Wort der Woche Aktuell


 

DAS VIERTE GEBOT

Begründung des Vierten Gebots in der Bibel

 

Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst. 9 Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. 10 Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. 

11 Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der Herr den Sabbattag und heiligte ihn.“  (2.Mo.20,8-11; vgl. 5.Mo.5,12-15).

Heute werden wir die Begründung des Vierten Gebots im Alten Bund nachdenken. Was wollte Gott damit erreichen, wozu wurde es gegeben?

 

2. Begründung des Vierten Gebots

In den Texten der Bibel, wo es um das Sabbatgebot geht, finden wir zwei Begründungen:

 

1) Die theozentrische Begründung (2.Mo.20,11)

„Theozentrisch“ bedeutet, dass Gott in der Mitte steht (vom griechischen „Theos“ = Gott). Gott selbst soll die zentrale Stellung bei der Sabbatfeier gehören. Konkret bedeutet es, dass das Volk Gottes am Sabbattag an die Schöpfung Gottes denken soll, ihn als Schöpfer feiern. Dazu gehört auch, dass von der Arbeit geruht wird, denn Gott hat die Welt in sechs Tagen erschaffen und „ruhte“ am Siebten. Somit hat das Sabbatgebot mit der Schöpfungsgeschichte zu tun – Israel, das Volk Gottes, sollte an diesem Tag keine Arbeit tun, ruhen und Gott den Schöpfer und seine Schöpfung feiern.

 

2) Die anthropozentrische Begründung (5.Mo.5,15).

„Anthropozentrisch“ bedeutet, dass der Mensch in der Mitte steht (vom griechischen „Anthropos“ = Mensch). Das heißt ganz konkret, dass im Fokus des Sabbatgebots ebenso der Mensch und seine Bedürfnisse stehen. Der Sabbat ist ein Tag der Erinnerung an die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten, an die Rettungsaktion Gottes, der sein Volk aus der Knechtschaft in Ägypten befreit hat. Darum soll Israel am siebten Tag, am Sabbat, keine Arbeit tun, sondern ruhen – das Sabbatgebot enthält somit eine Erinnerung (an die Befreiung von der Sklaverei) und gleichzeitig auch eine Erwartung (der endzeitlichen Erlösung durch Christus).

        

         Nun schauen wir uns diese beiden Aspekte des Sabbatgebots genauer an:

 

2.1. Die theozentrische Begründung des Sabbatgebots (2.Mo.20,11)

Es bedeutet in erster Linie, dass Gott selbst an diesem Tag zu feiern ist! Besonders auffällig wird dieser Aspekt in den Psalmen betont: „Ein Psalm, ein Lied. Für den Tag des Sabbaths. Es ist gut, Jahwe zu preisen, und Psalmen zu singen deinem Namen, o Höchster! 2  Am Morgen zu verkünden deine Güte, und deine Treue in den Nächten, 

3  zum Zehnsait und zur Harfe, zum Saitenspiel mit der Laute. 4  Denn du hast mich erfreut, Jahwe, durch dein Tun; über die Werke deiner Hände will ich jubeln. 

5  Wie groß sind deine Werke, Jahwe! Sehr tief sind deine Gedanken. (Ps.92). Dieser Psalm wurde für den Sabbat gedichtet, und hier geht es um den Schöpfer und die Schöpfung.

         Der theozentrische Aspekt wird besonders im 2. Buch Moses hervorgehoben:

Und er sprach zu ihnen: Dies ist es, was Jahwe geredet hat: Morgen ist Ruhe, ein heiliger Sabbat dem Jahwe; was ihr backen wollt, backet, und was ihr kochen wollt, kochet.“ (2.Mo.16,23)

Da sprach Mose: Esset es heute, denn heute ist Sabbat dem Jahwe“ (2.Mo.16,25)

Gedenke des Sabbattages, ihn zu heiligen“ (2.Mo.20,8)

Und du, rede zu den Kindern Israel und sprich: Fürwahr, meine Sabbate sollt ihr beachten; denn sie sind ein Zeichen zwischen mir und euch bei euren Geschlechtern, damit ihr wisset, dass ich, Jahwe, es bin, der euch heiligt“ (2.Mo.31,13) - die Einhaltung des Sabbats wird zu einem Kennzeichen des Volkes Gottes; durch die Einhaltung dieses Tages unterscheidet sich Israel von allen Völkern der Erde.

         An Sabbaten wurde nicht gearbeitet, eine absolute Ruhe war geboten. Dadurch bekannte das Volk sich zum Herrn, der das Leben gibt und auch erhält. Es war ein Bekenntnis, dass unser Leben letztlich doch nicht in unserer Hand ist, letztlich hängt alles vom Herrn ab. Besonders herausfordernd für den Glaubensgehorsam ist die Forderung: „Sechs Tage sollst du arbeiten, aber am siebten Tage sollst du ruhen; in der Pflügezeit und in der Ernte sollst du ruhen.“ (2.Mo.34,21). In der Zeit der Saat und Ernte, wo jeder Tag zählt, dennoch für den Sabbattag alles ruhen zu lassen, zeigt, dass man damit wirklich nicht auf eigene Leistung, sondern auf die Fürsorge des Herrn zählt. Die Ernte kommt von Gott. Dieser Gedanke wird in vielerlei Form in der Bibel mehrfach wiederholt: „Ihr sollt am Tage des Sabbats kein Feuer anzünden in allen euren Wohnungen. (2.Mo.35,3). Am Sabbattag sollte das Volk Gottes sich nicht um eigenes Einkommen, Sicherheit und alltägliche Dinge kümmern, auch keinen Handel treiben (Neh.10,31; Jes.58,13).

         Dafür aber sollte das Volk Gottes umso mehr an den Herrn und seine Werke denken, das Vertrauen auf ihn werfen, sich ganz praktisch auf ihn im alltagsgeschehen verlassen. Auch im Neuen Testament lesen wir, dass an Sabbaten das Volk in die Synagogen strömte – um das Wort Gottes zu hören, an seine Werke zu denken und ihn zu preisen und anzubeten.

 

Viktor Jerke,

 

 

Pastor


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