht“ (noch ausstehende Zusagen). Das Neue Testament selbst formuliert dieses Prinzip so: „Denn wir sind zwar gerettet, doch auf Hoffnung.“ (Röm.8,24). Wir sindgerettet, doch aufHoffnung! Wir sind in Christus schon im Himmel gesetzt, doch noch sind wir auf der Erde! (Eph.2,6f).

            Welche Folgen hat es für unseren Glauben in der Praxis? Unsere Stellung als Kinder Gottes darf uns nicht zu einer leichtsinnigen Furchtlosigkeit vor Gott führen. Andererseits ist die Furcht Gottes bei Gläubigen nicht eine hoffnungslose Furcht wie bei Menschen, die verloren gehen; sondern es ist eine Furcht, die auf Liebe gründet! Weil wir Gott lieben, fürchten wir uns, seine Liebe zu verletzen, denn wir wissen, wie teuer Gott für unsere Rettung bezahlt hat – mit dem Leben seines Sohnes! Ein durch Gottes Geist wiedergeborener Mensch fürchtet sich, die Liebe und die Heiligkeit Gottes durch unangebrachte Haltung, Worte und Taten zu verletzen, dem liebenden Vater wehzutun!

            So setzt Paulus den Geist der Kindschaft dem Geist der Knechtschaft entgegen: „Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater!“ (Röm.8,15). Dieser Ausdruck, „Abba, lieber Vater!“, zeugt von der Liebe des Kindes zum Vater und bringt auch die Ehrfurcht und Achtung zum Ausdruck. Und Achtung beinhaltet immer die Furcht, die Ehre der geachteten Person zu verletzen.

            Als Fazit können wir festhalten, dass der Furcht der Christen der „Stachel des Todes“ genommen wurde, denn wir wissen von der Vergebung unserer Sünden und die Liebe Gottes in Jesus. Der Heilige Geist ist der „Unterpfand“ unserer Errettung (2.Kor.5,5). Vielmehr noch: die Furcht Gottes eines Christen entspringt der Gewissheit des Heils, der Gewissheit, dass Gott uns liebt. Und wir als Kinder Gottes fürchten uns, unserem Himmlischen Vater wehzutun durch falsches Verhalten, das dem Vater keine Ehre gibt.

           

 

Viktor Jerke,

 

Pastor

 

                               

Wort der Woche KW19


 

DAS ERSTE GEBOT

FOLGERUNGEN AUS DEM ERSTEN GEBOT:

Die Gottesfurcht: Teil 2

 

Im letzten Artikel haben wir uns mit der Furcht Gottes im Heidentum befasst. Wie wir bereits festgestellt haben, können wir drei Arten der Gottesfurcht in der Bibel feststellen: die Furcht der Heiden vor ihren Göttern, die auch zur hoffnungslosen Angst vor Dämonen ausarten kann; dann sehen wir schon im Alten Testament die Forderung nach der Gottesfurcht und ebenso sehen wir, auch im Neuen Testament, die Gottesfurcht eines wiedergeborenen Menschen.

            Heute wollen wir uns mit der zweiten Art der Gottesfurcht beschäftigen – mit der

2)  Gottesfurcht des Menschen unter dem Gesetz

Durch die Rettungsaktion Gottes in Ägypten und dann durch die Gesetzgebung am Sinai hat Gott sich nun schon ganz eindeutig als heilig offenbart. Die Heiligkeit Gottes, die in seinem Gesetz offenbar wurde, machte zugleich die Sündhaftigkeit des Menschen deutlich. Gott offenbarte sich als der Heilige, der die Sünde nicht duldet und der von seinem heiligen Wesen her eigentlich das völlige Gegenteil des sündigen Wesens des Menschen darstellt.

            Darum ist die Furcht Gottes unter dem Gesetz letztlich eine Furcht vor der Heiligkeit Gottes, die die Sünde nicht duldet. Angesichts der Heiligkeit Gottes erkennt sich der Mensch als Sünder, der sich Gott nicht nahen kann. Gott ist das Gegenteil eines Sünders. Somit zeigt das heilige Gesetz Gottes dem sündigen Menschen in aller erschreckenden Deutlichkeit seinen verlorenen Zustand vor Gott! Exemplarisch ist diese Erkenntnis im Jesajabuch dargestellt, als der junge Prophet vor den Thron Gottes gestellt wurde: „Weh mir, ich vergehe! Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen; denn ich habe den König, den HERRN Zebaoth, gesehen mit meinen Augen.“ (Jes.6,5).

            Die Gottesfurcht unter dem Gesetz ist jedoch nicht nur eine Angst vor Strafe, sondern vielmehr die Erkenntnis der Distanz zwischen dem heiligen Gott und dem sündigen Menschen; es ist die Erkenntnis, dass wir inkompatibel sind, wir leben auf gegensätzlichen Polen. Es ist daher auch eine existenzielle Furcht – „ich vergehe!“ Ich kann so nicht bestehen vor Gott! Allein schon meine Anwesenheit verunreinigt seine Herrlichkeit und verletzt seine Ehre! Darum ist es auch die Angst vor ewiger Verbannung, vor Strafe für die eigene Unreinheit, von der auch in 1.Joh.4,18 die Rede ist.

            Jedoch wird die Furcht Gottes im Alten Testament durchweg positiv gesehen und auch gefordert vom Menschen; denn seinem Stand und Zustand nach ist es richtig, dass Gott vom Menschen gefürchtet wird: „Weise mir, HERR, deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem einen, dass ich deinen Namen fürchte“ (Ps.86,11).

            Es ist aber auch die Gefahr gegeben dass dort, wo die Furcht zum Eckstein der Beziehung zu Gott gemacht wird, sie auch pervertiert werden kann. Aus lauter Angst fängt der Mensch an, sich nur noch um sich selbst zu drehen, in hoffnungslosen Versuchen, sich vor Gott besser zu machen oder wenigstens besser vor ihm auszusehen (meist in den Augen der Menschen). Diese menschlichen Versuche, aus eigener Kraft doch irgendwie richtig vor Gott zu leben führen zu einer Form des religiösen Egoismus oder zur Heuchelei, die von der Bibel nicht gutgeheißen werden.

            Darum besteht die Rolle des Gesetzes in erster Linie darin, dass dem Menschen sein eigener Zustand vor Gott vor Augen gestellt wird, damit er über seinen Zustand der sicheren Verlorenheit bescheid weiß. Und in der Tat, wer die Gebote Gottes ernst nimmt, kommt unweigerlich zur Erkenntnis der eigenen Verlorenheit. Daher kann man die Rolle der Gottesfurcht unter dem Gesetz wie folgt formulieren: Die Furcht Gottes unter dem Gesetz führt zur Gewissheit der Verlorenheit. Ein Mensch, der das Gesetz Gottes kennt, weiß nun nicht mehr oder weniger sicher, sondern absolut sicher: „ich kann vor Gott nicht bestehen in meinem sündigen Zustand. Ich habe keine Chance, denn meine Gerechtigkeit reicht nicht aus. Wenn Gott mich aufgrund seines Gesetzes richten wird, dann bin ich ganz sicher, aber absolut eindeutig verloren, ich werde aufgrund des Gesetzes zur ewigen Verdammnis verurteilt!“ Eben deswegen wird das Gesetz als „Zuchtmeister auf Christus hin“ (Gal.3,24) bezeichnet – denn das Todesurteil des Gesetzes jagt mich zu Jesus Christus, bei dem Gnade und Vergebung zu finden sind und die Gerechtigkeit, mit der man vor Gott bestehen kann. Ohne die Gnade Gottes in Jesus Christus bleibt nur eine hoffnungslose Furcht übrig…

 

 

Viktor Jerke,

 

Pastor

Wort der Woche KW17


 

DAS ERSTE GEBOT

FOLGERUNGEN AUS DEM ERSTEN GEBOT:

Die Gottesfurcht

 

Nachdem wir über die „negativen“ Konsequenzen aus dem Ersten Gebot nachgedacht haben (Umgang mit anderen Religionen, Okkultismus, Aberglaube und Religionsersatz), also Dinge, die wir abzulehnen haben, um dem Ersten Gebot gerecht zu werden, wollen wir jetzt darüber nachdenken, was wir – in positiver Weise – nun zu tun haben, um das Erste Gebot in unserem Leben zu erfüllen.

            Zu den positiven Konsequenzen können wir folgende drei Elemente zählen: Die Furcht Gottes, die Liebe zu Gott und das Vertrauen auf Gott. Heute beginnen wir mit der Gottesfurcht.

 

1. Die Furcht Gottes

Die Furcht Gottes ist ein großes Thema in der Bibel, sowohl im Alten, als auch im Neuen Testament. Dabei finden wir verschiedene Arten der Furcht vor, die sowohl als negativ, als auch als positiv von der Bibel selbst bewertet werden.

            Das allererste mal wird die Furcht des Menschen vor Gott in 1.Mose 3,10 erwähnt, als Adam und Eva sich nach dem Sündenfall vor Gott verstecken: „Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich“. Diese Furcht gründete auf dem Misstrauen gegen Gott nach der Beeinflussung durch die Schlange (3,4), die den Menschen zum Ungehorsam gegenüber Gott verleitete. Und nun sehen wir Adam und Eva, wie sie sich aus Furcht vor Gott verstecken. Warum versteckten sie sich eigentlich? Hatten sie Angst vor Bestrafung? Möglicherweise schon, obwohl sie bislang noch nie von Gott bestraft wurden. Vermutlich geht es hier um mehr – sie wollten Gott im Prinzip nicht mehr begegnen, sie misstrauten Gott nun, die Beziehung war beschädigt. Der sündige Mensch wagt es nicht, Angesicht zu Angesicht dem heiligen Gott zu begegnen.

            Die Aussage von Apostel Johannes im Neuen Testament zeigt das absolute Gegenteil von dieser Haltung Adams und Evas auf: „Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe.“ (1.Joh.4,17b-18). Diese Aussage von Johannes, die sich an Gläubige richtet, besagt klar: Wer sich fürchtet, hat noch nicht begriffen, wie sehr Gott ihn liebt! Im Glauben nehmen wir hier das vorweg, was wir in der Ewigkeit schauen werden. In der Ewigkeit werden wir keine Furcht mehr vorfinden!

            Alle übrigen Aussagen der Bibel in Bezug auf die Frucht Gottes befinden sich zwischen diesen zwei polarisierenden Aussagen (zwischen 1.Mose 3,10 und 1.Joh.4,17b-18). Und alleine aus diesen zwei Bibelstellen sieht man klar, dass es verschiedene Arten von Furcht gibt. In der Tat können wir alle Aussagen der Bibel über die Furcht Gottes in drei Gruppen teil: 1) die Gottesfurcht der Heiden, 2) die Gottesfurcht der Menschen unter dem Gesetz und 3) die Gottesfurcht der wiedergeborenen Christen. Wir werden uns diese drei Arten der Gottesfurcht nacheinander anschauen. Wir beginnen heute mit der Gottesfurcht der Heiden:

 

1) DieGottesfurchtderHeiden

Die Heiden fürchten ihre Götter – denn sie sind mächtig, übernatürlich und teils unberechenbar. Die Erkenntnis der eigenen Unvollkommenheit und Sündhaftigkeit, kombiniert mit Unwissenheit, macht diese Furcht zu einer ständigen Begleiterin eines Heiden. Weil ein Heide nie sicher sein kann, dass die Götter ihm wohlgesonnen sind, lebt er in ständiger Angst; es ist letztlich eine dämonische Gottesfurcht, denn das Gottesbild eines Heiden verkommt durch die Angst zum Bild eines schrecklichen, unberechenbaren, willkürlichen Dämonen (vgl. 1.Kor.10,19-21). Somit, durch die Sünde und Unwissenheit, verkommt die Gottesfurcht bei den Heiden zu einer Dämonenfurcht. Die Vorstellung über die Götter verkommt zum Bild eines blinden Schicksals oder eines willkürlichen Dämons. Und darauf reagiert der sündige Mensch mit grenzenloser, hoffnungsloser Furcht. Denn er kann nie wissen, wie die Götter nun ihm gegenüber eingestellt sind und was er als Nächstes von ihnen erwarten kann.

            Somit können wir folgern, dass die Gottesfurcht der Heiden darauf gründet, dass ein Heide sich seines Heils nie sicher sein kann; der Grund seiner Frucht ist also die Heilsunsicherheit. Er ist sich immer unsicher, ob die Götter ihm wirklich wohlgesonnen sind. Somit, aus er Unsicherheit, leben die Heiden in dämonischer Furcht. Sehr eindrucksvoll ist es in Apostelgeschichte 17,22ff beschrieben. Als Paulus von den Athenern aufgefordert wurde, über seine Lehre zu sprechen, stellt er zunächst fest, dass die Bewohner Athens sehr gottesfürchtig sind – weil sie unzählige Opferaltäre für ihre Götter haben. Das ist typische für die Heiden – aus Furcht vor ihren Göttern bauen sie möglichst viele Opferaltäre, um die vielen Götter zu „besänftigen“. Und falls irgendein „Gott“ übersehen werden sollte, baut man auch noch einen Altar einem „unbekannten Gott“ – in der Hoffnung, dass der übersehene diesen Altar dann als einen Altar für sich annimmt… Aus dem gleichen Grund sind für das Heidentum auch menschliche Opfer üblich – denn, je wertvoller das Opfer ist, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass die Götter doch noch positiv gestimmt werden können. Doch letztlich kann ein Heide nie wissen, was die Götter über ihn denken und was er als nächster von ihnen zu erwarten hat. Letztlich bleibt nur noch ein Leben in ständiger Furcht…

 

 

Viktor Jerke,

 

Pastor

 

Wort der Woche KW16


DAS ERSTE GEBOT:

Wie sollen Christen mit Religionsersatz umgehen?

 

Um das Thema des Umgangs mit Pseudoreligiösen Phänomenen abzuschließen, bleibt noch die Frage nach dem Umgang mit Phänomenen offen, die einen Religionsersatz sind. „Religionsersatz“, weil es nicht eine anerkannte oder bisweilen auch bewusst wahrgenommene Religion ist, sondern die Rolle einer Religion im Leben eines Menschen spielt. Das kann eigentlich eine beliebige Sache sein, der sich der Mensch so hingibt, als wäre es für ihn etwas heiliges, eine Religion eben. Es kann, z.B. ein Hobby sein oder auch die Arbeit, das Auto, Geld, Sport, der Körperkult, eine Ideologie oder Beschäftigung, die das Leben antreibt, der man die beste Zeit widmet, Geld und Hingabe, so als wäre es dein Gott.

            Jesus sagt: „Niemand kann zwei Herren dienen … ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon“ (Mt.6,24). Doch ein Götze mit dem Namen „Mammon“ ist der Geschichte nicht bekannt. Vermutlich gab es ihn nicht. Es ist einfach der Name für den personifizierten Reichtum. Dennoch haben die Menschen schon in der Antike über den Reichtum wie über einen „Gott“ gesprochen; denn, in der Tat, kann der Reichtum so stark das Leben eines Menschen beeinflussen, prägen und bestimmen, wie es nur Gott selbst sollte! Genau darum sagt das Neue Testament auch direkt: „…Habsucht, die Götzendienst ist!“ (Kol.3,5).

            Doch das Wort Gottes zeigt auch, dass nicht nur der Reichtum für den Menschen zum „Gott“ werden kann. So sagt der Prophet Habakuk in Bezug auf die Chaldäer, dass deren  Gott „die eigene Kraft“ ist (Hab.1,11). D.h., die Chaldäer haben sich im Leben auf ihre eigene Kraft verlassen, sie am meisten geschätzt und verehrt. Somit hat ihre eigene Kraft die Stelle eingenommen in ihrem Denken und Leben, die Gott allein gebührt.

            Die gottesfürchtigen Menschen wussten, dass diese Stelle nur Gott zusteht. Darum sagt auch Hiob in seiner Verteidigungsrede vor seinen Freunden: „Hab ich das Gold zu meiner Zuversicht gemacht und zum Feingold gesagt: »Mein Trost«?“ (Hiob 31,24). Der Reformator Martin Luther definierte Gott so: „Woran du nun ,sage ich, dein Herz hängst und worauf du dich verlässt, das ist eigentlich dein Gott.“ Und das kann ja alles Mögliche sein: Macht, Beziehungen, Verstand, Wissen, Ruhm, Reichtum, Kunst, Geld, Kraft – ja, sogar die eigene Familie und Gesundheit, Freunde usw. u.d.g. Darum sagt der Apostel Johannes den Gläubigen: „Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist. Wenn jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters.“ (1Joh.2,15). Und genau darum geht es hier: das man etwas mehr liebt, als Gott; das selbst das Leben hier auf der Erde mehr geliebt wird, als Gott! Das was „in der Welt“ ist, wird als gottfeindlich beschrieben; wenn wir uns diesen Dingen hingeben, dann werden sie unser Leben prägen und bestimmen – so, wie es doch nur Gott tun sollte!

            Selbst Ideologien, wie der Atheismus oder auch Kommunismus, die im Prinzip jede Religion ablehnen, tragen auch klare Züge einer Religion. Es gab, z.B., im Kommunismus auch Weihen, Glaube und Hingabe wurden verlangt. Heute sind atheistische „Kirchen“ in Mode gekommen – wo Menschen zusammenkommen, singen, Vorträge hören, diskutieren, Gemeinschaft haben – und die gleichen Ziele verfolgen. Somit haben wir auch hier alle Züge einer Religion. Und selbst an das Weltbild des Atheismus muss man letztlich „glauben“…

            Aber nicht nur die Welt mit allen Mitteln der Verführung, sondern selbst manche Formen der Frömmigkeit können für uns, Christen, zur „Ersatzreligion“ werden, die die Beziehung zum lebendigen Gott selbst ersetzen. So, z.B., wurde für die Pharisäer das Gesetz und die „Überlieferungen der Väter“ ihr eigentlicher „Gott“ – so dass sie den wahren, lebendigen, fleischgewordenen Gott nicht erkannten! Für manche Konfessionen kann es die Liturgie sein; für manche sind es oberflächliche Regeln wie „nicht Rauchen und nicht Trinken“; für manche ist es auch einfach die „richtige Theologie“!

            Somit ist offensichtlich, dass in jedem Bereich unseres Lebens immer ein Kampf um das Erste Gebot tobt – wir sollen keine anderen Götter haben, außer den wahren, Einen Gott! Zu Recht beginnt Luther sein Kommentar zu jedem Gebot im Kleinen Katechismus mit der Frage: „Was heißt das? Wir sollen Gott über alles fürchten und ihn lieben!“

            FAZIT: somit können wir feststellen, dass durch die Ersatzreligionen der Satan nicht weniger aktiv wirkt, als auch durch den Okkultismus oder Aberglaube! Daher, „Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge.“ (1Pet.5,8).

 

             

 

Viktor Jerke,

 

Pastor

Wort der Woche KW15


 

DAS ERSTE GEBOT:

Wie sollen Christen mit pseudoreligiösen Phänomenen umgehen?

 

Abschließend fassen wir die Stellung der Bibel zu pseudoreligösen Phänomenen zusammen. Egal was die Motive oder Ziele sind, wenn Menschen sich okkulten Praktiken zuwenden, die biblische Stellung dazu ist absolut eindeutig. In 4. Mose 23,23 wird die biblische Position wie folgt ausgedrückt: „Denn es gibt kein Zaubern in Jakob und kein Wahrsagen in Israel“. Diese Aussage hat eine Doppelbedeutung: zum einen heißt es, dass Zauber und Wahrsagen keine Macht hat über Israel (s. Elberfelder Übersetzung!), denn Gott behütet sein Volk und somit haben okkulte Praktiken keine Wirkung auf das Volk Gottes; und andererseits bedeutet es auch, dass es keine okkulten Praktiken in Israel gibt, d.h., Okkultismus wird nicht in Israel praktiziert, denn das wäre eine Bresche für die gottfeindlichen Mächte.

Die biblische Position kann man in drei Punkten zusammenfassen:


1) Die Bibel lehnt jede Art von pseudoreligiöser Praktiken als Sünde ab (5.Mose 18,10).

Im Gesetz Mose sehen wir, dass darauf die Todesstrafe stand (5.Mo.18,10). Jede Art von Wahrsagerei und Zauberei führt unter Gottes Zorn (2Kön.17,17ff). Sicher hat sich die Sicht Gottes auf den Okkultismus seitdem nicht geändert. Und wenn es keinen Okkultismus in Israel nicht gab (4.Mo.23,23), dann kann es ihn auch in der christlichen Gemeinde heute nicht geben. Das Neue Testament sagt daher auch ganz klar, dass Zauberei eine Art pseudoreligiöser Praktiken ist und deswegen als Götzendienst zu verurteilen ist. Ein Zauberer ist ein Götzendiener. Und für solche ist das Urteil – der Feuersee (Off.22,15).

            Dies betrifft besonders auch auf Fälle, wenn der Mensch versucht, die gottfeindlichen Kräfte sich zunutze zu machen, um sich Vorteile im Leben zu verschaffen. Und es geht hier auch um Fälle, wo Menschen „Lügen verkaufen“ (Stichwort „Horoskope“). Viele Menschen, die die Horoskope lesen, wissen gar nicht, dass es nur Schwindel ist; aber sie binden sich dadurch, machen sich abhängig von Mächten, die dahinter stehen. Somit kann auch ein Horoskop zu okkulter Belastung führen.


2) Die Bibel rechnet durchaus mit der Realität dämonischer Mächte

So schreibt der Apostel Paulus, „Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.“ (Eph.6,12). Um in diesem Kampf dem Bösen nicht zum Opfer zu fallen, ruft das Wort Gottes uns zur Wachsamkeit auf: „Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge“ (1.Pet.5,8).

            Natürlich sollten wir nicht in ständiger Angst vor Dämonen leben! Wir sind unter Gottes Schutz und sie können uns nichts antun, als nur zur Sünde versuchen und verführen. Außerdem hat der Teufel viel mehr Möglichkeiten, als nur direkt durch Dämonen uns anzugreifen. So sieht, z.B. Jesus selbst in den gutgemeinten Worten von Petrus die listige Wirkung Satans: „Geh weg von mir, Satan! Du bist mir ein Ärgernis; denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.“ (Mt.16,23). Dabei war Petrus offensichtlich nicht okkult gebunden. Hier wird einfach die Tatsache ausgesagt, dass letztlich hinter jeder Sünde der Satan steht.


3) Jesus ist gekommen, die Werke des Teufels zu zerstören

Wer Sünde tut, der ist vom Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang an. Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.“ (1.Joh.3,8). Jesus hat dem Satan einen tödlichen Schlag versetzt, auch wenn der Satan immer noch in bestimmten Sphären eine Macht hat und noch Widerstand leistet (vgl. Eph.6,9-18). Der Satan ist „wie in Blitz“ vom Himmel gefallen und ist nun in „großem Zorn“ (Off.12).

            Jesus hat die Macht, das Reich Satans zu besiegen und er hat uns, seinen Nachfolgern, die gleiche Macht gegeben, die Werke des Teufels zu zerstören (vgl. Mt.10,1). Wir sind in erster Linie berufen, die Macht Satans und die Werke Satans durch die Kraft Gottes im eigenen Leben zu zerstören (vgl. Kol.1,13). Und als Christen sind wir ebenso berufen, einander zu helfen, vom Einfluss des Teufels frei zu werden – durch Dienst der Lieben aneinander, durch Predigten, Gebet, Bibellesen, Buße, Befreiung von okkulter Bindung usw.

            Geraden in diesen Osterwochen soll es uns nochmal bewusst werden, dass Jesus über Tod und Teufel gesiegt hat; dass er gekommen ist, um uns von der Macht des Teufels zu befreien – so lasst uns in dieser Freiheit leben (Joh.8,36) und keine Kompromisse mit dem Feind Gottes eingehen!

 

Viktor Jerke,

 

Pastor

Wort der Woche KW14


DAS ERSTE GEBOT:

Wie sollen Christen mit Okkultismus und Aberglauben umgehen?

 

In den letzten drei Beiträgen haben wir über den Umgang mit fremden Religionen nachgedacht. Doch außer klar definierter Religionen gibt es auch noch eine Reihe pseudoreligiöser Erscheinungen, die ebenso eine bedeutende Rolle im Leben der Menschen spielen. Diese wollen wir uns ebenso im Rahmen der Überlegungen zum Ersten Gebot anschauen.

            Zuallererst geht es den Aberglauben an. Was ist ein „Aberglaube“? Der Begriff selbst ist ja negativ belegt; daher spricht man heute in der Religionswissenschaft eher vom „Volksglauben“. Es geht um „Zeichen“ und „Omen“ allerlei Art, die Gegenstand des Glaubens sind. Den Aberglauben kann man in jeder Religion finden. Der Aberglaube hat, gewöhnlich, nichts mit der Religion selbst zu tun, meistens widerspricht er der offiziellen Lehre sogar.  

            In der Bibel wird der Aberglaube auch mehrfach erwähnt. Dabei ist der Aberglaube deutlich vom Okkultismus zu unterscheiden. Beim Aberglauben geht es um den Glauben an Zeichen, Schicksal, Omen etc.; beim Okkultismus geht es um die Inanspruchnahme der dunklen Mächte, aus der Welt Satans, die hinter den okkulten Erscheinungen stehen.

            Der Okkultismus wird in der Bibel mehrfach erwähnt. So finden wir hier Wahrsagerei und Zauberei (3.Mo.19,26), Kontakt mit den Geistern der Verstorbenen (3.Mo.19,31; 1.Sam.28), Astrologie (2.Kön.21,3; Jes.47,13);  Tätowierungen okkulter Bedeutung (3.Mo.19,28) und Opferrituale, einschließlich Menschenopfer (5.Mo.18,10-12; 2Kön.16,3) u.v.m. Der Okkultismus wird von der Bibel eindeutig als ein Aufstand gegen Gott gedeutet und im Alten Testament stand auf okkulte Praktiken die Todesstrafe.

            Im Neuen Testament werden okkulte Praktiken ebenso mehrfach erwähnt. So lesen wir vom Simon dem Zauberer (Apg.8,9ff), die Geschichte des falschen Propheten  und Magiers Barjesus (Apg.13,6-12). Kurz danach treffen wir auf eine Dienerin, die Wahrsagerei betrieben hatte (Apg.16,16ff). Uns wird davon berichtet, dass die Menschen in Ephesus, nachdem sie das Evangelium hörten und daran glaubten, ihre magischen Bücher zusammentrugen und verbrannten, die eine Unsumme kosteten (Apg.19,19). Wenn wir die „Werke des Fleisches“ aufgelistet sehen, dann werden mitunter auch „Götzendienst, Zauberei“ genannt (Gal.5,20). Und im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung, lesen wir vom Gericht Gottes; und in diesem Zusammenhang heißt es, dass „…Zauberern und Götzendienern und allen Lügnern ist ihr Teil in dem See, der mit Feuer und Schwefel brennt, das ist der zweite Tod.“ (Off.21,8). Und im allerletzten Kapitel der Bibel, wo das Himmlische Jerusalem beschrieben wird, sagt Johannes: „Draußen sind … die Zauberer und die Unzüchtigen und die Mörder und die Götzendiener und jeder, der die Lüge liebt und tut.“ (Off.22,15).

            Was ist das eigentlich Problem mit dem Okkultismus und dem Aberglauben? Es geht darum, dass der Mensch, der Okkultismus praktiziert oder auch Aberglaube, sich nicht Gott anvertraut, sondern fremden, gottfeindlichen Mächten. Wer sich des Okkultismus bedient, wendet sich an den Feind Gottes, den Satan und an „die geistigen Mächte der Bosheit in der Himmelswelt. (Eph.6,12f).  Nicht selten nehmen diese Mächte auch die Gestalt eines „Engels des Lichts“ an (2Kor.11,14), indem sie bestimmte Symbolik verwenden, die wie „christliche“ Symbolik aussieht oder gar das „Vater unser“ benutzen u.ä.

            Ein Christ, der sich okkulter Praktiken bedient, sündigt vor Gott und macht sich von Satan und seinen dämonischen Mächten abhängig.  Solche „Christen“ können das Reich Gottes nicht erben (Gal.5,19-21)! Ebenso ist auch der Aberglaube bei weitem keine harmlose Beschäftigung! Denn der abergläubige Mensch macht sein Leben nicht von Gott abhängig, sondern von bestimmten Omen, Zeichen und Horoskopen. Davon lässt er sich leiten, anstatt vom Wort und Geist Gottes geleitet zu werden. Ein Christ kann entschieden nichts mit Okkultismus, Astrologie und Aberglaube zu schaffen! Und wenn es doch geschehen ist, so hat ein Christ sich davon loszusagen, darüber Buße zu tun und sich von ganzem Herzen Gott zuzuwenden (Apg.8,22).

            Möge Gott jeden von uns segnen, dass wir ihm allein unser Leben anvertrauen, uns von seinem Geist und Wort leiten lassen im festen Vertrauen! Gott zur Ehre!

 

 

 

Viktor Jerke,

 

Pastor

Wort der Woche KW13


Wie wir letztes Mal gesehen haben, lehnt die Bibel die Anwendung von Gewalt in der Mission ab. Es gibt keinerlei biblische Begründung für den „Weg des Kreuzzugs“. Gott sucht sich Anbeter, die ihn aus Liebe anbeten und die ihm aus Liebe gehorsam sind. Ebenso lehnt die Bibel auch den Weg des Synkretismus, der Religionsvermischung, als Sünde ab. Es sind für uns Christen keine möglichen Wege des Umgangs mit anderen Religionen.

            So schauen wir uns heute die dritte Möglichkeit des Umgangs mit fremden Religionen an: den Weg des missionarischen Dialogs. Wie kann man den Weg des missionarischen Dialogs beschreiben? In unseren Überlegungen werden wir uns auf zwei Begriffe stützen, die sich einerseits auf die andersgläubigen Menschen beziehen, andererseits auf die Religion, die sie vertreten. Der erste Begriff ist a) intersubjektive Toleranz und b) objektive Intoleranz. Was hat das zu bedeuten?

            a) Dem andersgläubigen Menschen gegenüber (Subjekt) müssen wir tolerant sein. Wir müssen ihn so annehmen, wie er ist und ihn so lieben, wie er ist, ganz ohne Bedingung – wie auch Christus uns bedingungslos angenommen und geliebt hat (Röm.5,8). Intersubjektiv (= zwischenmenschlich) haben wir tolerant zu sein, wir dürfen die Menschen nicht wegen ihrer Andersgläubigkeit hassen, ablehnen oder verstoßen. Wir sind berufen, sie zu lieben, wie alle anderen auch.

            b) Jedoch in Bezug auf das Objekt des Glaubens (die Bibel, die Person von Jesus Christus etc.) müssen wir intolerant sein, keinerlei synkretistische Kompromisse eingehen, fremde Religionen nicht als eine ebenbürtige Wahrheit akzeptieren (vgl. Apg.4,12; 17,30f).

            Ist es denn praktische möglich? Ist es nicht meistens so, dass wir mit der fremden Religion des Menschen auch den Menschen selbst ablehnen? Noch Plinius d. J. sagte, „wer die Schwächen des Menschen kennt, der hasst auch den Menschen selbst“. Leider ist es oft wirklich so. In dieser Welt ist es eher sogar normal. Doch das Wort Gottes, die Bibel, bringt uns eine ganz andere Art des Umgangs bei. Augustinus hat sie so beschrieben: Wir sollen „die Sünde hassen, doch den Sünder lieben“. In der Tat – Jesus Christus hat wie kein anderer die Sünde verabscheut – und, wie kein anderer, hat er den Sünder geliebt! In unserem eigenen Leben erleben wir es als Christen ebenso: wir lehnen die Sünde ab und wissen, dass wir von Christus geliebt sind. Weil wir unverdient von Christus geliebt sind, sind auch wir fähig, andere Sünder so zu lieben, wie sie sind. Weil wir den Sünder aber wirklich lieben, möchten wir nicht, dass er in seinen Sünden umkommt, sondern weisen auf Christus hin, wo er gerettet werden kann.

            Darum müssen wir, um den Menschen die Rettung in Jesus Christus anbieten zu können, im Dialog mit den Menschen anderer Religionen sein. Die Wahrheit verpflichtet uns zur Predigt des Evangeliums, zum Zeugnis von Jesus Christus als Retter und Herr. Die Liebe treibt uns zum Dialog mit den Andersgläubigen an. Und bei jedem Menschen finden wir bestimmte richtige Erkenntnisse, an die wir anknüpfen können beim Dialog. Z.B. gibt es fast in jeder Religion eine Vorstellung von Gott. Hier können wir anknüpfen, um den Menschen den wahren Gott bekannt zu machen (vgl. Apostel Paulus in Athen, Apg. 17,18-31).

            D.h., um es klarzustellen, es geht uns nicht um ein „Dialog“, wo jeder, nach postmoderner Art, seine unantastbare individuelle „Wahrheit“ hat; es geht auch nicht um die Anerkennung anderer Religionen als gleichwertige Rettungsmöglichkeit; sondern es geht ganz klar um einen Dialog, in dem wir den Menschen die Wahrheit in der Person von Jesus Christus bezeugen können (Joh.14,6). Unser Ziel ist und bleibt der Auftrag von Jesus Christus – Menschen zu retten durch die Botschaft des Evangeliums (Mt.28,18-20). Jesus war, ist und bleibt die einzige Rettung für jeden Menschen. Das war so, ist so und bleibt so, egal welche Ideologien gerade herrschen. Wir sollten nicht vergessen, dass wir damit den Menschen das Beste anbieten, was sie bekommen können!

 

 

Viktor Jerke,

 

Pastor

Wort der Woche KW12


DAS ERSTE GEBOT:

Wie sollen Christen mit anderen Religionen umgehen?

Der Weg des „heiligen Krieges“

 

Es werden drei Arten des Umgangs mit fremden Religionen diskutiert und praktiziert: der Weg des Synkretismus (Religionsvermischung, absolute Toleranz), der Weg des Kreuzzugs (absolute Intoleranz) und der Weg des missionarischen Dialogs. Letzte Woche haben wir den ersten Weg uns etwas genauer angesehen. Die Bibel lehnt den Synkretismus entschieden ab als Abfall von Gott. Heute werden wir uns mit der zweiten Möglichkeit, dem Weg des „heiligen Krieges“ beschäftigen.

 

2) Der Weg des „heiligen Krieges (Kreuzzüge, Dschihad etc.) – dies ist der Weg der absoluten Intoleranz. Vertreter anderer Religionen werden zum Religionswechsel gezwungen – auch unter Androhung von Gewalt oder gar Tötung.

            Dieser Weg ist das Gegenteil vom Synkretismus. Es ist ein Weg der absoluten Intoleranz, so nach dem Prinzip „willst du nicht mein Bruder sein, schlag‘ ich dir den Schädel ein“. Das es hierbei nicht nur um eine theoretische Möglichkeit geht, beweist die Geschichte, auch die neueste, zu Genüge. Wir kennen wohl die Kreuzzüge und den Dschihad, selbst aus den Nachrichten unserer Tage, wenn wir von der Vorgehensweise eines IS im Nahen Osten oder auch der Boko Haram in Nordafrika lesen. Was sagt denn das Neue Testament zu dieser Art des Umgangs zwischen den Religionen?

            Im Alten Testament ist das Bild ganz eindeutig: niemand wurde gezwungen, Jude zu werden; ganz umgekehrt, es gab einige Bedingungen, die die Heiden erfüllen mussten, bevor sie Glieder des Volkes Gottes, Israels, werden konnten: es waren die Beschneidung und Einhaltung des Gesetzes (1.Mo.17,10-14; 2.Mo.12,18-19.48-49; 1.Kor.7,19). In der Geschichte Israels finden wir durch all die Jahrhunderte auch nur eine Ausnahme: als die Makkabäer Edom eroberten, haben sie alle Männer zwangsweise beschnitten; das Alte Testament jedoch verbietet solche Handlungsweise eindeutig.

            Das Neue Testament, wie bereits letztes Mal angesprochen, ruft die Menschen auf, sich dem Glauben willig zuzuwenden. Diese Einstellung war in den ersten Jahrhunderten des Christentums selbstverständlich. Vielmehr wurden die Neubekehrten strengen Prüfungen unterworfen, bevor sie sich der christlichen Gemeinde anschließen durften. Verändert hat sich die Situation erst im vierten Jahrhundert, nach dem der Kaiser Konstantin den christlichen Glauben zur Staatsreligion erhoben hatte. Vierzig Jahre danach haben die ersten Pogrome heidnischer Tempel seitens der „Christen“ stattgefunden. Später erlag die staatlich gewordene Kirche mehrfach der Versuchung der Macht und wendete Gewalt in der „Mission“ an. So hat die Inquisition mittels Todesstrafe und Folter die Abtrünnigen zum „rechten Glauben“ „bekehrt“. Auch in anderen Ländern, wo das „Christentum“ Staatsreligion war, haben ähnliche Tendenzen stattgefunden. So hat man, z.B. im Russischen Zaren Reich gegen Ende des 19. Jahrhunderts evangelische Christen zwangsweise in orthodoxe Klöster eingewiesen, um sie zur Orthodoxen Kirche zu „bekehren“. Die Katholische Kirche rechtfertigte die Kreuzzüge und Gewaltanwendung gegen „Ketzer“ seinerzeit mit der Lehre des Augustinus, der das Gleichnis „vom  königlichen Hochzeitsmahl“ (Lk.14,15ff) benutzte, um die „Bekehrung“ von Ketzern unter Gewaltanwendung zu rechtfertigen. Später wurde das Christentum mehrfach aus politischen Interessen missbraucht und unter Gewaltanwendung ganzen Völkern aufgezwungen: so „bekehrte“ Karl der Große die Sachsen mit dem Schwert (8. J.h.); das Kiewer Russland wurde ebenso per Befehl getauft (10. J.h.). Die Geschichte ist voll solcher Beispiele auch in den darauffolgenden Jahrhunderten.

            Jedoch unterstützt das Neue Testament diese Art des Umgangs mit den Andersdenkenden keineswegs. Diese Möglichkeit ist der Gemeinde Jesu nicht gegeben. Es ist eigentlich das Gegenteil von dem, was das Neue Testament lehrt. Gott sucht sich Anbeter, die ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten würden (Joh.4,23f), die ihn lieben und ihm aus Liebe nachfolgen wollen (Mt.22,36-38), die ihm aus freien Stücken im Gehorsam des Glaubens folgen wollen (Heb.11,6; 2Kor.10,4f; 1Pet.1,22). Vielmehr ist das Christsein mit Bedingungen verbunden, die ein Mensch erfüllen muss, um Christ sein zu können (Mt.16,24; Lk.9,62). Daher ist jede Art von Gewaltanwendung gegen Andersgläubige, jede Art von Zwang gegenüber Vertretern anderer Religionen ausgeschlossen; eher lehrt das Neue Testament, wir sollen als Christen selber bereit sein zu leiden (Mt.5,10; 1.Pet.3,14; 4,13; 5,9f; Off.2,10). Es kann in der Mission und bei der Evangelisation niemals darum gehen, die Macht über andere zu ergreifen. Gott will ausschließlich freiwillige Nachfolger, er sucht Menschen, die freiwillig das Heil in Christus annehmen.

 

 

           

Viktor Jerke,

 

Pastor

Wort der Woche KW11


Letztes Mal ging es darum, dass  im Neuen Testament – im Unterschied zum Alten Testament – die werbende, einladende missionarische Predigt in den Vordergrund tritt. Sicher gab es auch davor im Judentum die werbende Art der Predigt. Es gab ja die Proselyten, die „Gottesfürchtigen“ (Apg.10,1f; Mt.8,5-11), die sich vom Heidentum zum Judentum bekehrten. Von Anfang an war auch im Gesetz die werbende Art der Predigt verankert (5.Mo.4,6f; Jes.42,6-8). Religiöse Gewalt in der Mission war auch dem Alten Testament fremd. Dennoch sehen wir im Neuen Testament einen prinzipiellen Unterschied zur Haltung des Alten Testaments. Im Neuen Testament wird jede Art von Gewalt oder Zwang ausgeschlossen. Die Wahrheit wird jedermann angeboten, aber keinem aufgezwungen.


            Was bedeutet das für uns Christen? Wie sollen wir mit anderen Religionen und Menschen, die anderen Religionen angehören, umgehen?


            In Theorie wie Praxis werden drei Wege begangen, die wir im Licht des Neuen Testaments prüfen müssen:

1)     Der Weg des Synkretismus (Absolute Toleranz, Religionsvermischung, praktische Anerkennung aller Religionen als gleichermaßen wahr). Dies ist der Weg der uneingeschränkten Toleranz, alle Religionen werden als gleichwertige Wahrheit anerkannt. Jeder darf glauben was er will, es wird als Wahrheit akzeptiert; Mission wird völlig ausgeschlossen.

2)     Der Weg des „heiligen Krieges“ (Kreuzzüge, Dschihad etc.) – dies ist der Weg der absoluten Intoleranz, Vertreter anderer Religionen werden zum Religionswechsel gezwungen – auch unter Androhung von Gewalt oder gar Tötung.

3)     Der Weg des missionarischen Dialogs (Vertreter anderer Religionen werden geduldet und geliebt, doch ihre Ansichten und religiöse Überzeugungen werden nicht als Wahrheit akzeptiert). Dies ist der Weg der Verkündigung der Wahrheit des Evangeliums denen, die einer anderen Religion zugehören, weil man ihre Religion nicht als Wahrheit anerkennt.

Diese drei Möglichkeiten des Umgangs von Religionen untereinander schauen wir uns etwas genauer an. Heute behandeln wir nur die erste Möglichkeit – den Weg des Synkretismus.

 

1.      Der Weg des Synkretismus

Hier werden absolute Toleranz und uneingeschränkte Akzeptanz praktiziert. Die Überzeugungen des anderen werden nicht angezweifelt und seine religiösen Ansichten als Wahrheit akzeptiert. Gewöhnlicherweise, ganz im Geiste der Postmoderne, als seine persönliche, dennoch unanfechtbare Wahrheit. Nicht selten wird diese „Wahrheit“ mit übernommen und mit den bereits vorhandenen Überzeugungen vermischt. Man müsse die Wahrheit „gemeinsam suchen“, so der populäre Gedanke. Sehr „modernes“ Denken! Und – typisch heidnisches Denken, wie wir weiter beobachten werden.

            Die Theologen unter den Anhänger dieses Weges wird oft die These vertreten, die lautet „ein Gott in allen Religionen“. Es geht angeblich bei allen Religionen um den Gleichen Gott, nur die „Wegbeschreibung“ ist in den jeweiligen „Heiligen Schriften“ unterschiedlich. Dabei wird ideologisch und manipulatorisch behauptet, dass es in dieser Welt nur dann Frieden geben kann, wenn die Religionen aufhören sich gegenseitig zu bekämpfen und einander tolerieren und akzeptieren.

            So verlockend diese Gedanken auch klingen mögen, selbst bei oberflächlicher Betrachtung wird schnell klar, dass die Götter anderer Religionen eben nicht derselbe Gott ist, wie der Gott der Bibel. Zu unterschiedlich sind die charakteristischen Merkmale, die Attribute. Zu unterschiedlich sind auch die Ziele, die der Gott der Bibel und die Götter anderer Religionen haben.

            Es ist zu beachten, dass drei Elemente zu einer bestimmten Gottesvorstellung führen:

1)     Der „natürliche“ (nicht wiedergeborene, „fleischliche“) Mensch kann auch nur eine „natürliche“, eingeschränkte, korrumpierte Vorstellung von Gott haben (vgl. Röm.1,18ff; Apg.17,27; 1.Kor.2,14-16)

2)     Unter dem Einfluss der Sünde macht sich der Mensch eigenwillige Vorstellungen von Gott. Dies führt unweigerlich zu heidnischen Vorstellungen, die nicht der Wahrheit entsprechen.

3)     Der geistliche Machtkampf ist eine von der Bibel klar bezeugte Tatsache. Und die gottfeindlichen Mächte sind nicht daran interessiert, dass der Mensch Gott wirklich erkennt, denn das würde ganz praktische Konsequenzen haben. Daher nehmen sie ebenso Einfluss auf die Gottesvorstellung des Menschen, um es zu pervertieren.

Wie beurteilt die Bibel selbst den Synkretismus? Denn diesen Ideen begegneten die Israeliten und die ersten Christen ja auf Schritt und Tritt in der heidnischen Umgebung. Die Bibel lehnt den Synkretismus entschieden ab. Jede Art von Religionsvermischung wird als Abfall vom einzig wahren Gott gewertet und mit drastischen Vergleichen wie Ehebruch und mutwillige Sünde beschrieben (vgl. Hos.2). Die Bibel – das Alte Testament wie auch das Neue Testament – lehnt den Gedanken des Synkretismus ganz entschieden ab (Apg.14,15). Ganz im Gegenteil, in der Bibel geht es eben darum, dass Gott sich selbst offenbart hat, wie er wirklich ist – in der Bibel, dem Wort seiner Offenbarung. Daher sind alle anderen Religionen eigenwillige, menschliche Vorstellungen von Gott, die in Wirklichkeit die Menschen von Gott wegführen. Darum ist der Weg des Synkretismus für uns Christen absolut inakzeptabel. Es gibt für uns nur eine Wahrheit, einen Weg und das Leben ausschließlich in Christus (vgl. Joh.14,6; Apg.4,12 u.a.).


            Über die anderen zwei Wege werden wir nächste Woche nachdenken.

 

 

Viktor Jerke,

 

Pastor

 

Wort der Woche KW9


DAS ERSTE GEBOT:

Die Intoleranz des biblischen Glaubens gegen andere Religionen.

DAS NEUE TESTAMENT

 

 

Letztes Mal haben wir über die Intoleranz des biblischen Glaubens im Alten Testament gegen andere Religionen nachgedacht. Wie sieht es aber im Neuen Testament aus?

         Das Neue Testament hat die gleiche, eindeutige Position was das Heil angeht: „Und es ist in keinem andern das Heil; denn es ist auch kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, in welchem wir sollen gerettet werden! (Apg.4,12). In keinem anderenist das Heil! Somit ist der Weg zu Gott durch andere Religionen ebenso ausgeschlossen. Gott selbst hat den einzigen Weg festgelegt. Und das ist der Weg des Glaubens an Jesus Christus (Joh.14,6; Eph.2,8f). Darum ist jeder andere Weg ein eigenwilliger menschlicher Versuch, der von vornherein zum Scheitern verurteilt ist (Joh.4,22).

         Dennoch gibt es auch prinzipielle Unterschiede zwischen den Positionen des Alten und des Neuen Testaments. Der erste Unterschied besteht darin, dass die Errettung sich nicht auf das Volk Israel beschränkt, sondern auch allen Menschen angeboten wird (Eph.2,11ff). Die Rede des Paulus auf dem Areopag in Athen ist das klassische Beispiel des neutestamentlichen Ansatzes (Apg.17,16-33). Diese Rede hilft auch das moderne Problem zu verstehen, darum schauen wir uns die wichtigsten Momente kurz an:

V.22: Paulus nimmt zunächst die „Frömmigkeit“ der Athener positiv auf.

V.23: Den Altar des „unbekannten Gottes“ nimmt er als Einstiegspunkt, um den einzig wahren Gott zu predigen. „…was ihr verehrt, ohne es zu kennen“ – diese Aussage war wie eine Ohrfeige für die Athener, die auf ihr Wissen stolz waren.

V.24-26: Wie das Alte Testament, so begründet auch Paulus den Anspruch Gottes mit der Schöpfung.

V.27: Hier wird auf die Verantwortung des Menschen vor dem Schöpfer hingewiesen.

V.28: Paulus zitiert einen heidnischen Dichter und weist darauf hin, dass man dieses Zitat eigentlich nur auf den wahren Gott, den Schöpfer, beziehen kann.

V.29: Paulus appelliert an die Vernunft des Menschen in der Gotteserkenntnis.

V.30f: „Nun hat zwar Gott die Zeiten der Unwissenheit übersehen, jetzt aber gebietet er allen Menschen allenthalben, Buße zu tun“ – Paulus bezeichnet andere Religionen als „Unwissenheit“. Nun aber wird Buße gefordert und Hinkehr zum Glauben an Jesus, denn nur durch ihn kann der Mensch gerettet werden vor dem kommenden Gericht Gottes.

         Seine Rede führt zum Aufruf zur Buße und Hinweis auf Jesus als den Retter. Die Religiosität der Athener ist nicht genug, denn im Grunde ist sie „Unwissenheit“. Sie müssen sich zur Erkenntnis des wahren Gottes bekehren. Und nur darin besteht das Heil!

         Diese Linie können wir im ganzen Neuen Testament sehen:

„…denn sie selbst erzählen von uns, wie wir bei euch Eingang gefunden und wie ihr euch von den Abgöttern zu Gott bekehrt habt, um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen  10 und seinen Sohn vom Himmel zu erwarten, welchen er von den Toten auferweckt hat, Jesus, der uns vor dem zukünftigen Zorn errettet.“ (1.Thes.1,9f)

Nun aber, da ihr Gott erkannt habt, ja vielmehr von Gott erkannt seid, wie möget ihr euch wiederum den schwachen und armseligen Elementen zuwenden, denen ihr von neuem dienen wollt? Ihr beobachtet Tage und Monate und heilige Zeiten und Jahre.“ (Gal.4,9f).

         „Ziehet nicht am gleichen Joch mit Ungläubigen! Denn was haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit miteinander zu schaffen? Was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? Wie stimmt Christus mit Belial überein? Oder was hat der Gläubige gemeinsam mit dem Ungläubigen?“ (2.Kor.6,14f).

„…wir wissen aber, dass der Sohn Gottes gekommen ist und uns einen Sinn gegeben hat, dass wir den Wahrhaftigen erkennen. Und wir sind in dem Wahrhaftigen, in seinem Sohne Jesus Christus. Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben.  Kindlein, hütet euch vor den Abgöttern!“ (1.Joh.5,20f)

Fazit: das Neue Testament ist ebenso eindeutig intolerant gegenüber anderen Göttern und Religionen. Das Heil ist nur in Christus zu finden. Im Unterschied zum Alten Testament jedoch finden wir im Neuen Testament keinerlei Aggressivität gegen andere Religionen. Stattdessen sehen wir die werbende, einladende missionarische Predigt: die Wahrheit wird jedermann angeboten, sie wird jedoch niemand aufgezwungen!

Welche praktische Folgerung es für uns Christen hat für den Umgang mit anderen Religionen und deren Vertretern hat, werden wir im nächsten Artikel nachdenken.

 

 

 

Viktor Jerke,

 

Pastor

 

Wort der Woche KW8


 

DAS ERSTE GEBOT:

Die Intoleranz des biblischen Glaubens gegen andere Religionen

 

In den letzten Beiträgen haben wir festgestellt, dass der Grund für den Ausschließlichkeitsanspruch Gottes die Tatsache sei, dass Gott der Schöpfer ist und die Ursache ist die Sünde, die den Menschen ins Verderben führt. Weil Gott nicht will, dass seine Schöpfung zerstört wird, erhebt er den vollen Anspruch auf die Schöpfung, weil er allein sie vor der Zerstörung retten kann.

            Eigentlich ist der Ausschließlichkeitsanspruch Gottes in der Bibel einmalig unter allen Religionen. Für die Heiden ist es ein völlig fremder Ansatz, denn sie beteten ja sowieso viele Götter an, da kommt es auf einen mehr oder weniger nicht an. Die Idee im Heidentum war eben, dass alle Völker die gleichen Götter anbeten, nur eben unter verschiedenen Namen. Darum ist der Synkretismus (Religionsvermischung) ein fester Bestandteil des Heidentums.

            Doch auch Israel war immer in Gefahr, andere Götter anzubeten. Ebenso ist auch heute im Christentum die Gefahr gegeben, religiöse Vorstellungen zu vermischen. Diese Gefahr kann man in drei Kategorien aufteilen: 1) Vermischung mit anderen Religionen, 2) Vermischung mit Pseudoreligionen und 3) Vermischung mit Aberglauben. Wir schauen uns diese drei Gefahren nacheinander an.

 

1. Vermischung mit fremden Religionen

Israel war in einer einmaligen Situation unter allen Völkern der Welt. Denn (nach Volz) „alle anderen Völker beteten Naturgötter an, je mehr es waren, um so glücklicher fühlten sich“ die Menschen. Und die ganze Geschichte Israels ist eine Geschichte des Kampfs gegen die Verehrung fremder Götter, die das Volk Gottes ins Unheil stürzen konnten.

            Die Verehrung fremder Götter hat viele Formen:


a)     Abfall vom „Glauben der Väter“ (Religionswechsel)

Dafür gibt es viele Beispiele im Alten Testament:

Aber mein Volk hat seine Herrlichkeit eingetauscht gegen einen Götzen, der nicht helfen kann!“ (Jer.2,10ff). Hier sehen wir, dass das Volk Gottes seinen Gott „eingetauscht“ hat gegen andere, heidnische „Götter“. Dies geschah immer wieder, sowohl in größeren Gruppen (vgl. Richter 2,10-13), als auch in Einzelfällen, wenn Menschen aus politischen oder wirtschaftlichen Interessen ihrem Glauben absagten und die Religionszugehörigkeit wechselten. So, z.B. hat Tiberius Alexander, der Neffe des bekannten jüdischen Gelehrten des 1. J.h. Philo von Alexandrien, um in der römischen Armee Karriere zu machen, dem jüdischen Glauben abgesagt und die offizielle römische Religion angenommen. Später, im Jahre 70 n.Chr. musste er als römischer General mitunter den Sturm Jerusalems anführen unter dem Kommando von Titus, dem Sohn des Römischen Kaisers Vespasian. Der Sturm endete in völliger Zerstörung Jerusalems und des Tempels, der bis heute noch nicht wiederhergestellt wurde…


b)     Synkretismus (Religionsvermischung)

Der Religionswechsel blieb jedoch eher die Ausnahme. Viel verbreiteter war (und bleibt) der Synkretismus, die Religionsvermischung. Dabei behält man die eigene Religion, übernimmt aber Formen und Inhalte fremder Religionen. Somit, meint man, sei man kein Apostat (Apostasie = Absage von der eigenen Religion), man behält die eigene Religion, übernimmt aber auch Elemente anderer Religionen.

            Diese Form war und bleibt die meistverbreitete Form von Abfall. Sehr oft kommt die Religionsvermischung bei den Propheten zur Sprache: „Ich will meine Hand ausstrecken gegen Juda und gegen alle, die in Jerusalem wohnen, und will ausrotten von dieser Stätte, was vom Baal noch übrig ist, dazu den Namen der Götzenpfaffen und Priester  5 und die auf den Dächern anbeten des Himmels Heer, die es anbeten und schwören doch bei dem HERRN und zugleich bei Milkom  6 und die vom HERRN abfallen und die nach dem HERRN nichts fragen und ihn nicht achten.“ (Zeph.1,4f).

            Die Ablehnung des Synkretismus wird besonders beim kämpferischen Propheten Elia deutlich: „Da trat Elia zu allem Volk und sprach: Wie lange hinket ihr auf beiden Seiten? Ist der HERR Gott, so wandelt ihm nach, ist's aber Baal, so wandelt ihm nach.“ (1Kön.18,21). Offensichtlich ist die Religionsvermischung ebenso entschieden zu verwerfen, wie auch Religionswechsel.


c)      Anbetung Gottes in verbotener Form

Hier geht es um eine „abgeschwächte“ Form von Synkretismus. Hier geht es darum, dass man (sogar ausschließlich!) den eigenen Gott anbetet – aber in eigenwilliger oder gar klar verbotener Form. Dazu gehört, z.B. die Anbetung Gottes in Form des „Goldenen Kalbes“ (2.Mose 32,4ff). Es wird ausdrücklich erwähnt, dass das goldene Kalb keinen anderen Gott darstellen sollte, sondern den Gott, der Israel aus Ägypten geführt hat. Doch diese Art der Gottesanbetung war von Gott klar verboten!

            Später hat Jerobeam aus politischen Gründen ebenso zwei „goldene Kälber“ aufgestellt, die den Gott Israels darstellen sollten (1.Kön.12,28ff). Dies hat er gemacht, damit die Israeliten nicht nach Jerusalem zur Anbetung gehen.

            Die Prophetenbücher zeichnen ein Bild des entschiedenen Kampfes gegen alle diese Arten von Vermischung von Religionen. Die Bibel bezeichnet sie durchweg als Abfall von Gott. Gott fordert von den Menschen eine klare Entscheidung, ihm allein zu dienen, ihn allein anzubeten, ihn allein als den einzig wahren Gott und Retter zu verehren. Alle Kultstätten fremder Götter mussten entschieden entfernt werden (vgl. 2.Mose 34,12ff; 5.Mo.7,25; 12,2ff u.a.).

            Das ist das Bild aus dem Alten Testament. Wie sieht es denn im Neuen Testament aus? Wie sollen wir zu anderen Religionen stehen? Darüber werden wir nächste Woche nachdenken.

 

 

Viktor Jerke,

 

Pastor

 

Wort der Woche KW7


Das Erste Gebot:

Die Sünde als Ursache des Ausschließlichkeitsanspruchs Gottes

 

Letzte Woche ging es um die Begründung für den Ausschließlichkeitsanspruch Gottes. Der Grund für den totalen Anspruch Gottes auf den Menschen ist die Tatsache, dass er alles erschaffen hat und alles gehört ausschließlich ihm. Darum darf man auch nur ihn anbeten und keinen anderen Gott (vgl. 2Mo.20,2-5).

            Die Ursache für den Ausschließlichkeitsanspruch ist die Sünde. Durch die Sünde wurde der Mensch von Gott getrennt; die Sünde verzerrt die Vorstellung von Gott und stört die Beziehung zu Gott. Die Sünde verleitet den Menschen dazu, dass er eigenwillig entscheidet, was und wie er anbetet oder auch nicht.

            Natürlich gibt es immer wieder auch beim sündigen Menschen Bruchstücke rechter Erkenntnis (vgl. Röm.1,18ff). Noch im 6. Jh. v.Chr. protestierte der griechische Philosoph Xenophanes gegen den Polytheismus (Vielgötterei) der griechischen Religion. Er argumentierte, dass eigentlich nur einer Gott sein kann. Meistens ist es also nicht der Mangel an Erkenntnis, sondern der Mangel an Gehorsam beim sündigen Menschen. Das Christentum, wie auch das Judentum, sind monotheistische Religionen, die nur einen Gott kennen. Ebenso kennt auch der Islam nur einen Gott. Warum schließt denn das Erste Gebot die Anbetung anderer Götter so radikal aus. Warum darf man Gott nicht, z.B., in der Form des Islam anbeten? Betet man nicht doch letztlich den gleichen Gott an, wenn auch in anderer Form? Muss man das wirklich so „eng“ sehen!?

            Diese Ideen sind sehr populär in unserer Zeit. Sie passen sehr gut zur modernen Vorstellung von „Toleranz“ und „Offenheit“. Ein Ausschließlichkeitsanspruch, dagegen, gar nicht. Doch bei der ganzen Diskussion wird das Hauptproblem schnell vergessen – oder auch willentlich ignoriert: die Sünde. Das Hauptproblem ist nicht mangelndes Wissen über Gott, sondern das Leben unter der Herrschaft der Sünde. M. Luther sagt: „Der Mensch will nicht, dass Gott Gott sei“. Das Neue Testament stellt klar: „Denn Gottes Zorn wird vom Himmel her offenbart über alles gottlose Wesen und alle Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten. … Denn obwohl sie von Gott wussten, haben sie ihn nicht als Gott gepriesen noch ihm gedankt, sondern sind dem Nichtigen verfallen in ihren Gedanken, und ihr unverständiges Herz ist verfinstert.“ (Röm.1,18.21). Allein durch die Beobachtung des Lebens, der Schöpfung, so der Kontext, kann man genug von Gott erfahren, um ihn als Gott ehren. Doch das Problem ist, dass der Mensch das nicht will! D.h., der Mensch weigert sich Gott als Gott anzuerkennen – und das ist die Ursache für den „verfinsterten Verstand“ der Menschheit, für allerlei – auch „modernen“ Götzendienst, wo man das Geschöpf verehrt, statt den Schöpfer usw. Wer sich weigert, den wahren Gott als Gott anzubeten, der macht sich eigenwillig erdachte „Götter“, die in Wahrheit keine sind.

            Das zentrale Problem ist also das sündige Herz des Menschen – und genau das wird heute vehement geleugnet. Von der Sünde will man weder hören, noch sie wahrhaben. Doch genau das nennt die Bibel das zentrale Problem, an dem der Mensch leidet: „du hast die Erkenntnis verworfen“ (Hos.4,6) – eine willentliche Entscheidung!  „Denn  ich habe Lust an der Liebe und nicht am Opfer, an der Erkenntnis Gottes und nicht am Brandopfer.“ (Hos.6,6). Die Liebe zu Gott und die Erkenntnis Gottes sind eng verbunden. Man kann Gott nicht wirklich erkennen, wenn man ihn nicht liebt. Darum wird das Gebot der Liebe auch das „Höchste Gebot“ genannt: „Und du sollst den HERRN, deinen Gott, liebhaben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.“ (5Mo.6,5). Und so heißt es dann im Neuen Testament: „Wenn aber jemand meint, etwas erkannt zu haben, der hat noch nicht erkannt, wie man erkennen soll;  3 wenn aber jemand Gott liebt, der ist von ihm erkannt“ (1Kor.8,2f). Ohne wahre Erkenntnis verfällt der Mensch unweigerlich in Götzendienst – in der einen oder anderen Form.

            Gott hat sich den Menschen auf so eine Weise offenbart, dass er uns von der Macht der Sünde befreit. Er hat uns seinen Sohn gesandt „in dem alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen sind“ (Kol.2,3). Gott in Wahrheit zu erkennen können wir nur so, wie er sich uns selbst offenbart. Alles andere ist Götzendienst. Somit ist das Erste Gebot eine Kampfansage der Sünde, die eine Auflehnung gegen Gottes Herrschaft ist. Und darin können wir die Liebe Gottes erkennen, die uns Menschen von der Sünde befreien will. Hinter der glühenden Eifersucht Gottes steht seine Retterliebe: „… ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen“ (2Mo.20,5; vgl. 2Mo.34,6f). Und dann sieht man wieder ganz deutlich das Motiv für die Eifersucht Gottes: „Ich, ich bin der HERR, und außer mir ist kein Heiland.“ (Jes.43,11). Die Retterliebe steht hinter der Eifersucht, denn Gott will „will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde.“ (2Pet.3,9). Wer diese Liebe verachtet und in selbsterdachter Religion verharrt, kommt unweigerlich unter Gottes gerechtes Gericht; denn es gibt keinen anderen Retter, außer Gott selbst: „Ich aber bin der HERR, dein Gott, von Ägyptenland her, und du solltest keinen andern Gott kennen als mich und keinen Heiland als allein mich.“ (Hos.13,4). Und das Neue Testament sagt das Gleiche aus: „Und in keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden.“ (Apg.4,12). Gott fordert die Anbetung ausschließlich für sich aus dem einen Grund: weil ausschließlich er den Menschen vor den Folgen der Sünde – der ewigen Verdammnis – retten kann.

 

Viktor Jerke,

 

Pastor

 

Wort der Woche KW6


Das Erste Gebot:

Die Begründung für den Ausschließlichkeitsanspruch Gottes

 

Im letzten Artikel haben wir über den Ausschließlichkeitsanspruch Gottes nachgedacht. Wir haben gesehen, dass Gott, der HERR, die Anbetung anderer Götter vehement ausschließt. „Ich bin der HERR, dein Gott!“ Dieser Anspruch, der jede Art von Synkretismus (Religionsvermischung) ausschließt, hat zwei Seiten: zum einen verpflichtet Gott sich selbst gegenüber seinem auserwählten Volk und andererseits verpflichtet er das Volk, ausschließlich ihn als den einzigen wahren Gott anzubeten. Ein hochmodernes Problem! Gerade in diesen Tagen tobt eine heftige Diskussion um ähnliche Aussagen eines evangelischen Pfarrers aus Bremen.

         Nun, warum stellt denn Gott selbst solch eine Forderung? Ist sie nicht „arrogant“, „überheblich“, ist sie nicht „feindselig“ oder gar „menschenverachtend“, wie man nur über die Aussagen des Bremer Pastors schimpft!? Wie begründet Gott denn seinen Anspruch? Warum darf man denn nicht auch Allah oder Buddha als Gott anerkennen, oder bei sich zu Hause aufstellen, oder mal einen gemeinsamen Gottesdienst mit Moslems oder Buddhisten feiern? Was hat denn der Gott der Bibel dagegen?

         Der Grund für den Ausschließlichkeitsanspruch Gottes ist die einfache Tatsache, dass Gott der HERR der Schöpfer ist. Alles gehört ihm, der Mensch eingeschlossen. Wieso sollte er denn den Menschen fremden Mächten nachlaufen lassen? Das Schöpfersein Gottes ist also der Grund für die Forderung, keine anderen „Götter“ anzubeten.

         Es ist nur logisch, dass die Welt nur einen Schöpfer haben kann. Es kann auch nur einen wahren Gott geben, den Schöpfer, der über der Schöpfung steht in jeder Hinsicht. Alle anderen „Götter“ sind ein Produkt menschlicher Ideen, haben menschliche Züge und erfüllen Funktionen, die für Gewöhnlich auch nur auf unsere Erde beschränkt sind, wie z.B. ein Fruchtbarkeitsgott, ein Sonnengott etc. (vgl. das griechische Pantheon, die Götterwelt des antiken Nahen Ostens, die ägyptischen Götter usw.). Somit gehören all diese „Götter“ dennoch dieser Welt an; die Welt hat aber einen Ursprung in Gott, der über der Schöpfung ist! Und er hat das volle Recht über seine Schöpfung.

         Schauen wir uns einige Aussagen im Wort Gottes selbst an. So heißt es in Psalm 136 (es ist ein Psalm über die Schöpfung): „Danket dem Gott aller Götter, denn seine Güte währet ewiglich.  Danket dem Herrn aller Herren, denn seine Güte währet ewiglich.  Der allein große Wunder tut, denn seine Güte währet ewiglich.  Der die Himmel mit Weisheit gemacht hat, denn seine Güte währet ewiglich.“ (Ps.136,2-5). In diesem kurzen Text haben wir wiederholt den Ausschließlichkeitsanspruch: in V.2: „Gott aller Götter“; V.3: „Herrn aller Herren“; V.4: „Der allein große Wunder tut“; V.5: „Der die Himmel mit Weisheit gemacht hat“ usw. Ebenso in Psalm 148,13: „sein Name allein ist hoch“; Die gleiche Begründung finden wir auch in 2Kön.19.15: „HERR, Gott Israels, der du über dem Cherubim sitzest, du bist allein Gott über alle Königreiche auf Erden, (wieso? Warum?) du hast Himmel und Erde gemacht.“ So wird auch in 1Chr.16,26 argumentiert: „Denn aller Heiden Götter sind Götzen; der HERR aber hat den Himmel gemacht.“.


         Und auch im Neuen Testament sieht es nicht anders aus! Hier finden wir die gleiche Argumentation: „Was nun das Essen von Götzenopferfleisch angeht, so wissen wir, dass es keinen Götzen gibt in der Welt und keinen Gott als den einen.  Und obwohl es solche gibt, die Götter genannt werden, es sei im Himmel oder auf Erden, wie es ja viele Götter und viele Herren gibt,  so haben wir doch nur einen Gott, den Vater, (Begründung): von dem alle Dinge sind und wir zu ihm; und einen Herrn, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind und wir durch ihn. (1Kor.8,4-6).

Desgleichen beruft sich auch der Römerbrief auf die Schöpfung als Grund, warum allein Gott der Herr sei: „…Gott, dem er geglaubt hat, der die Toten lebendig macht und ruft das, was nicht ist, dass es sei (Röm.4,17f).

         Die Schöpfung, uns Menschen eingeschlossen, ist ein Werk Gottes, des HERRN, alles gehört ihm, es ist sein Eigentum; und darum hat kein „anderer Gott“ das Recht, angebetet zu werden, außer unserem Schöpfer! Denn in ihm leben, weben und sind wir“ (Apg.17,28). Dieses Recht des Schöpfers auf ausschließliche Anbetung anzuerkennen ist nur vernünftig, logisch und gerecht!

 

Viktor Jerke,

 

Pastor

 

 

Wort der Woche KW5


Das Erste Gebot: Der Ausschließlichkeitsanspruch Gottes

 

Das Erste Gebot lautet: „Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“ (2.Mose 20,2f)

 

            Das Erste Gebot beginnt mit einer Selbstvorstellung Gottes. Er ist der HERR (Jahwe), der Gott, der Israel unter Begleitung von Krafterweisung und Wundern aus Ägypten geführt hat, wo Israel als Sklavenvolk lebte. Darum sagt er, er sei der Gott Israels („dein Gott“). Das „Ich bin der Herr, dein Gott“ ist im hebräischen Text betont. Es ist ein Anspruch, der andere Götter ausschließt. Das Volk Israel ist aufgefordert, nur den HERRN als seinen Gott anzuerkennen.

 

 

            Das Erste Gebot enthält somit die eindeutige Forderung, nur den einen Gott als Gott anzuerkennen. Diese Forderung schließt jede Art von Gottesanbetung und Gottesdienst für andere Götter aus. Jede Art von Religionsvermischung (Synkretismus) ist ebenso ausgeschlossen.

           

Somit sehen wir im Ersten Gebot eine doppelte Verpflichtung:

 

a) Gott verpflichtet sich

Indem Gott sagt, „ich bin der HERR, dein Gott“, verpflichtet er sich selbst gegenüber seinem Volk. Er gehört zu diesem Volk, er nimmt auf sich die Verpflichtung, der Gott Israels zu sein. Diese Verpflichtung enthält eine Zuneigung. Dahinter sieht man die erwählende Liebe Gottes (5.Mose 7,7f). Hier wird die Gnade Gottes gegenüber den Menschen offenbar, denn Israel, wie auch jedes andere Volk der Welt, hat es nicht verdient, dass Gott sich ihm gegenüber verpflichtet.

 

            Besonders deutlich wird die Selbstverpflichtung Gottes in Bezug auf den Stamm Levi: „Und der HERR sprach zu Aaron: Du sollst in ihrem Lande nichts erben, auch kein Teil unter ihnen haben; denn Ich bin dein Teil und dein Erbgut unter den Kindern Israel!“ (4.Mose 18,20; vgl. 5.Mose 10,9; 18,1; Jos.18,7). Ebenso betont wird im Alten Testament, dass Gott ein Gott der Gottesfürchtigen, der Notleidenden, Benachteiligten und Schwachen ist: „Wen habe ich im Himmel? Und dir ziehe ich gar nichts auf Erden vor!  Schwinden auch mein Fleisch und mein Herz dahin, so bleibt doch Gott ewiglich meines Herzens Fels und mein Teil.“ (Ps.73,25f). Genau das will Gott auch erreichen mit seiner Selbstverpflichtung: er will unser Gott sein, er will, dass der Mensch sich auf ihn verlässt und ganz auf ihn vertraut! Er will unser Teil, unser Gut sein!

            Dies führt aber logischerweise auch dazu, dass im Gegenzug Gott sein Volk verpflichtet, denn es geht um eine gegenseitige Liebesbeziehung:

 

b) Gott verpflichtet sein Volk

Ich bin der HERR, dein Gott“ ist, einerseits, eine Selbstverpflichtung Gottes gegenüber seinem erwählten Volk, andererseits ist es aber auch ein Anspruch auf das Volk. Die Betonung liegt aber auf dem „Ich bin der HERR, dein Gott“. Dieser Anspruch schließt jede andere Gottheit aus. Niemand außer dem HERRN darf sich Gott Israels nennen. Israel gehört ganz dem Herrn. Er will eine vertrauliche Liebesbeziehung zu seinem erwählten Volk haben, wo kein Dritter dazugehören kann.


Die Zugehörigkeit zum HERRN wird aber diesen Ausschließlichkeitsanspruch auch bedingt: „Werdet ihr nun meiner Stimme Gehör schenken und gehorchen und meinen Bund bewahren, so sollt ihr vor allen Völkern mein besonderes Eigentum sein; denn die ganze Erde ist mein; ihr aber sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein!“ (2.Mose 19,5). Die ganze Erde gehört Gott, weil er der Schöpfer ist. Doch Gott will eine besondere Beziehung zu seinem auserwählten Volk haben. Diese Beziehung soll auf Gegenseitigkeit beruhen.


Warum stellt Gott diesen radikalen Ausschließlichkeitsanspruch? Beten denn letztendlich nicht alle Menschen einen und denselben Gott an? Kommen denn nicht doch alle Menschen auf verschiedenen Wegen zu dem einen Gott, wie man heute so gerne lehrt? Auf diese Frage werden wir im nächsten Artikel eine Antwort suchen.

 

Viktor Jerke,

 

Pastor

 

Wort der Woche KW4


Die Zehn Gebote

 

Haben die Gebote Gottes aus dem Alten Testament uns, Christen des 21. Jahrhunderts was zu sagen? Wir wollen keine voreiligen Antworten geben. Eins können wir aber schnell feststellen: im Neuen Testament werden alle Gebote mit Ausnahme des Sabbatgebots als moralische Forderung bestätigt. Der Wille Gottes hat sich nicht vom Alten Testament zum Neuen Testament geändert. Was er zu alttestamentlichen Zeiten hasste, hasst er auch heute. Dennoch wissen wir, dass die Anwendung der Gebote sich geändert hat. Als Christen müssen wir nicht mehr die Gebote halten, um gerettet zu werden – denn wir sind schon durch Jesus Christus gerettet. Aber wir sind als Christen sehr wohl berufen, den Willen Gottes zu tun – und darin sind auch die Gebote hilfreich! Denn sie offenbaren uns den Willen Gottes. Sie sind eine ethische Orientierung für die Geretteten.


            Letzten Freitag in der Bibelstunde, im Jakobusbrief, ging es um das Höchste Gebot. Das Höchste Gebot – bei Jakobus „das königliche Gesetz“ genannt (Jak.2,8) – ist die Zusammenfassung der ganzen Bibel (vgl. Mt.22,36-40). Das Höchste Gebot wird in den zehn Geboten konkret. Denn, wie auch das Doppelgebot der Liebe, kann man auch die zehn Gebote inhaltlich in zwei Teile aufteilen: die Gebote 1 – 4 befassen sich mit der Beziehung des Menschen zu Gott, die Gebote 5 – 10 mit der Beziehung des Menschen zum „Nächsten“. Die Gebote 1 – 4 konkretisieren somit, was es heißt, Gott zu lieben, die Gebote 5 – 10 erklären, was es bedeutet, den Nächsten zu lieben „wie sich selbst“. Auch die Aufteilung auf zwei Tafeln ist nicht zufällig: die eine Tafel enthielt vermutlich die Gebote, die die Beziehung zu Gott regelten, die zweite – die Beziehung zum Nächsten.

            Welche zehn Gebote sind denn gemeint? Wie werden sie gezählt?

 

1. Gebot: „Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe.  Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“ (2.Mo.20,2f; vgl. 5.Mo.5,6f)


2. Gebot: „Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch

von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist:  Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen,  aber Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten. (2.Mo.20,4-6; 5Mo.5,8-10)


3. Gebot: „Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.“ (2.Mo.20,7; 5.Mo.5,11)


4. Gebot: „Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun.  Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn.“ (2Mo.20,8-11; 5Mo.5,12-15)


5. Gebot: „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der HERR, dein Gott, geben wird.“ (2Mo.20,12; 5Mo.5,16)


6. Gebot: „Du sollst nicht töten.“ (2Mo.20,13; 5Mo.5,17)


7. Gebot: „Du sollst nicht ehebrechen.“ (2Mo.20,14; 5Mo.5,18)


8. Gebot: „Du sollst nicht stehlen.“ (2Mo.20,15; 5Mo.5,19)

9. Gebot: „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.“ (2Mo.20,16; 5Mo.5,20)


10. Gebot: „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat. (2Mo.20,17; 5Mo.5,21)


            Nächstes Mal fangen wir an, über die Bedeutung des 1.Gebots für uns heute nachzudenken.  

 

Viktor Jerke,

 

Pastor

 

 

Wort der Woche KW 3


Gottes Gebote. Für uns?

 

Es ist einst ein junger Mann zu Jesus gekommen und fragte ihn:


Meister, welches ist das höchste Gebot im Gesetz?   Jesus aber antwortete ihm: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«. Dies 
ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.   In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.
(Mt.22,36-40; vgl. Mk.12,30; Lk.10,27).

 

            Die Juden, das auserwählte Volk Gottes, kannten hunderte von Geboten aus dem Tanach (Altes Testament). Und es gab viel Diskussionen, Streit und Rivalität zwischen verschiedenen Schulen, Parteien und Rabbiner über die Rolle und Wichtigkeit einzelner Gebote. Dabei wurde ein Doppelgebot aus dem Gesetz selbst als das Höchste Gebot hervorgehoben – das Doppelgebot der Liebe zu Gott und zum Nächsten (5. Mose 6,4ff). Diesem Doppelgebot der Liebe liegt das Glaubensbekenntnis Israels zugrunde, bekannt als das „Schma“ – „Höre, Israel“!

 

           Als Jesus Christus gefragt wird, was denn das Höchste Gebot von allen sei, antwortete er ohne Zögern: „Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR allein. Und du sollst den HERRN, deinen Gott, liebhaben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.“ (5.Mose 6,4f). Und dann fügt er hinzu: „In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten“ (Mt.22,40). Und in der Tat – dieses Bekenntnis ist die kürzeste Formulierung vom Willen Gottes im Gesetz! Denn die Liebe ist das Band der Vollkommenheit.“ (Kol.3,14). Im Detail wird das Höchste Gebot dann in den zehn Geboten erklärt, die alle Lebensbereiche umfassen. Die zehn Gebote wiederum werden in weiteren 603 Geboten konkretisiert.

 

            Die nächste Zeit werden wir über den Willen Gottes nachdenken, der uns in den zehn Geboten offenbart wurde. Warum „uns“? Darüber nächstes Mal.

 

Viktor Jerke,

 

Pastor

Wort der Woche KW 2


Wegen Christus. Wie Christus. Für Gott.

 

JAHRESLOSUNG 2015

Römer 15,7


Darum nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.“ (Röm.15,7) Es ist ein kurzer Text, aber eine gewaltige, herausfordernde Botschaft für uns. Und wir tun gut daran, dieses Wort wirklich als persönliche „Losung“, als eine Aufforderung für jeden Tag dieses Jahres für uns zu nehmen.

 

1. Darum: Nehmt einander an!

Das Losungswort beginnt mit „Darum nehmt einander an…“ – und dieses „Darum“ führt uns automatisch zur Frage: „Warum“? Dieses „Darum“ ist eine Folgerung aus Gründen, die vorher genannt wurden, besonders in den Kapiteln 1-8 des Römerbriefs. Letztlich bedeutet dieses „Darum“, dass Gott uns angenommen hat. Vorbehaltlos. Auf Grund seiner Barmherzigkeit. Aus Gnade hat Gott uns die Sünden vergeben und uns als seine geliebten Kinder angenommen. Aus verdammten Sündern wurden wir geliebte Kinder. Wir haben es nicht verdient, haben es aber bekommen.

Das ist der Grund für dieses „darum“! Genau darum! Darum, weil Gott uns so behandelt, so angenommen hat, sollen wir einander „annehmen“! Das zuständige griechische Wort für „annehmen“ bedeutet „zu sich nehmen, als einen Freund in die Gemeinschaft aufnehmen, das Herz öffnen“. Aus der Grundbedeutung können wir ganz klar erkennen, dass es um mehr geht, als nur „Toleranz“, um mehr, als nur „Dulden“, „Ertragen“ oder „stehen lassen“! „Annehmen“ ist ein aktives Verb, eine aktive, freundschaftliche Handlung! Gott hat sich nicht damit zufrieden gegeben, uns einfach nur „stehen zu lassen“, nur „tolerieren“ oder „in Ruhe lassen“! Er hat sich aktiv zu uns, seinen Feinden aufgemacht, um uns als Freunde zu gewinnen! Um uns zu seinen Hausgenossen zu machen! Ja, vielmehr – um zu unserem engsten Vertrauten, Freund und Bräutigam zu werden…! Das bedeutet das Wort „annehmen“!

        Jemand annehmen bedeutet also ins Herz schließen, lieben, annehmen als einen Bruder oder eine Schwester, ohne Vorbehalte, ohne Misstrauen, ohne „wenn“ und „aber“! Verdächtigungen, Unterstellungen haben da keinen Platz…! Und schon gar nicht schlecht reden… schon gar nicht gegen den Bruder oder die Schwester handeln…! Es geht ganz konkret um den Umgang miteinander in der Gemeinde – Jung und Alt, modern und konservativ, reich und arm… Es geht um den Umgang in unseren Ehen und Familien. Es geht beim „Annehmen“ darum, dem Nächsten „gefallen zum Guten“ – so, wie es Christus getan hat! Er hat es nicht sich zum Gefallen getan, sondern uns „zum Guten!“ Er selbst dagegen hat dafür einen hohen Preis bezahlt! Er hat einen Totalverlust erlitten, damit es dir gut geht! Um mich zu gewinnen!

        Und „Annehmen“ ist keine Option – es nicht dem Einzelnen überlassen, jemand anzunehmen oder nicht; sondern es ist ein Befehl des Herrn. Und Befehle werden nicht erteilt, um darüber zu diskutieren – sondern schlicht, um sie zu befolgen. Einem Befehl hat man zu gehorchen. Punkt. Ohne „wenn“ und „aber“. Gehorsam zu sein, so wie es der Sohn Gottes war – „er war gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz“ (Phil.2,8). Darin ist er uns ein Vorbild, dem wir nachahmen sollen (1Tim.1,16; 1Pet.2,21).

        Einander „annehmen“ bedeutet somit, ganz gleich, ob Freund oder Feind, nach dem Vorbild Christi, in Liebe behandeln, in Liebe dienen – und zwar, auf eigene Kosten.

 

2. Wie Christus euch angenommen hat

Darum nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob“ (Röm.15,7). Einander annehmen ist somit klar eine Folge dessen, dass Christus uns angenommen hat. Aufgrund der Tatsache, dass Christus uns aufgenommen hat, sollen wir auch einander annehmen, einander ins Herz schließen (und nicht das Herz verschließen)! Wir sind bei ihm angenommen! Und die Folge ist, dass wir einander genau so annehmen sollen, wie auch er uns angenommen hat! „Wie Christus“ bedeutet  - genau so, gleich wie, ebenso wie Christus; auf die gleiche Art und Weise!

        Nun, dann müssen wir eben genau hinschauen, wie Christus uns denn angenommen hat, um ihm darin nachahmen zu können! Und Paulus erklärt es in den nächsten zwei Versen: „Denn ich sage: Christus ist ein Diener der Juden geworden um der Wahrhaftigkeit Gottes willen, um die Verheißungen zu bestätigen, die den Vätern gegeben sind;  9 die Heiden aber sollen Gott loben um der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben steht: »Darum will ich dich loben unter den Heiden und deinem Namen singen.«“ (Röm.15,8f)

        „Christus ist ein Diener … geworden“! Da liegt das Geheimnis, Brüder und Schwestern! Wenn ich nicht die Gesinnung eines Dieners gegenüber meinem Nächsten, meinem Bruder und meiner Schwester einnehme, kann ich ihn oder sie auch nicht wirklich „annehmen“! Die Gesinnung eines Dieners ist hier auch beschrieben, in V. 3: „Denn auch Christus hatte nicht an sich selbst Gefallen, sondern wie geschrieben steht: »Die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen.«“ Das Schlechte, das Böse, die Schande, die wir verdient haben – die hat er auf sich genommen; das Gute, das wir nicht verdient haben, das hat er uns gegeben. Darin besteht sein Dienst.

        Und genau das zu tun, bedeutet einander annehmen. Nicht nur selbst nichts Böses über den Bruder oder Ehemann reden, sondern auch nicht zulassen, dass andere es tun. Lieber selber leiden, als den Bruder oder die Schwester leiden zu lassen. Das ist Nachfolge Christi. Lieber selbst unverdient Leiden, als den Nächsten leiden lassen (1Kor.6,7f). So, wie Christus es für uns getan hat, „der Gerechte für die Ungerechten“ (1Pet.3,18). Damit es uns gut geht. So tue auch du – dem Nächsten zum Guten, sei bereit auch zu leiden. Sei bereit, ihm auf eigene Kosten Gastfreundschaft zu erweisen.

        Das bedeutet der Satz „nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat“. Das bedeutet, Jünger Jesu zu sein. Das bedeutet, ins Ebenbild von Christus verwandelt zu werden (2Kor.3,18). Aus gleichem Geist, gleichem Wesen handeln, wie Christus es tat. Als Kinder Gottes.

Er hat uns vorbehaltlos geliebt, vorbehaltlos angenommen. Er hat nicht gesagt: „erst musst du das und das so und so tun – und dann werde ich dich lieben“. Er hat nicht verlangt, dass wir uns erst ändern, und dann würde er uns bereit sein, anzunehmen. Er hat nicht gesagt, wir sollen erst dies oder jenes tun, und dann erst wird er uns erretten! Hat er nicht…! Vorbehaltlos, bedingungslos hat er uns angenommen! Und genau so befiehlt er uns auch einander anzunehmen!

Und dabei haben wir es ja viel leichter! Als er uns angenommen hat, sagt die Bibel, waren wir ja nicht seine Geschwister! Sondern wer waren wir denn, als er uns angenommen hat!? Das Wort Gottes sagt, dass Christus uns angenommen hat, als wir noch seine Feinde waren (Röm.5,10), als wir noch „schwach“ (Versager; unfähig, Gottes Gebote zu halten) waren (Röm.5,6), als wir noch Sünder waren (Röm.5,8), als wir Gottlose waren (Röm.5,6)! Bei uns geht es darum, den Bruder, die Schwester „anzunehmen“!

Und so hat er uns „angenommen“: Er hat Sein Leben für unseres gegeben; er hat uns die Vergebung der Sünden vor Gott erworben; wir haben die Heiligung in ihm, ohne die niemand Gott sehen kann (Heb.12,14); er hat uns – ohne dass wir es wert wären – zu Erben des Reiches und zu Gottes Kindern gemacht – dadurch, dass er uns „angenommen“ hat…

Warum hat Christus das getan!?

 

3. …zu Gottes Lob!

Darum nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob“ (Röm.15,7). Das ist das Ziel. Dieses Ziel hat Paulus auch schon in V.6 genannt: „damit ihr einmütig mit einem Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus“ (V.6) – Gottes Lob, die Ehre Gottes ist hier als höchstes Ziel unseres Annehmens, unseres Dienstes aneinander genannt. Was bedeutet das konkret?

        Das Verhalten von Christus, dass er uns angenommen hatte, so wie wir waren, führt uns zum Staunen über Gott; es führt uns zur tieferen Erkenntnis Gottes, seines Wesens, seiner Liebe; und es führt uns somit zur Anbetung Gottes. „Aber Gott nahe zu sein ist mein Glück“ (Ps.73,28 - Jahreslosung 2014). Wer Gott so erkennt, der weiß: es ist wirklich Glück, diesem Gott nahe zu sein! Einen Gott kennen, der ohne Grund liebt. Einen Gott, der Todsünden vergibt, ja selbst noch dafür büßt! Einen Gott, der selbst unsere Strafe auf sich nimmt, anstatt sie an uns zu vollstrecken. Einen Gott, der dich vorbehaltlos annimmt!

        Er hat uns nun zu seinen Kindern gemacht.  Damit ist er ein Risiko eingegangen. Denn nach unserem Verhalten urteilt man über unseren Vater. Über Gott. Und entweder machen wir ihm Ehre, oder aber wir entehren ihn. Durch unser Verhalten. Durch unsere Lebensweise. Durch unseren Umgang miteinander. Wenn die Menschen sehen, wie wir miteinander umgehen, können sie entweder zu Gott hingezogen werden und bei ihm das Heil finden, oder aber sie können wegen unserem Umgang von Gott ein total falsches Bild bekommen.

        Genau deswegen heißt es auch, „Darum nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob“! Denn durch unser Verhalten nach dem Vorbild Christi können die Menschen um uns herum Gott erkennen, so wie er ist – und ihm die Ehre geben!

        Und zwar nicht so jeder für sich, sondern, wie es schon in V. 6 heißt: „damit ihr einmütig mit einem Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus“ (V.6). Einander selbstlos dienen, einander vorbehaltlos, wie Christus, annehmen, führt zu Einmütigkeit – und zwar zur Einmütigkeit im Lob Gottes, Einmütigkeit im Dienst für Gott und an einander. Diese Einmütigkeit ist ein gewaltiges Zeugnis für die Welt! So lesen wir über die Urgemeinde: „Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen  47 und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden“ (Apg.2,46f).

        Die Christen waren täglich „einmütig beieinander“, „lobten Gott“ – und als Ergebnis sehen wir, sie „fanden Wohlwollen beim ganzen Volk“ und – „der Herr… fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden!“ Gott wird geehrt, wenn wir, wie sein Sohn Jesus Christus, einander annehmen – vorbehaltlos, unverdient – in Liebe!

 

Schluss

Er hat uns angenommen. Als wir noch seine Feinde waren.

1. Darum gilt für uns: Nehmt einander an! Unser „annehmen“ ist eine Folge der Tatsache, dass Christus uns bereits angenommen hat!

2. Wie Christus uns angenommen hat. Auf die gleiche Art und Weise: vorbehaltlos, vergeben, in Liebe einander dienen! „Christus Jesus gemäß“, d.h. wie es unserem Stand als Christen entspricht!

3. …zu Gottes Lob! So wird Gott geehrt und Menschen können Gott kennenlernen – durch unser Zeugnis der Liebe zu einander!

Lasst uns das kommende Jahr darauf bedacht zu sein, dieses Wort in die Tat umzusetzen. Damit es jedem von uns zu Gute kommt – und Gott, unser Vater, durch Jesus Christus geehrt wird!

Denn auch Christus hatte nicht an sich selbst Gefallen, sondern wie geschrieben steht: »Die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen.«   ...  5 Der Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander, Christus Jesus gemäß6 damit ihr einmütig mit einem Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus.“ (Röm.15,1-6)

 

In diesem Sinne - ein gesegnetes Jahr 2015!




Wort der Woche KW 1


„..die Gemeinde des lebendigen Gottes, ein Pfeiler und eine Grundfeste der Wahrheit.“ (1.Timotheus 3,15)

 

Liebe Freunde,

 

im Namen der Christusgemeinde Flein wünsche ich herzlichst ein gesegnetes Neues Jahr 2015!

 

Es geht beim „Wort vom Pastor“ um die Gemeinde. Um unser Leben mit- und vor Gott. Warum Gemeinde? Wozu gibt es heute noch Gottesdienste? Ist predigen, singen, beten noch zeitgemäß? Ist es nicht eine überholte Form? Ist es noch aktuell? Königreiche kommen und gehen, Großmächte entstehen und zerfallen, Weltreiche streben auf und zerbrechen – doch die Gemeinde besteht über 20 Jahrhunderte, durchsteht Verfolgungen, Kriege, Hungersnöte, Modeerscheinungen, Revolutionen, Entwicklungen – und steht auch heute noch sieghaft da!

 

Wie ist das möglich? Eben weil es „..die Gemeinde des lebendigen Gottes, ein Pfeiler und eine Grundfeste der Wahrheit“ ist (1.Timotheus 3,15). Die Gemeinde Jesu Christi ist keine menschliche Institution, keine rein menschliche Organisation, sondern der Leib des Christus (1.Korinther 12).

 

In dieser Rubrik wird jede Woche ein neuer Artikel erscheinen.  Es geht dabei um kurze, fortlaufende Beiträge zu bestimmten Themen. Im Licht des Wortes Gottes werden wir uns Gedanken machen über die Gemeinde. Wir werden schauen, was wir haben, und was der Plan Gottes ist. Wir werden nachdenken über Fragen und Herausforderungen unserer Zeit, über christliche Ethik, Gottes Gebote für uns - und vieles mehr, was uns als Gemeinde Christi betrifft!

 

Viel Freude und Segen wünsche ich allen durch diese Beiträge zu erleben!

 

Viktor Jerke,

 

Pastor